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Gurzelen-Epoche geht zu Ende

Die altehrwürdige Gurzelen ist morgen gegen Wohlen und am Pfingstmontag gegen Lugano noch einmal Schauplatz von FC-Biel-Spielen. Danach bricht in der Tissot Arena eine neue Zeit an. In derselben Liga, hofft Ex-Goalie Markus Rosset.

Biel gegen das berühmte Inter Mailand (1963): Parlier stürzt sich auf den Ball, während Stäuble einen Inter-Stürmer abschirmt. Die altehrwürdige Gurzelen war Schauplatz vieler Spiele. Am Pfingstmontag steht das letzte Heimspiel des FC Biel an. Bild: bt/a

von Francisco Rodríguez

In der Saison 1912/13 bezog der FC Biel die neuerstellte Gurzelen. Peter Renatus, langjähriger nebenamtlicher Berichterstatter für verschiedene Zeitungen und früheres Verwaltungsratsmitglied des FC Biel, hat das Ereignis in seinem Jubiläumsbuch «FC Biel-Bienne 1896 - 1996» festgehalten. «Für Installationen und Tribüne galt es, 14 000 Franken aufzutreiben, was man mit Obligationen innert einigen Wochen zustande brachte», schreibt Renatus. «Es war ein Verdienst von (Klub)präsident Henri Jeanmaire und dessen Bruder, dem Architekten Alfred Jeanmaire, dass eine der damals schönsten Sportanlagen eingerichtet und das Geld so rasch zusammengebracht wurde.»

Somit wird die altehrwürdige Gurzelen dem FC Biel über hundert Jahre gedient haben. Mit dem Challenge-League-Spiel gegen den grossen Aufstiegsfavoriten FC Lugano geht am Pfingstmontag eine Epoche zu Ende, die dem Stadtklub viele erfolgreiche Momente, aber auch Misserfolge beschert hat. Höhepunkt war 1947 der Meistertitel gewesen, Tiefpunkt 1990 der Abstieg in die 2. Liga. Sofern die Übergabe der Tissot Arena fristgerecht läuft, werden ab Sommer zunächst die 1. Mannschaft im neuen Stadion einlaufen und nach Fertigstellung der Aussenfelder zu einem späteren Zeitpunkt auch die restlichen Teams umziehen. In einigen Jahren wird dann das Gurzelen-Stadion abgerissen und einer Überbauung mit Wohnungen Platz machen müssen.

Markus Rosset wird beim morgigen Heimspiel gegen Wohlen (19.45 Uhr) auf der Haupttribüne sitzen und auch am Pfingstmontag mitfiebern. Von 1961 bis 1971 hütete er während zehn NLA-Saisons das Tor des FC Biel, bekleidete nach seiner Aktivkarriere einige Jahre lang das Vorstandsamt des Transferchefs und ist inzwischen praktisch an jedem Spiel als Zuschauer vor Ort. «Am Pfingstmontag nehme ich meine Frau und meine drei Töchter mit ihren Partnern mit», sagt der in Aegerten aufgewachsene Bieler. «Ich hoffe, dass es diesmal viele Zuschauer geben wird, die unser Team unterstützen.» Nicht nur, weil es der letzte Auftritt im Gurzelen-Stadion sein wird, sondern vor allem wegen der prekären sportlichen Situation des aktuellen Tabellenletzten. «Ich glaube daran, dass sie es schaffen werden, sofern die Trainer ihre richtigen Schlüsse gezogen haben und die Mannschaft motivieren können, noch einmal alles zu geben.»

 

17 500 Fans auf der Gurzelen

Schon als Junge besuchte der 1942 in Bern geborene Rosset zusammen mit seinem Vater die Spiele des FC Biel auf der Gurzelen. Gross sei damals die Begeisterung für den Klub und den Fussballsport in Biel gewesen. In der Saison 1959/60 drohte das Stadion fast aus allen Nähten zu platzen. Rosset erinnert sich noch besonders gut an zwei Heimpartien. Am 6. Dezember 1959 war er unter den 17 500 Zuschauern, die den 2:0-Sieg des FC Biel gegen La Chaux-de-Fonds sahen. Am 28. Februar 1960 schlug der FC Biel Kantonsrivale YB vor 15 500 Zuschauern mit 3:1. «Das waren einmalige Erlebnisse. Heute stimmt es mich traurig, wenn nur 800 Leute da sind und auf der Tribüne keine Emotionen aufkommen.»

Die 17 500 Fans gegen La Chaux-de-Fonds gelten als inoffizieller Gurzelen-Zuschauerrekord. Damals nahmen die Zuschauer auch auf improvisierten Tribünen hinter dem Ost-Tor und auf herangeführten Wagenanhängern Platz. Eine Bestmarke in der «Neuzeit», das heisst ab den achtziger Jahren, bedeuten die 6500 Fans im restlos ausverkauften Cup-Viertelfinal vom 3. März 2011 gegen den FC Basel. Getrübt wurde die Freude über den 3:1-Sensationssieg durch Scharmützel der Fans, die den Rasen stürmten, bevor rund 150 Kantonspolizisten mit Einsatz von Gummischrot die Lage wieder unter Kontrolle bringen konnten. Dieser nur aus sportlicher Sicht memorable Abend zeigte leider auch, dass die Gurzelen in der heutigen Zeit für solche Grossanlässe definitiv ausgedient hat. «Ich habe kein Verständnis für diese Randalierer», sagt Rosset. «Früher war die Polizei auf der Gurzelen nur dafür da, um die Autos nebenan auf dem Parkplatz einzuweisen. Chaoten gab es noch keine.»

 

Holztribüne abgebrannt

Dennoch blieb das alte Stadion auch früher nicht ganz von Unglücken verschont. So verlor der FC Biel 1951 seine Zuschauertribüne. Nach einem Spiel gegen eine österreichische Mannschaft brannte das Holzkonstrukt in der Nacht von Samstag auf Sonntag vollständig nieder. Das unter der Tribüne gelagerte Sägemehl, das damals zur Markierung der Fussballplätze diente, geriet wegen eines achtlos weggeworfenen Zigarettenstummels zunächst von niemandem bemerkt in Brand.

Im Februar 1952 konnte die neue Haupttribüne eingeweiht werden, auf der noch heute die Zuschauer Platz nehmen. In den sechziger Jahren folgte schliesslich auf der gegenüberliegenden Seite die Südtribüne. Diese Bauten werden bald ausgedient haben. Zunächst will aber der FC Biel sein Publikum wieder einmal aus den Sitzen reissen und gegen Wohlen und Lugano den Grundstein für eine Challenge-League-Zukunft in der neuen Tissot Arena legen.


Abgebrannt: Die alte Holztribüne auf der Gurzelen wird 1951 ein Raub der Flammen.

Stichwörter: Fussball, Gurzelen, Inter

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