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Biel-Seeland

Mietpreller werden immer dreister

Sie sind der Alptraum eines jeden Vermieters: Mietnomaden, die nicht zahlen und die Wohnung verwüsten. Und sie werden immer dreister. Auch im Seeland.

Mietpreller

LT. Ein freundliches Lächeln im Gesicht, eine Schachtel Pralinen in der Hand. Manchmal erzählen sie auch eine mitleiderregende Geschichte: So treten Mietnomaden auf, wenn sie sich in einer Wohnung einnisten wollen. Vor allem private Vermieter fallen auf sie herein, aber auch Immobilientreuhänder, wie eine BT-Recherche im Seeland zeigt.

Mietpreller hat es immer gegeben. Laut dem Schweizerischen Hauseigentümerverband häufen sich die Fälle in den letzten Jahren allerdings, und die zahlungsunwilligen Mieter werden dreister. Der Verband führt dies darauf zurück, dass die Zahlungsmoral generell schlechter geworden ist: Pro Jahr werden in der Schweiz rund 2,5 Millionen Zahlungsbefehle ausgestellt.

Mieter, die nicht zahlen wollen, begründen dies häufig mit Mängeln an der Wohnung. Andere sind nicht zu erreichen; nicht einmal auf die Kündigung reagieren sie. Häufig tauchen sie irgendwann bei Nacht und Nebel ab und bleiben unauffindbar.

Oder sie reagieren wie ein Bieler, der die Besitzerin seiner Wohnung um 22 000 Franken geschädigt hat: Der Mann meldete sich in Biel ab, ohne sich an seinem neuen Wohnort anzumelden. Nach etlicher Detektivarbeit fand der Immobilientreuhänder zwar heraus, dass der Italiener Unterschlupf bei einem Kollegen in einer Nachbargemeinde gefunden hat. Dennoch ist es unmöglich, ihm eingeschriebene Briefe zukommen zu lassen, da er offiziell nicht dort lebt.

Besitzer von mehreren Liegenschaften können die Verluste verkraften. Nicht aber Personen, die ihr Erspartes in eine kleine Liegenschaft investieren, um als Rentner ein zusätzliches Einkommen zu haben. Der Verlust durch einen säumigen Zahler kann dazu führen, dass sie das Haus verkaufen müssen. Denn Mietnomaden können durch nicht bezahlte Mietzinsen und Zerstörung der Wohnung hohe Schäden anrichten. In Biel hat eine Familie einen Hausbesitzer um 50 000 Franken betrogen.

Doch wieso gelingt es Mietnomaden, von Wohnung zu Wohnung zu ziehen, ohne zu bezahlen, und selbst professionelle Liegenschaftsverwalter hinters Licht zu führen? «Wenn sie aus dem Ausland in die Schweiz einreisen, ist es schwierig, ihre Bonität zu überprüfen», sagt Thomas Werder, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Biel und Umgebung. Auch wenn Leute häufig den Wohnort wechseln, wird eine Überprüfung schwierig (siehe Infobox).

 

Tipps für Hauseigentümer

- Immer einen Betreibungsauszug verlangen. Da dieser nur über Betreibungen am letzten Wohnort und über die letzten drei Jahre Auskunft gibt, bei der Gemeinde Einwohnerauskunft anfordern. Allenfalls auch am vorletzten Wohnort Betreibungsauszug verlangen.

Alternative: Zusammenarbeit mit einer Wirtschaftsauskunftei.

 

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Sie wohnen nur und mieten nicht

Mietnomaden werden im Seeland immer dreister. Sie missbrauchen den Mieterschutz und können fast zwei Jahre in der Wohnung bleiben, ohne zu bezahlen. Wenn sie ausziehen, hinterlassen sie ein Chaos.

