
Gemäss kantonaler Fischereistatistik haben die Angelfischer 2007 gemeinsam 34 Tonnen Fische aus dem See gezogen. Das gab an der Versammlung der Pachtvereinigung als regionale Dachorganisation der 27 Seeländer Fischervereine am Samstag in Orpund zu reden. Und weil gleichentags die Mitglieder des Fischervereins Erlenwäldli Ipsach im Mooskanal 150 Forellen statt wie in früheren Jahren um die 800 Schwänze abfischen konnten, war der Ärger über die schmarotzenden Vögel gross.
Sinkende Mitgliederzahlen
«Kein Wunder, überaltern die Vereine, wenn der Fang und damit der Erfolg ausbleibt», spricht Rahmen ein weiteres Problem der Fischer an. Und weil diese viele unentgeltliche Hege- und Pflegestunden leisteten, seien die Artenvielfalt und die natürlichen Lebensräume auch mangels gesicherter Pflege längerfristig in Gefahr. «Auch sind rund 50 Prozent der Patentinhaber nicht mehr im Verein und tragen diese wichtigen Aufgaben nicht mit», so Rahmen. Mit der Forderung nach einem Vereinsnachweis bei der jährlichen Patenerneuerung ist der langjährige Vereinsfunktionär aber selbst bei seinen eigenen Kollegen auf taube Ohren gestossen. Das stimmt ihn ebenso nachdenklich wie die fehlende Koordination zwischen den berechtigten Anliegen von Vogel- und Naturschutz und der Fischerei.
Und die Petri-Heil-Jünger leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt gesunder Fischbestände. Unter der Aufsicht des Kantonalen Fischereiinspektorats und von Fischereiaufseher Jörg Ramseier aus Ipsach pflegen die Mitglieder aus 27 Seeländer Fischervereinen unverzichtbare Aufzuchtarbeit. Sie erwerben in der kantonalen Fischzucht in Ligerz die Brütlinge, welche in den Mooskanälen oder andern Brutgewässern aufgezogen werden. Nach dem elektrischen Ausfischen kommen diese gemäss den Weisungen des Fischereiinspektors im Herbst in die Fliessgewässer.
Entspannendes Hobby
Hier natürlich und auf dem See pflegen die Fischer ihr Hobby. «Ich suche Ruhe, Erholung und geniesse das Naturerlebnis des frühen Morgens», beschreibt der Möriger Beat Blösch vom Fischerverein Aare-Bielersee seine Motivation für das Angeln. Dabei gibt er auch gerne sein fundiertes Wissen über die eng reglementierten Fangmethoden an interessierte Gäste weiter. Dafür hat er extra ein Gastpatent gelöst.
Und wenn sich diese von Blöschs Begeisterung infizieren lassen, bieten Vereine, aber auch das Fischereiinspektorat, mit der Ausbildung zum Erwerb des Sachkundeausweises das nötige theoretische Grundwissen zum artgerechten Fischfang an. Der Kurs wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Danach darf der Jungfischer sein Patent erwerben und selbständig die Angel im ganzen Kanton auswerfen.
Kontrollorgane
Dabei werden die patentieren Fischer von 14 vollamtlichen und 75 freiwilligen Fischereiaufsehern sowie den 32 Wildhütern begleitet. Diese haben letztes Jahr 1484 Kontrollgänge protokolliert und 3700 Fischer kontrolliert. Dass die Natur- und Tierschutzbestimmungen zu 99 Prozent eingehalten wurden, stellt den Fischern und insbesondere auch der gründlichen Informationsarbeit in den Vereinen ein gutes Zeugnis aus.
Entsprechend mundet das «Filet de perche meunier» in der Pfanne ebenso wie die Erinnerung an einen Weihnachtstag vor vielen Jahren: «Hier ist mir mein kapitalster Fang mit drei Hechten in drei Stunden gelungen», schwärmt Rahmen als gestandener Vereinsfischer mit 35 Vorstandsjahren im Fischerverein Erlenwäldli in seinem Palmarès.
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