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Filmkritik

Düster, dreckig, brutal

„Logan“ ist der angeblich letzte Solofilm mit der beliebten Comicfigur The Wolverine. Hugh Jackman ist nochmals in die Rolle des nun älter gewordenen Superhelden geschlüpft. Der Film überzeugt dabei nicht nur durch eine hohe Schauspielkunst.

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Simon Dick

Wo genau „Logan“ in der kruden und äusserst verwirrenden X-Men-Chronologie hingehört, kann den Zuschauern eigentlich herzlich egal sein. Nach den letzten Kinoablegern ist eine logische Einordnung sowieso nicht nötig, denn der Film kann auch sehr gut für sich alleine stehen und tut das auch.

Psychische Probleme
Logan ist ein Wrack. Körperlich als auch seelisch. Der Alterungsprozess macht ihm zu schaffen, seine Wunden heilen nicht mehr so schnell und gut wie früher. Er trinkt, oder säuft eher, um seine psychischen Probleme zu vergessen. Macht auch Sinn, denn der Bartträger hat so einiges erlebt und vegetiert jetzt mit seinem alten Kumpel Professor X (Fantastisch: Patrick Stewart) in einer abgelegenen Gegend herum.

Keine Hoffnung mehr
Auch der einstige geistige Führer der X-Men ist in diesem Werk kaputt. Und wie. Die beiden Mutanten ergänzen sich also ganz gut und bilden eine kleine Familie wider Willen. Sie quälen sich beide durch den Alltag. Die Hoffnung auf ein besseres Leben scheinen beide schon lange aufgegeben zu haben. Als dann aber ein kleines Kind auf der Bildfläche auftaucht, müssen sich die beiden zusammenraufen, um das stumme Mädchen zu retten. Mehr soll an dieser Stelle über die Geschichte nicht verraten werden.

Die Härte ist da
Die Auftritte und Solo-Abenteuer in der Film-Vergangenheit von Logan waren ganz unterhaltsam. Doch vielen Fans der Comicvorlage fehlte die Härte, die den Mutanten so sehr beliebt gemacht hat. Doch nun wird ein grosser Wunsch von vielen Fans endlich Wirklichkeit. Denn das jüngste Abenteuer ist brutal, sehr brutal, düster und sehr dreckig. Wenn scharfe Klingen in gegnerische Körper eindringen, wird nicht geschnitten, sondern die Kamera zeigt die Penetration. Ein grosser Unterschied zu den vergangenen Wolverine-Filmen und ein Stilmittel, um die Aggressivität dieser Figur zu unterstreichen.

Sehr realistisch
„Logan“ ist die beste Comic-Verfilmung seit Jahren. Der Streifen ist bodenständig, für seinen Kosmos sehr realistisch und konzentriert sich auf die perfekt geschriebenen Figuren. Der Film verzichtet auf überbordende, laute Spezialeffekte mit hautengen Kostümen, sondern stellt die Charaktere in den Fokus. „Logan“ ist auch ein Roadmovie, eine Charakterstudie, irgendwie ein Familiendrama und auch mal saulustig.

Der Kreis schliesst sich
Der Film hat ganz viele kleine, wunderschöne und witzige Szenen, die ans Herz gehen. Doch das Lachen bleibt manchmal im Halse stecken. Denn kaum hat es sich der Zuschauer in der heilen Welt gemütlich gemacht, holt einem die nächste, heftige Szene auf den Boden der Realität zurück. Dennoch bleibt das dreckige Gemälde immer stimmig, nichts drängt sich auf, der Kreis schliesst sich. Da bleibt dem X-Men-Fan nichts anderes übrig als nach dem Film aufzustehen und lautstark zu applaudieren.

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