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Deutschland vor dem Schicksalsspiel gegen Schweden

Nach dem Spiel gegen Mexiko ist vor dem Schicksalsspiel gegen Schweden: Die sportliche Lage in Deutschland ist ebenso angespannt wie jene bei den vielen Berichterstattern und Experten.

(sda) Deutschland besitzt eine Menge ehemaliger Internationaler, die sich verbal oder schriftlich zum Thema Nationalteam austoben dürfen. Ihre zumeist pointierten Meinungen sind in TV-Sendungen ebenso gefragt wie in Zeitungskolumnen oder in Internet-Auftritten von grossen Firmen. Diese Kombination von Bekanntheit, wenig Zurückhaltung und Effekt-Hascherei durch den Auftraggeber sorgt dafür, dass sich die Äusserungen verdienter Spieler rasend schnell multiplizieren und kommentiert werden.

Die Heftigkeit der Kritik, die nach dem 0:1 gegen Mexiko niederprasselte, erreichte Ausmasse, die sich die DFB-Auswahl nicht gewohnt ist, die aber nach der sehr durchzogenen Vorbereitung nicht allzu überraschend kam. "Ballbesitzverlustangstfussball", wie die "Zeit" einen neuen Begriff kreierte, war noch eine der netteren Beschreibungen.

Interessant zu beobachten war, dass alles, was 2014 auf dem Weg zum Titel richtig schien, nun plötzlich falsch sein soll. "Wir haben keinen Problemlöser! Kein Spieler ist in der Lage, ein Problem zu lösen, wenn es schwierig wird", sagte etwa Paul Breitner. "Es war deprimierend zu sehen, wie hilflos unsere Mannschaft war und nicht wusste, wie sie eine Abwehr knacken soll."

In die gleiche Kerbe schlugen auch andere, manche immerhin, ohne einzelne Spieler im Graubereich um die Gürtellinie anzugreifen. "Mir hat in dieser Partie fast alles gefehlt. Ich habe die deutsche Mannschaft bei einem grossen Turnier lange nicht mehr so schwach gesehen", teilte der deutsche Rekord-Internationale Lothar Matthäus via "Bild" mit. Franz Beckenbauer, der vorletzte Weltmeister-Trainer, sorgte sich im gleichen Blatt: "Mit dem Künstlerischen muss Schluss sein. Wenn wir so bewegungsarm wie gegen Mexiko weiterspielen, gewinnen wir nichts mehr."

Schwache Auftritte an WM-Turnieren als Favorit sind für Deutschland keine neue Erfahrung. 2010 im entscheidenden Gruppenspiel gegen Ghana mühte sich Joachim Löws Mannschaft zu einem 1:0, ebenso vier Jahre später gegen die USA. 2014 nach dem knapp gewonnenen Achtelfinal gegen Algerien stimmte am Ende das Resultat (2:1 nach Verlängerung) ebenfalls, nicht aber der Umgangston. "Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder sollen wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?", fragte Per Mertesacker im legendären ZDF-Interview damals giftig zurück, weil das Spiel laut dem Fragenden nicht schön anzusehen war.

Auch gegen Schweden erwartet heute niemand einen glanzvollen Auftritt, erst recht nicht in Anbetracht der Umstände. Deshalb versuchte der Staff der Mannschaft im Rahmen der intensiven Aufarbeitung krampfhaft, Optimismus zu verbreiten und auf Routine zu setzen. "Jogi weiss, was er an den bewährten Spielern hat", sagte Manager Oliver Bierhoff. "Wir dürfen die Linie nicht verlieren." Ähnlich äusserte sich Assistenztrainer Miroslav Klose: "Wir haben unter Druck die besten Spiele gemacht. Jetzt muss jeder liefern. Gesprochen wurde genug. Die Achse muss vorangehen", nahm der 2014 im Final für den Siegtorschützen Mario Götze ausgewechselte Stürmer die Führungsspieler in die Pflicht.

Diese hatten sich am Montag unmittelbar nach der Auftaktpleite gegen Mexiko in der Kabine ordentlich die Meinung gegeigt. "Es hat geknallt. Wir haben uns die Meinung gesagt und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. So stark war die Kommunikation noch nie", berichtete Captain Manuel Neuer. Eines der Hauptthemen dabei: die mangelnde Bereitschaft der Führungsspieler (unter ihnen waren acht Weltmeister von 2014 in der Startformation), Verantwortung zu übernehmen. "Es geht nicht um eine Personaldiskussion, sondern darum, ob jeder bereit ist, alles zu geben."

Im Lager des DFB ist man sich unabhängig von den scharfen Wortmeldungen bewusst, wie viel gegen Schweden auf dem Spiel steht. Von ausserhalb erhielt die Mannschaft moralische Unterstützung von einem mit Vergangenheit beim Verband. Der ehemalige Bundestrainer Rudi Völler macht sich um das Weiterkommen keine Sorgen. "Ich meine, dass wir uns da jetzt nicht so verrückt machen lassen sollten. Das wird die Mannschaft schaffen."

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