LOTTI TEUSCHER

Monatelang hat der Mann die Miete nicht bezahlt, deshalb erhält er die Kündigung. Doch den Termin zum Ausziehen ignoriert er, aber es gibt Hoffnung: Im Treppenhaus stehen immer wieder Möbel. Mit der Zeit stellt sich allerdings heraus, dass der Mieter nicht auszieht, sondern dass mehrere Männer ohne Erlaubnis der Liegenschaftsverwaltung eine illegale WG gründen.

Die Verwaltung gibt dem Italiener eine letzte Frist zum Ausziehen, dies ist gesetzlich vorgeschrieben. Auch diesen Termin lässt der Mann verstreichen, deshalb stellt die Verwaltung beim Bieler Gerichtspräsident ein Gesuch für ein Exmissionsverfahren, also eine gerichtliche Ausweisung, die im schlimmsten Fall von der Polizei vollzogen werden muss.

Polizei wird gerufen

Ein paar Wochen später wandern einige Möbel treppabwärts. Danach herrscht Ruhe in der Wohnung, zumindest vorerst. Der Vermieter darf diese immer noch nicht betreten, denn das Exmissionsverfahren läuft noch.

Ein paar Wochen später zieht ein heftiges Gewitter über Biel, plötzlich tropft Wasser durch die Decke ins Schlafzimmer der unteren Wohnung. Die Mieter rufen die Polizei, das Schloss wird aufgebrochen und das Dachfenster geschlossen, das die Männer-WG offen gelassen hatte. Dank des Polizeieinsatzes hat die Verwaltung nun endlich das Recht, die Wohnung zu betreten und wechselt das Schloss an der Tür aus.

Der Anblick ist übel: Noch immer stehen viele Möbel herum, die Zimmer sind sehr schmutzig, die Küche schmierig, die Teppiche sind voller Flecken, Flaschen liegen herum, im Badezimmer stinkt es bestialisch. Offensichtlich hat der Italiener seinen Hund nicht oft genug Gassi geführt.

Ein Racheakt

Die Verwaltung organisiert ein Zügelunternehmen und ein Putzinstitut. Doch noch sind Schlüssel für die Eingangstür des Hauses im Umlauf. Eines Tages wird das Schloss zur Wohnung aufgebrochen. Die Putzequipe findet eine schmierige Flüssigkeit auf dem Parkettboden, der bereits geputzt worden war.

Der Schaden für die Hausbesitzerin ist beträchtlich: Inklusive Renovation, Verfahrenskosten und Mietausfällen beläuft sich die Summe auf 22 000 Franken.

«Dies ist ein klassischer Fall», sagt Thomas Werder, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Biel und Umgebung. Summen in dieser Höhe sind rasch erreicht, denn Mietnomaden hinterlassen nicht nur Schulden, sondern auch Chaos. Die Hausbesitzer oder die Immobilientreuhänder dagegen müssen äusserst korrekt vorgehen. «Verpasst der Vermieter eine Frist, kann der Mieter einen Anwalt einschalten und die Kündigung anfechten, selbst wenn er seit Monaten keine Miete mehr bezahlt», so Werder.

50 000 Franken Verlust

Ist der Fall klar, dauert es drei bis vier Monate, bis dem Exmissionsgesuch stattgegeben wird. Beschwert sich der Mieter hingegen, dass zum Beispiel die Abrechnung der Nebenkosten falsch sei, wird der Fall an die Schlichtungsbehörde weitergeleitet. Einigen sich die Parteien nicht, kann der Mieter bis ans Obergericht gelangen und darf noch über ein Jahr lang in der Wohnung bleiben - obwohl er nichts bezahlt.

Im schlimmsten Fall verliert der Hausbesitzer während des Verfahrens bis zu 18 Monatsmieten; nicht eingerechnet die Schulden, die der Mieter vor der Kündigung gemacht hat. Zudem muss er alle Verfahrenskosten vorschiessen und diese später vom Mieter zurückverlangen. Doch Mietnomaden sind meist mittellos oder sie tauchen ab.

