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Tschetschenischer Gaunermillionär

Ein Wendehals zwischen Patriotismus und Gaunerei: Beslan Gantamirow, tschetschenischer Millionär und Ex-Bürgermeister von Grosny, kämpft mit seiner 1500-Mann-Truppe Seite an Seite mit den Russen.

<B>Tschetschenien: ein «wendehals» kämpft auf der seite der russen</B><BR><BR>
<FONT SIZE=+2><B>Der «patriotische» Gaunermillionär</B></FONT><BR><BR>
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Marina Lepenkowa<BR><BR>
In Tschetschenien kämpfen nicht nur Russen gegen Tschetschenen und Soldaten gegen Einheimische. Rund 1500 schwer bewaffnete Tschetschenen stehen in Grosny an vorderster Front. Doch die Mündungen ihres Kriegsgeräts sind nicht auf Russen gerichtet, sondern auf ihre eigenen Landsleute. Kein Wunder, dass die Truppe um den tschetschenischen Millionär Beslan Gantamirow von vielen Tschetschenen als Verräterbande gebrandmarkt wird.<BR>
<BR><B>Reich durch Waffenhandel</B><BR>
Auch die russischen Rekruten sehen mit gemischten Gefühlen auf ihre tschetschenischen Waffenbrüder. Gantamirow und seine Mannen aber betrachten sich als einzig wahre Patrioten. «Russland ist mein Vaterland, genauso wie Tschetschenien, das Teil der Föderation ist», sagt er. Der 36-jährige Gantamirow hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Nach einem kurzen Jura-Studium war er vorübergehend Polizist.<BR>
Ende 1991 wurde er vom damaligen Führer der tschetschenischen Unabhängigkeitsbewegung, Dschochar Dudajew, zum Bürgermeister Grosnys ernannt. Kurz zuvor war er als «jüngster Millionär Tschetscheniens» bekannt geworden. Gantamirow machte nie einen Hehl daraus, dass er sein Vermögen durch den Handel mit Waffen verdiente.<BR>
Sein Stern in der tschetschenischen Unabhängigkeitsbewegung ging jedoch schnell wieder unter: 1993 überwarf er sich mit Dudajew. Offiziell protestierte er damals gegen die von Dudajew offen angestrebte Abtrennung Tschetscheniens von der russischen Föderation. Andere Stimmen wollen wissen, dass er sich mit Dudajew nicht über die Aufteilung der Einkünfte aus der Erdölindustrie einigen konnte.<BR>
<BR><B>Blutiger Zwist</B><BR>
Der endgültige Bruch kam im Juni 1993. Gefolgsleute von Dudajew töteten in Grosny unter nicht geklärten Umständen 80 Anhänger Gantamirows in Polizeidienststellen und im Bürgermeisteramt. Seither sind die Unabhängigkeitskämpfer die Erzfeinde der «Gantamirowski».<BR>
Am 26. November 1994 versuchte der selbst ernannte Patriot, seine Gegner gewaltsam von der Macht zu vertreiben. Mit einer im Norden des Landes zusammengestellten Truppe und mit Unterstützung Moskaus griff Gantamirow Grosny an. Als dieser Überfall scheiterte, wurde im Kreml die Entscheidung für den ersten Einmarsch russischer Truppen in Tschetschenien am 11. Dezember 1994 getroffen.<BR>
Nach der Einnahme des zerstörten Grosny setzten die Russen ihren Schützling wieder als Bürgermeister ein. Im November 1995 wurde Gantamirow Vize-Regierungschef in der Regierung von Doku Sawgajew, einem Günstling Moskaus.<BR>
Rasch wurde jedoch auch dieses Duo durch Zwist entzweit. Gantamirow warf dem Ministerpräsidenten vor, er sei eine «Marionette Moskaus» und rief die Tschetschenen auf, bei den russischen Präsidentschaftswahlen im Juni 1996 gegen Boris Jelzin zu stimmen. Dies brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. Gantamirow wurde kurzerhand festgenommen und beschuldigt, russische Fördermittel für den Wiederaufbau der Kaukasusrepublik veruntreut zu haben. Auf Anordnung des Machthabers im Kreml kam der tschetschenische Wendehals jedoch wieder frei.<BR>
Offenbar konnte Gantamirow seither weitgehend ungestört seinen Geschäften nachgehen. Zumindest brachte er genug Geld zusammen, um seine private Armee mit rund 1500 Mann aufzustellen.<BR>
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