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Eishockey

Hiller und die Kanada-Erlebnisse

Eishockey Torhüter Jonas Hiller (35) bestreitet am Mittwoch um 20.15 Uhr gegen Kanada in seinem Bieler Heimstadion das 60. Länderspiel. An Kanada hat er gute (2010) wie weniger gute (2017) Erinnerungen.

Jonas Hiller gegen Crosby anlässlich des Penaltschiessens an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver gegen Kanada (2:3). Bildquelle: Keystone

Beat Moning

2010 war Jonas Hiller als gestandener NHL-Torhüter in Vancouver dabei, 2014 in Sotschi und 2018 soll es Pyeongchang sein. Morgen hat er als erster Torhüter die Gelegenheit, sich bei Patrick Fischer für die Olympischen Spiele auszuzeichnen. Zwar ist der Bieler Torhüter im Oktober-Loch des EHC Biel ebenfalls in die Kritik geraten, doch der Nationaltrainer sah in dieser Zeit «einen sehr guten Jonas Hiller. Er hat sich das Aufgebot verdient.»
Um 13.30 Uhr packte Jonas Hiller gestern in der Bieler Garderobe seine Tasche. Dann begab er sich in die Gästegarderobe zu seinen Kollegen. «Es fühlt sich nach den beiden letzten Siegen gegen Langnau und Ambri gut an, hier einzurücken und nicht in diesem Zusammenzug darüber nachdenken zu müssen, was wir alles besser hätten machen müssen», so Hiller, der diesen Karjala-Cup (mit dem Spiel gegen Kanada in Biel und zwei Partien gegen Tschechien und Russland in Helsinki) als Olympiaauftakt betrachtet. «Nur dieses Turnier und der Spenglercup, dann wird selektioniert. Es ist sicher früh für eine Standortbestimmung, aber du bist schon unter Druck, eine gute Leistung zu zeigen, um dann in Südkorea mit von der Partie zu sein.» Der Auftakt gegen Kanada passt Jonas Hiller. Es sind Spiele, in denen er über sich hinauswachsen kann. «Ich freue mich, da sind doch einige Kaliber darunter, die es uns nicht leicht machen werden.» Hiller ist der Überzeugung, dass in der Kontinental Hockey League nach der NHL die besten Kanadier am Werke sind. «Solche, die in der NHL schon einiges erreicht haben, andere, die vielleicht nur mit viel Pech in keinem NHL-Team Unterschlupf fanden. Die KHL ist die zweitbeste Liga. Auch, was die finanziellen Möglichkeiten anbetreffen. Da will sich jeder Kanadier zeigen.»
13. Mai 2017, Paris
Blick zurück: Die Weltmeisterschaft im Mai war nicht Jonas Hillers «Ding». Von Beginn weg wurde er als die klare Nummer 2 hinter Meistergoalie Leonardo Genoni eingestuft. Hiller hätte die Ausgangslage in eine andere Bahn lenken können: Am 13. Mai wurde er gegen Kanada nominiert und nach zwei Gegentoren in nur fünf Minuten von Fischer vom Felde genommen. «Ich musste ein Zeichen setzen, das war nicht gegen Hiller» sagte damals Patrick Fischer. Der langjährige NHL-Goalie kam in der Folge nicht mehr zum Zuge, zumal eine kleinere Verletzung das Aus bedeutet hatte. Die Schweiz besiegte Kanada in der Overtime mit 3:2. Hiller heute: «Das ist vorbei. Es gibt immer Spiele, in denen es dir nicht läuft. Dann gibt es auch wieder andere Partien.»
18. Februar 2010, Vancouver
Bei einem anderen legendären Match war Jonas Hiller gegen eines der besten Kanada Teams ever ein Held: Am 18. Februar 2010 in Vancouver an den Olympischen Spielen verlor die Schweiz zwar mit 2:3 nach Penaltyschiessen, doch Hiller bestätigte sich weltweit und nach 44 erfolgreichen Paraden als NHL-Goalie. Im Penaltyschiessen wehrte er unter anderem einen Schuss von Sidney Crosby ab. In der Penalty-«Verlängerung» traf dann der gleiche Spieler zum Sieg für die Kanadier. «Das ist eines dieser Spiele, die du nie vergisst. Auch wenn du am Ende sagen musst: Schade, dass wir Kanada in Vancouver nicht geschlagen haben. Das wäre für uns Schweizer schon sehr speziell gewesen.» Ähnlich dann die Viertelfinalpartie gegen die USA. Auch da, es hat nicht sollen sein, aber für mein Ansehen in der NHL als kleiner Schweizer waren diese Spiele natürlich sehr gut.» Knapp verpasst hat Hiller die Olympischen Spiele 2006 in Turin, als Coach Ralph Krueger auf David Aebischer und Martin Gerber zählte. «Ich musste kurz vor dem Turnier abreisen. Das war nicht einfach.» Auch da spielte Kanada eine Rolle: Gerber war der Mann des Spiels, als die Schweiz die Auftaktpartie 2:0 gewinnen und so Geschichte schreiben konnte. «So kanadisch hat man die Schweiz noch nie spielen sehen», lautete die damalige Erkenntnis.
Olympia: Ohne NHL- und KHL?
Nun also wieder gegen Kanada, gegen allerdings weitgehend neue Kanadier, die in der KHL nach einigen Jahren in der NHL ihr Brot verdienen. Möglich, dass diese Equipe ein letztes Mal in dieser Formation antreten wird, denn die Russen wollen offenbar die Meisterschaft nicht unterbrechen, zumal die Diskussion um die russischen Dopingsünder zu einem Boykott führen könnte (BT vom Montag). Für Hiller spielt es keine Rolle, wer auf der Gegenseite steht. Er sagt lediglich:«Schade, dass die NHL pausiert. Ich weiss, dass die Spieler gerne bei Olympia dabei wären.» Gilt wohl auch für die KHL-Kanadier.

 

Der für die Länderspiele gegen Kanada, Tschechien und Russland aufgebotene Samuel Kreis (Nachnominierung) äussert sich zur Selektion. Dazu ein Rückblick auf bisherige Länderspiele in Biel. Dies im BT und E-Paper der Dienstag-Ausgabe

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