
Tobias Graden
Sättel. Reifen. Schutzbleche. Helme. Pedale. Ständer. Vorbauten. Lenker. Auspuffs. Schlösser. Lichter. Pumpen. Rucksäcke. Pflegemittel...
Die Liste könnte schier endlos weitergeführt werden. Kurt Nyffenegger führt durch das Lager an der Keltenstrasse 19 in Ipsach. Hier ist seine Firma Teknoparts domiziliert. Sie beliefert den Zweirad-Fachhandel mit Ersatzteilen und Zubehör für Velos, Mofas, Scooter und Motorräder. 10'000 Produkte umfasst der Katalog, er ist 650 Seiten dick. Im Moment ist es noch ruhig. «Hochbetrieb herrscht im Frühling», sagt der Besitzer und Geschäftsführer.
Trend fürs breite Publikum
Komplettfahrräder fehlten bislang im Portfolio von Teknoparts. Seit kurzem ist das anders. Kurt Nyffenegger führt in den neuen Showroom, den Teknoparts im angrenzenden Gebäude eingerichtet hat. Er deutet auf ein schlicht-elegantes Stadtvelo und sagt: «Fixies liegen im Trend. Diesen möchten wir einem breiten Publikum zur Verfügung stellen.» Dazu hat Teknoparts das Schwesterunternehmen Ontek gegründet. So heissen auch die Fahrräder, mit denen die Seeländer seit kurzem auf dem Markt sind.
Fixies, das sind einfache, schnörkellose Velos mit einem einzigen Gang und Starrlauf. Sie stammen aus der Velokurier- und Bikepoloszene, wo sie von ihren Besitzern zumeist selber zusammengebaut werden. Das Fahren mit einem Starrlauf will geübt sein – um die Alltagstauglichkeit der Ontek-Velos zu gewährleisten, rüsten sie die Ipsacher darum mit so genannten Flip-Flop-Hinternaben aus, so dass auch mit Freilauf gefahren werden kann. Zudem stehen Modelle mit mehreren Gängen und Riemenantrieb sowie Faltvelos im Programm.
Individualisierung möglich
Bettina Nyffenegger, Tochter des CEOs und Assistenzprofessorin am Institut für Marketing und Unternehmensführung an der Universität Bern, ist für das Marketig von Ontek verantwortlich. Sie sagt: «Mit Ontek kann man Erkenntnisse aus der Forschung praktisch anwenden.» Sie setzt etwa auf Individualisierung: So können die Kunden die Farbe einzelner Komponenten selber wählen.
Ontek arbeitet mit einem Zwei-Mann-Entwicklungsbüro in Taiwan zusammen. «Wir teilen ihnen unsere Vorstellungen und Wünsche mit, sie entwickeln die Modelle für Ontek», umreisst Kurt Nyffenegger die Kooperation. Die Montage der Velos erfolgt ebenfalls in einer Firma in Taiwan. Anpassungen auf Kundenwunsch werden dagegen in Ipsach vorgenommen.
«Niederschwelliges Angebot»
Urs Rosenbaum, Branchenkenner und Herausgeber der Fachhandelspublikation Cycinfo, sieht durchaus Chancen für die neue Ipsacher Marke. «Bei grossen Herstellern fallen schlichte Urban Bikes in der vielfältigen Modellpalette wenig auf», sagt er, «hier kann Ontek mit der klaren Fokussierung und dem attraktiven Preis beim Fachhandel punkten.»
Der Markt dürfte jedoch gerade für Fixies nicht allzu gross sein, gibt er zu bedenken: Wer in der Szene etwas auf sich halte, baue sich sein Bike ohnehin selber, zudem sei in diesem Bereich des Marktes der Online-Handel ein starker Konkurrent. Gleichwohl: «Ontek bietet ein niederschwelliges Angebot für Leute, die zwar am Trend teilhaben wollen, aber nicht Teil der Szene sind.» Die 500 Velos, die Ontek im Jahr 2012 absetzen will, scheinen jedenfalls ein realistisches Ziel zu sein.
Mit der US-Marke Blue Competition Cycles will Nyffenegger zudem im Segment der Triathlon- und Zeitfahrräder Fuss fassen. Im Heimmarkt, den USA, ist die Marke bekannt, am letztjährigen Ironman auf Hawaii erreichten zwei Athleten mit diesen Velos Top-Ten-Plätze. In der Schweiz könne man von dieser Bekanntheit nur bedingt profitieren, gibt Rosenbaum zu bedenken: «Wer im überschaubaren und hart umkämpften Schweizer Rennvelo- und Triathlonmarkt aus dem Stand heraus grössere Stückzahlen verkaufen will, braucht gute Kontakte in die hiesige Rennszene, damit die neue Marke Fuss fassen kann.»
Verkauf im Ausland denkbar
Mit der Nennung eines Verkaufsziels gibt man sich in Ipsach zurückhaltend. Als Vergleich kann beispielsweise der in der Wettkampfszene etablierte deutsche Hersteller Storck herangezogen werden. Dieser hat gemäss Brancheninsidern letztes Jahr in der Schweiz inklusive Mountainbikes 70 Velos abgesetzt.
In Ipsach ist man guter Dinge. So wirke das Ontek-Logo auf Anhieb «vertraut», lauteten gemäss Bettina Nyffenegger die Rückmeldungen potenzieller Kunden. Die Marke ist nun europaweit geschützt, der Verkauf auch im Ausland also denkbar. Die Marketingfachfrau sagt aber deutlich: «Wir wollen unsere Vision umsetzen, gehen dabei aber Schritt für Schritt vor.»
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