Wie teuer Mietnomaden für den Hausbesitzer werden können, zeigt der Fall einer Familie aus dem Ostblock: Die Leute blieben nicht nur die Miete für die Bieler Wohnung schuldig, sie stahlen auch die WC-Schüssel, brannten die Küche ab und verwüsteten die anderen Zimmer. Der Schaden für den Hausbesitzer: 50 000 Franken.

Der freundliche Portugiese

Ein Bieler Immobilientreuhänder, der anonym bleiben will, sagt, dass es keinen Treuhänder gebe, der noch nie Probleme mit Mietnomaden hatte. Meist sind es aber private Vermieter, die auf solche Mieter hereinfallen. So auch eine Frau aus Ins. Obwohl sie bereits einmal von einem portugisischen Arbeiter um mehrere Monatsmieten geprellt worden war, vermietet Erika Müller* ein paar Jahre später erneut an einen jungen Portugiesen: «Denn er hatte eine Stelle in Seeland, was mir der Arbeitgeber bestätigte. Zudem wirkte der Mann sehr nett», erinnert sie sich. Während der ersten Monate bezahlte der Mieter pünktlich für die Wohnung in Erlach.

Erika Müller wird auch nicht stutzig, als dessen Vormieterin fragt: «Läuft alles gut mit dem Mieter?» Auch sie hatte an den Portugiesen vermietet, doch dieser zahlte nicht und tauchte ab.

Das gleiche Szenario erlebt nun Erika Müller. Der Portugiese zahlt seine Miete nicht mehr, holt eingeschriebene Briefe nicht ab und reagiert auch nicht auf die Zettel, die ihm die Inserin an die Türe klebt.

Als Erika Müller erfährt, dass der Mann auch am Arbeitsplatz nicht mehr aufgetaucht ist, macht sie sich Sorgen: «Es hätte ja sein können, dass ihm etwas passiert ist und er tot auf dem Boden liegt.» Sie ruft die Polizei und lässt die Tür öffnen. Die Wohnung ist übersät mit Abfall, Mahnungen, Bussen, unbezahlten Arztrechnungen und anderen Forderungen. Der Portugiese ist verschwunden. Erika Müller verliert 8000 Franken und auch ein wenig das Vertrauen in Menschen.

Hart getroffen hat es auch die Hausbesitzerin, deren Wohnung von der illegalen Männer-WG besetzt wurde. Sie hat einer Immobiliengesellschaft den Auftrag gegeben, ihr Haus in Biel zu verkaufen.

Phänomen Mietnomaden

- Mietnomaden im klassischen Sinn sind Personen, die Wohnungen anmieten, ohne dauerhaft die Miete zahlen zu wollen oder zu können.

- Unbestritten ist, dass es Mietnomaden schon lange gibt und das Phänomen immer mehr zunimmt.

Kommentare

25xy

Wir hatten in den letzten 25 Jahren mit vier Vermietern (privaten wie auch Liegenschaftsverwaltungen) jeweils ein sehr gutes, problemloses Verhältnis. Schade wenn solche Leute dazu führen, dass Vermieter immer weniger daran glauben, dass dies auch möglich ist.


Eidgenoss

Einmal mehr hat Frau Teuscher gut recherchiert und die Wahrheit geschrieben. Schade, hat das BT nicht noch mehr Journalistinnen mit so einer fachlich seriöser Berufsauffassung! Leider stellt man fest, dass solches Mietprellerpack von der Gutmenschindustrie zusätzlich geschützt wird! Mietnomaden nützen Gesetzeslücken schamlos aus und prellen Vermieter und Steuerzahler! Es gibt nur eines: die Namen der Mietpreller veröffentlichen! Ausländer ausweise


faktus

Das Bild in diesem Artikel beweist es: Multikulur ist tatsächlich für die "verschlossene und isolierte" Schweiz eine enorme Bereicherung! Warum immer nur die heile Bergwelt, weidende Rinder auf saftigen grünen Wiesen oder schöne Seeufer? Rücksichtslosigkeit, Egoismus, bis hin zu unglaublicher Frechheit, bringt doch endlich Abwechslung, oder.....?


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