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Wer viel im Ausland per öV unterwegs war (oder immer noch ist), schätzt unser dichtes Angebot in alle Ecken (Dörfchen, Weiler, Bergtäler usw.) immer wieder von neuem. Dass sich dieses enorme Angebot nun vorallem auf die GA-Preise spürbar auswirkt, ist eigentlich für jeden Durchschnittsbürger nachvollziehbar. Es hat sich gerade jetzt, bei harten winterlichen Verhältnissen, einmal mehr gezeigt, wie wichtig eben ein gutes öffentliches Verkehrsangebot für ein Land mit hohen Mobilitätsansprüchen auch für die "bequemen" Zeitgenossen werden kann! Es ist immer eigenartig, wenn eine Bus- oder Nebebahnstrecke wegen äusserst schwachem Verkehrsaufkommen aufgehoben werden sollte: Viele, die als erste empört aufschreien, wenn die Billetpreise angehoben werden müssen, sind an vorderster Front, um eine solche Schliessung zu verhindern! Wir sind ein Land von Egoisten und Profiteuren! Möglichst wenig oder nichts beitragen, aber alles als selbstverständlich hinnehmen und benützen!
Wenn ich mir vorstelle, wie die SBB das Geld in sinnlose Um- und Ausbauten der Bahnhöfe Biel und Bern oder für fragwürdiges hypermodernes (und wenig funktionierendes) Rollmaterial, wie den Pendolino, verpulvert, kommen mir schon einige Zweifel… Am besten denkt man dabei positiv: man kann ja damit auch am besten die steigenden Autobahnvignetten rechtfertigen…
Die Benutzer des öffentlichen Verkehrs decken die von ihnen verursachten Kosten nur zu 43 %, d.h. sie fahren zu 57 % auf Kosten der Steuerzahler. Um diese soziale Ungerechtigkeit zu beseitigen, müssten die Preise noch weit stärker angehoben werden.
Bei dieser wie bei anderen Umfragen wird die Frage nicht angeboten, ob man der Meinung ist, dass die SBB die Leistung innerhalb des gegebenen Budgets zu erbringen sein soll. Aber man erwartet, dass von den Durchschnittslohnbezügern seit Jahren bei sinkendem Jahreinkommen und nicht ausgeglichener Kaufkraft einfach permanent teurere Krankenkasse, Mobilitätskosten usw. geschluckt werden. Wer täglich Zugreisender ist und über Jahre mit der SBB-Administration zu tun hat, weiß, dass es keine schlechter organisierte Behörde gibt als die SBB. Sie sollte sich einmal die Swisscom als Vorbild nehmen. Gäbe es den Oscar für die effektivste und Kunden freundlichste Administration, dann wäre Swisscom Anwärterin, während man der SBB ein ganzes Himbeerfeld in die grauen Amtsstuben schütten müsste.
Nachtrag: es wird begründet, dass die nächste Preisrunde auf der Tatsache beruht, dass der Bund die Kosten für die Trassee-Nutzung verdoppelt. Ich konnte noch nirgends lesen, warum das plötzlich so teuer geworden ist. Man spricht von 200 Mio. Ich vermute, dass die SBB wieder vermehrt Rollmaterial einsetzt, dass unter Kennern als Schienenfresser gilt. Man hat auch noch nichts darüber lesen können, dass die SBB planmäßig solche Schienenfresser aus dem Verkehr zieht. Hat das einen Zusammenhang? Bezahlen wir die Misswirtschaft des SBB-Managementes, das nicht auf Effizienz und Kundenorientierung konzentriert ist, sondern sich im Glanze der Leistungen der Vorvätern gefällt wie ehedem die Swissair-Erben, die alles in den Boden geflogen haben?
Zweiter Nachtrag: Die SBB lässt doch die halbe Stadt Biel als Graffity-Endzeitzone verrotten. Wohin das Auge reicht: brachliegende Landreserven, die keinen volkswirtschaftlichen Nutzen erbringen. Die SBB hätte es in der Hand dafür zu sorgen, dass es alleine im Seeland weniger Pendler gäbe indem die endlosen Brachen für die Stadtentwicklung frei gegeben werden. Würde die SBB tun was ihr der Leistungsauftrag geböte, sie hätte schon längstens das modernste, ökologischste, das innovativste und originellste Stadteisenbahn-System für Biel auf weitgehend eigenem Terrain bauen und somit diese Stadt als ökologische Antwort ans 21.Jahrhundert geben können. Keine andere Stadt in der Schweiz hätte von der Lage und den Reserven her gesehen ein derartiges Potential. Vermutlich aber überfordere ich die SBB-Denkpotentiale, die ihre Synopsenverbindungen abpendeln ähnlich wie eine S-Bahn im Dreiviertel-Stundentakt.