NuJazz aus Sizilien
Wem ist sie ein Begriff, die traditionell sizilianische Musik? Den
wenigsten von uns. Das erstaunt nicht: Abgeschieden und nur schwer
erreichbar, hat die Kultur dieser Mittelmeerinsel eine marginale
Wirkung auf unser mitteleuropäisches Kulturtreiben.
(ld) Vermutlich nicht mehr allzu lange. In Sizilien brodelt nicht nur der Ätna, sondern seit kurzem auch die Jazzszene. Siculounge heisst das Projekt einer jungen Künstlertruppe aus der Küstenstadt Catania, die es sich zum Ziel gemacht hat, klassische sizilianische Volkslieder in die Welt hinauszutragen. Durch die Blume weist sie auf die verstaubten ländlichen Traditionen ihres Umfelds hin: Das Debütalbum «Sciuri Sciuri» – ein alter sizilianischer Terminus für Blumen – hat die Neugier der NuJazz-Liebhaber geweckt. Es vereint Lieder aus vergangenen Zeiten – die von Armut, Leid, Hunger, aber auch von Liebe und Wärme handeln – mit modernen Formen des Acid, Latin und Smooth Jazz. Arrangeur und Projektleiter Mario Di Dio begeht damit ein bisher nur schwach erforschtes Terrain. Siculounge werden noch ein paar Schritte nach vorne machen müssen: In «Sciuri Sciuri» stellt sich die Instrumentalbegleitung zu stark in den Vordergrund und erdrückt den charaktervollen Canto von Sängerin Cristina Russo. Schade eigentlich: Obwohl die Texte wegen des sizilianischen Dialekts auch für Italiener schwer zu verstehen sind, liessen sich die CD und die mit ihr verbundenen Emotionen viel mehr geniessen, wenn die Silben hörund vor allem fühlbar wären. Trotzdem: Wer musikalisch auf eine neue Erfahrung aus ist, hat sie mit diesem speziellen Album gefunden.
INFO: Siculounge Project: «Sciuri Sciuri» (Halidon)