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Schwanger während der Lehre

Während der KV-Lehre wurde Valérie schwanger und brachte ihr Kind zur Welt. Eine schwierige, aber auch lohnenswerte Zeit.

<B>Ausbildung: Schwanger während der Lehre</B><BR><BR>
<FONT SIZE=+2><B>«Manchmal hat es mich richtig Ðgehudeltð»</B></FONT><BR><BR>
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Lotti Teuscher<BR><BR>
Die heute 21-jährige Valérie besitzt, wovon viele ihrer Altersgenossinnen noch träumen: Sie lebt in einer renovierten, schön eingerichteten Altwohnung, und eine gute Stelle hat die gelernte KV-Angestellte nach Lehrabschluss ebenfalls gefunden: Sie arbeitet zu 90 Prozent in einer Bürogemeinschaft; zwei Nachmittage pro Woche hat sie frei. Doch Valérie hat noch mehr: Sie ist Mutter des dreijährigen Elie.<BR>
<BR><B>«Welcome»</B><BR>
Valérie war 17, als sie schwanger wurde; die KV-Lehre hatte sie vier Monate zuvor begonnen. «Welcome to the earth», war Valéries erster Gedanke, als ihr die Frauenärztin die Schwangerschaft bestätigte. Doch Minuten später spürte sie Panik: «Wie sag ichs meinen Eltern? Meinem Freund? Und wie bringe ichs meinem Lehrmeister bei?»<BR>
Die Neuigkeit teilte Valérie ihrem Umfeld schonend mit. Am Arbeitsplatz tastete sie sich erst vor, setzte sich mit klopfendem Herzen hin und sagte, sie müsse etwas Wichtiges erklären. Ihre Ansprechperson in der Bürogemeinschaft, erinnert sich Valérie, habe gut reagiert: «Man sagte mir, dieses Problem liesse sich irgendwie lösen.» Der Rektor der kaufmännischen Berufsschule habe sie beruhigt und versprochen, sie zu unterstützen.<BR>
Die werdende Mutter störte damals nur eines: Beim Gespräch zwischen Eltern und Lehrmeister war sie nicht dabei. Valérie war zwar kein Kind mehr, aber wie eine Erwachsene wurde sie nicht immer behandelt. Doch mit dem Vorschlag, nach der Geburt während sechs Monaten nicht zu arbeiten, war sie einverstanden.<BR>
Die Schwangerschaft, erinnert sich die junge Mutter, war eine schwierige Zeit: «Mir war oft übel und ich war sehr müde. Zu Beginn konnte ich mich manchmal kaum auf den Beinen halten.» Ihr Körper veränderte sich; Schulkollegen und andere Leute schauten sie fragend an. «Ich sah in ihren Augen die Frage: Warum so früh? Doch direkt gefragt hat mich keiner.» Das schmerzte, Valérie fühlte sich ausgegrenzt.<BR>
Lernschwierigkeiten hatte Valérie keine. «Das erste Lehrjahr war recht easy.» Sie arbeitete bis eine Woche vor der Geburt. Elie hatte es eilig, auf die Welt zu kommen: Viereinhalb Stunden nach der ersten Wehe war er da. Ein knapp drei Kilo leichter, 47 Zentimeter kurzer Winzling mit grossen dunklen Augen.<BR>
<BR><B>Schwere Zeit</B><BR>
Die Geburt war leicht, die Zeit danach sehr schwer. Während des Schwangerschaftsurlaubs besuchte Valérie die Berufsschule. Ihr Baby in die Krippe bringen zu müssen, habe sie manchmal richtig «gehudelt». Elie weinte, Valérie hatte Mühe, sich von ihrem Kind zu trennen. Manchmal schwänzte sie Schulstunden, um länger mit Elie zusammen zu sein.<BR>
Sechs Monate später arbeitete sie wieder Vollzeit - und war oft am Ende ihrer Kräfte: Elie weckte sie während Monaten bis zu achtmal pro Nacht. Um 6.40 Uhr brachte Valérie den Kleinen in die Krippe, um 7.30 Uhr traf sie am Arbeitsplatz ein. Trotz bleierner Müdigkeit auf die Minute pünktlich: «Ich habe einfach irgendwie funktioniert.»<BR>
Trotzdem verschlechterte sich das Arbeitsklima immer mehr. Bereits zu Lehrbeginn, sagte Valérie, habe sie mit einer Person im Büro zwischenmenschliche Probleme gehabt; diese Probleme verschärften sich nun. Nicht zuletzt, weil Valérie zeitweise so müde war, dass sie sich kaum mehr konzentrieren konnte. Anders als in der Berufsschule sank die Leistung am Arbeitsplatz. «Unter anderem», weiss Valé -<BR>
rie, «wegen des psychischen Drucks.»<BR>
Als sie schwanger wurde, war für Valérie klar, die Lehre zu beenden. Jetzt ertappte sie sich manchmal beim Gedanken, alles hinzuschmeissen. Geholfen, sagt sie, habe ihr damals die moralische Unterstützung des Freundes, der Freundinnen, Sekretärinnen und Eltern.<BR>
Um sich auf die Abschlussprüfung vorzubereiten, musste Valérie ihre Zeit genau einteilen: Sie stand morgens auf, bevor Elie erwachte und lernte. Sie lernte während der Mittagspause und am Abend, wenn sie Elie zu Bett gebracht und den Haushalt erledigt hatte, büffelte sie er-<BR>
neut. Trotz Mehrfachbelastung schaffte Valérie die Prüfung mit Bravour: mit der Durchschnittsnote 5.<BR>
Sie habe bestimmt sechs Monate gebraucht, um sich von dieser Zeit zu erholen, sagt Valérie heute. Doch Elie sei «das Beste, was mir passieren konnte. Er ist ein fröhliches, lebhaftes, aufgestelltes und aufgewecktes Kind.» Wenn Valérie sich glücklich fühlt, legt sie eine CD mit Klaviermusik auf. In letzter Zeit tönt aus ihrer Wohnung oft Klaviermusik.<BR>
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