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Gastrokolumne

Neue Zelg Bettlach: Die Suche hat begonnen – und wie!

Noch zweimal schneiden. Noch drei Bisse. 600 Gramm Cordon bleu werde ich verdrückt haben. Ja, Sie haben schon recht. Ich fühle mich gerade mehr als satt. So richtig voll sogar. Aber das Erstaunliche ist, ich habe überhaupt nicht den Drang aufzuhören. Im Gegenteil: Ich freue mich riesig auf diese letzten Bisse.

Zeitsprung. Drei Bisse und 60 Kaubewegungen später lehne ich mich zurück, reibe mir den Bauch und lächle zufrieden. Denn so fühle ich mich gerade: Zwar kugelrund, aber rundum glücklich. Ich habe gerade eines der besten Cordon bleus verspiesen, das ich je gegessen habe. Hier oben, in den Höhen von Bettlach, im Restaurant Neue Zelg.

«D’Zäug» ist kein Restaurant, auf das man einfach so zufährt. Es liegt hoch über Bettlach, rundherum liegen nur Felder. Aber «d’Zäug» ist in der Region sehr wohl bekannt, geniesst einen guten Ruf, und wenn die Rede vom Restaurant Neue Zelg ist, dann heisst es entweder «Mmh, feine Fondues» oder «Mmh, leckere Cordon bleus». Beidem widmet «d’Zäug» viel Platz in der Karte, die von gutbürgerlicher Küche dominiert wird.

Zehn verschiedene Cordonbleu-Varianten stehen zur Auswahl. Für «S’de Luxe» mit Trüffel, Brie und Rohschinken hätte ich mich fast entschieden. «S’Bella Italia» mit getrockneten Tomaten und Mozzarella wurde mir von meinem Freund, dem Kalabreser, empfohlen. Doch das Rennen hat schliesslich «S’Matterhorn» gemacht. Eine traumhafte Füllung mit Steinpilzen, Rohschinken und Fondue-Käse. Randnotiz: Beim Verfassen dieser Zeilen läuft mir schon wieder das Wasser im Munde zusammen. Dieser scharfe Käse, dieser würzige Schinken... Doch weiter im Text. Ich habe mich für die angepriesene «XXXL»-Version entschieden. Rund 600 Gramm wiegt diese und kostet 34.50 Franken. Das normale «Matterhorn»Cordon bleu wiegt die Hälfte (25.50 Franken). Mein Gegenüber hat vorsichtshalber die normale Version des «S’Walliser» bestellt (mit Raclette-Käse und Rohschinken). Er könne mir ja helfen, falls ich es nicht schaffe. Nach einem Bissen, den ich ihn degustieren lasse, kann ich seinen Augen ablesen: «Hoffentlich isst der nicht alles.» Pech gehabt!

Die «Neue Zelg» ist eine typische Landbeiz: Sie ist preiswert, man wird freundlich bedient und man verlässt sie garantiert nicht mit knurrendem Magen. Man vergisst aber auch den Geruch nicht so schnell, denn dieser klebt in der Kleidung. Meine Jeans, der Pullover und die Jacke wanderten zu Hause jedenfalls direkt auf den Balkon.

In das Bild der typischen Landbeiz passt auch die Gaststube. Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen die farbliche Gestaltung des Säli. Die Täferdecke und das Cheminée sind optisch zwar attraktiv, die in aufdringlichem Gelb gestrichenen Wände, behängt mit Rosina-Wachtmeister-Bildern, sind aber Geschmacksache – meinen treffen sie jedenfalls nicht. Mein Gegenüber, ein Maler, schüttelt beim Betrachten der Wände den Kopf.

Aber eben: Blind vor Liebe für mein Cordon bleu interessierten mich diese Wände ganz und gar nicht mehr.

Und es ist einfach so: Ein gutes Cordon bleu zeichnet eine gute Beiz aus. Wer bei dieser Gastro-Weisheit die Nase rümpft, dem sei gesagt: Die Garzeit eines zarten Filet mignon kennt jeder Koch. Doch nur ein guter Koch versteckt gute Ware in Paniermehl.

Deshalb meine Mission: Meister sucht das beste Cordon bleu der Region. So viel steht bereits fest: Die Messlatte ist hoch.

Parzival Meister

 

KARTE: Gutbürgerliche Küche mit Walliser Spezialitäten.

PREIS: Von Pouletflügeli (sieben Stück) für 13.50 bis Cordon bleu «de Luxe» (600 Gramm) für 42.50 Franken

AMBIENTE: Gemütlich, aber gewöhnungsbedürftige gelbe Wandfarbe im Säli.

AUFGEFALLEN: Grosse Auswahl an Cordon bleus und Fondues

BEWERTUNG: 4 von 5 Punkten

 

Restaurant Neue Zelg

Neue Zelgstrasse 41, 2544 Bettlach. Tel. 032 645 20 76. Öffnungszeiten: Mo und Di, 9 bis 23.30 Uhr, Mi Ruhetag, Do 11 bis 23.30 Uhr, Fr und Sa 9 bis 0.30 Uhr und So 10 bis 22 Uhr.

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