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Hintergrund

Alle diskutieren über diese Fahne – aber was ist „Grossalbanien“ überhaupt?

Die Diskussion um das Skandalspiel zwischen Serbien und Albanien reisst nicht ab. Angefangen hat alles mit einer Fahne, die durchs Stadion schwebte. Darauf abgebildet war nicht einfach eine albanische Flagge, sondern „Grossalbanien“. Und dahinter verbirgt sich sehr viel politischer Zündstoff.

Diese Fahne ist der Auslöser des lodernden Konfliktes. keystone

Die Bilder gingen um die Welt. In der 42. Minute des EM-Qualifikationsspiels zwischen Serbien und Albanien schwebte plötzlich eine Drohne über dem Spielfeld in Belgrad. An ihr befestigt eine Fahne. Im ersten Moment zu erkennen war der zweiköpfige Adler von Albaniens Nationalflagge.

Der serbische Spieler Stefan Mitrovic riss die Fahne an sich, worauf albanische Spieler auf ihn losgingen. Aufgebrachte serbische Zuschauer gelangten daraufhin aufs Spielfeld und attackierten albanische Spieler.


Mitrovic reisst das Transparent runter. keystone

Einer der ersten, der sich auf Mitrovic stürzte, war FC-Basel-Spieler Taulant Xhaka. Gemäss „Blick“ kommentierte er diese Aktion später mit den Worten: „Die Flagge der albanischen Nation haben schon die Ersten von uns verteidigt, und so mussten auch wir es tun.»

Erst später wurde sichtbar, dass hier nicht einfach die Flagge der albanischen Nation über den Rasen schwebte. Nein, auf dem Transparent war viel mehr abgebildet. Die wichtigste Botschaft: ein Grossalbanien. Und die Forderung nach neuen Grenzveränderungen birgt viel Zündstoff auf dem Balkan, einem Gebiet, das viele blutige Kriege hinter sich hat.

"Die wollen Krieg"
Die Folgen der Aktion sind sichtbar. Gemäss der Nachrichtenagentur sda  bekämpfen sich Serben und Albaner auch ausserhalb des Stadions noch immer. In Nordserbien brannten gestern Donnerstag albanische Bäckereien. In der Serben-Hochburg Mitrovica im Kosovo zündeten Albaner serbische Fahnen an. Vor allem die serbischen Medien heizen die Stimmung weiter an. «Die wollen Krieg mit Serbien», titelte die Belgrader Zeitung «Kurir». «Teuflischer Plan Tiranas», war bei «Nase Novine» in grossen Lettern zu lesen. Von «Fussballterror» und «Schweinerei» spricht das Boulevardblatt «Informer».

Auch hierzulande gehen die Emotionen weiterhin hoch. Zu sehen ist dies vor allem in den Sozialen Medien. Jeder Beitrag zum Thema wird von beiden Seiten hitzig diskutiert. Es scheint keinen Mittelweg zu geben. Entweder sind die Serben die Bösen, oder die Albaner.

Das ist Grossalbanien
Dass eine Flagge eines Grossalbaniens mitten in Belgrad, in einem Stadion gefüllt mit Serben, die Emotionen überkochen lässt, verwundert überhaupt nicht. Der Kosovo-Krieg liegt erst 15 Jahre zurück, die Unabhängigkeit des Kosovo wurde 2008 ausgerufen. Und ein Grossalbanien sähe unter anderem die Zusammenführung von Albanien mit dem Kosovo vor. Die Europäische Union will von jeder Grenzveränderung auf dem Balkan nach all den blutigen Kriegen aber nichts wissen.

Das Grossalbanien, das auf der Fahne im Stadion zu sehen war, würde aber nicht nur aus einem Zusammenschluss des Kosovo mit Albanien bestehen. Der von Nationalisten angestrebte Wunschstaat umfasst zudem Teile Serbiens, Mazedoniens, Montenegros und Nordgriechenlandes. Es geht um die Vereinigung aller Gebiete, in denen ethnische Albaner leben. Deshalb der Schriftzug auf dem Transparent: "AUTOCHTHONOUS". Gemäss der „Welt“ bedeutet dies "an Ort und Stelle entstanden" oder "im Lande selbst geboren" und könne auch mit "bodenständig" oder "einheimisch" übersetzt werden.

Ein Grossalbanien, wie es auf der Fahne abgebildet wurde, würde Schätzungen zu Folge rund sechs Millionen Einwohner zählen. Gemäss der Nachrichtenagentur dpa verfolgt ausser der drittstärksten Kosovo-Partei  „Vetevendosje“ (linksnationalistisch) keine Albanerpartei dieses politische Ziel. Gemäss „Stern“ liebäugeln allerdings zahlreiche albanische Spitzenpolitiker in Serbien, Mazedonien und Montenegro mit dieser Idee. Doch sie hätten Angst, mit dieser Forderung ihre heutige privilegierte Stellung in ihren jeweiligen Ländern zu verlieren.


Ein Grossalbanien würde rund sechs Millionen Einwohner zählen. keystone

Die Landesgrenzen von Albanien wurden 1912 gezogen, als die „Londoner Botschafterkonferenz“ die Unabhängigkeit Albaniens vom Osmanischen Reich akzeptierte. Und das wiederum erklärt weitere Symbole des Transparents, das durch das Stadion in Belgrad flog. Abgebildet war nämlich auch das Datum 28. November 1912. Gemäss der „Welt“ ist das der Tag, an dem Führer der albanischen Nationalbewegung die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich forderten. Zudem abgebildet sind die beiden Unabhängigkeitskämpfer Ismail Qemali und Isa Boletini, die zu dieser Zeit Albanien in die Unabhängigkeit führten.

Ein Grossalbanien existierte dann in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Balkanfeldzug gliederte Benito Mussolini dem annektierten Albanien den Kosovo und Teile von Mazedonien und Griechenland an, die von Albanern bewohnt waren. Anerkannt wurde dieser Staat allerdings nur von den Achsenmächten, also vom damaligen Deutschen Reich und den Bündnispartnern. Nach der Befreiung des Gebietes 1944 zerbrach Grossalbanien wieder. Die Kommunistische Partei Albaniens beschränkte sich danach auf die Grenzen aus den Vorkriegszeiten.


Italiens Faschistenführer Benito Mussolini (mitte) gründete 1941 ein Grossalbanien. keystone

Der Ruf nach einem Zusammenschluss des Kosovo mit Albanien wurde auch seit der Unabhängigkeit des Kosovo im Jahr 2008 zwar immer wieder laut. Dies widerspricht jedoch dem von der kosovarischen Führung und dem Westen akzeptierten Ahtisaari-Plan zur Unabhängigkeit des Kosovo.

pam
 

Kommentare

Demokrat

Solches Tun beider Seiten ist sichtbar gemachte Intelligenz. Sämtliche aufgelisteten Nationen sind Ex Jugos und haben von Ihrer Vergangenheit nichts gelernt! Der nächste Bruderkrieg zwischen den verschiedenen und verfeindeten Gruppen ist vor programmiert. Das nächste Mal werden die Grenzen geschlossen! Fahnenflüchtige Weichlinge haben wir schon genug aufgenommen!


Georges

Ist doch klar! Sie haben schon Recht Herr zrbsrivomrikavots@maniac71. Der samosserbische Slogan lautet: Spass muss sein :-()...


maniac71

samo sloga srbina spasava


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