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Les Prés-d’Orvin

Lange läuft hier nur der Erfahrene

Am Nordic Day hat es keinen einzigen freien Kursplatz mehr gegeben. Das unterstreicht: 
Der Langlaufsport wird immer beliebter. Er ist für den Anfänger aber schwierig – und ungemein anstrengend.

  • 1/21 Skis fassen: Die Anfänger leihen sich das Material. Einige kommen wohl wieder – diesmal vielleicht mit eigenen Skis. Peter Samuel Jaggi
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Lino Schaeren

Sonntag, kurz nach 9 Uhr, auf der Route Métairie de Prêles in Les Prés-d’Orvin. Obwohl es seit Wochen nicht mehr geschneit hat, liegt die Schneedecke fast gänzlich unberührt über den Wiesen zur Strassenseite. Man könnte den Eindruck gewinnen, sich in einem Idyll zu bewegen – wären da nicht diese Autos, die im Abstand von einigen Sekunden an einem vorbeirauschen. Die Insassen haben alle dasselbe Ziel: das Langlaufzentrum. Am Nordic Day frischen wenig Geübte ihr Können auf und gänzlich Unerfahrene lernen eine für sie neue Sportart kennen. Einige nehmen die schmalen Skis aus dem Kofferraum, die meisten aber leihen sich das Material von den Organisatoren.

Langlauf ist eine Sportart, die derzeit neu auflebt. Mit immer mehr Sendezeit im Fernsehen hat das Langlaufen auch in der breiten Bevölkerung massiv an Beliebtheit gewonnen. «Die Zeiten, in denen Langlauf als Seniorensport angesehen und belächelt wurde, sind vorbei», sagt Mario Wyssbrod, Mitglied des Organisationskomitees des Nordic Days in Les Prés-d’Orvin. Das macht sich auch bei der Veranstaltung beim Langlaufzentrum bemerkbar.

Das Gleichgewicht finden

Kurz nach 10 Uhr nimmt eine Gruppe das Aufwärmen in Angriff, die so gar nicht den alten Klischees entsprechen will. Viele Familien sind gekommen, Sportbegeisterte, die nach Abwechslung suchen. «Langlauf ist gerade auch bei Ausdauersportlern zu einer echten Alternative für die Wintermonate geworden», sagt Wyssbrod.

Die Anfängerkurse am Nordic Day am Jurasüdhang sind ausgebucht. Rund 300 Interessierte, aufgeteilt auf die Techniken Klassisch und Skating, wagen sich auf die Piste. Einige werden wiederkommen. Und das ist schliesslich das Ziel der Veranstaltung: «Wir sind Ideologen», sagt Wyssbrod, und er meint damit sowohl die Organisatoren als auch die Kursleiter. «Uns geht es darum, unseren Sport weiterzubringen.»

Die Langlaufskis sind montiert. Zuerst aber wird einmal gerutscht und mit den Armen gerudert –und wenig gelaufen. «Ich kann nicht steuern, die Kanten fehlen», klagt eine Kursteilnehmerin. Da helfen in der klassischen Technik die Spuren. Blick gerade aus, nicht auf die Skispitzen, lautet eine der ersten Anweisungen. Die Stöcke, eigentlich willkommene Hilfsmittel dabei, Stürze zu verhindern, kommen gleich zu Beginn weg. «Die sind nicht da, um das Gleichgewicht zu halten», erklärt Kursleiter Manfred Zeller. Gleichgewicht, das wird schnell klar, ist das Wichtigste im Langlauf. Und muss auch vom erfahrensten Skifahrer erst einmal gefunden werden.

Wo ist denn hier die Bremse?

Wenn die zweite Schnupperstunde anbricht, gleitet Zeller einen Schritt weiter, die Stöcke sind wieder da. Dafür ist nun die Puste weg. Die Steigungen fordern den Läuferinnen und Läufern alles ab. Oben angekommen, folgt das nächste Problem: Die dünnen Latten laufen gut. Sie laufen sehr gut. Und wie man mit diesen Dingern in der Abfahrt bremsen kann, das hat niemand erklärt. Macht nichts. Zwar kommt es zu einigen Stürzen, Verletzungen zieht sich aber niemand zu.

Unten angekommen, ist das Reinschnuppern vorbei. «Das ist nichts für mich, nein, nein», sagt eine junge Teilnehmerin, «ich habe kein Talent dafür.» Eine andere hingegen erkundigt sich praktisch zeitgleich bei Wyssbrod, wo sie sich für einen mehrteiligen Kurs einschreiben könne. Sie ist offensichtlich auf den Geschmack gekommen. Wyssbrod sagt bereits am Mittag, noch bevor die Nachmittagskurse beginnen, dass er «sehr zufrieden» sei mit der Veranstaltung. Und er glaubt, dass auch jene, die nicht wiederkommen werden, etwas von diesem Tag mit nach Hause nehmen. «Morgen», verspricht Wyssbrod, «wird jeder Teilnehmer das Geleistete noch spüren.»

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