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Bildung

Primarschulen Safnern und Orpund gewinnen einen Schulpreis

Am Mittwoch fand das PHBern Perspektiven zum Thema selbst organisiertes Lernen (SOL) statt. Rund 350 Personen nahmen an der Veranstaltung teil. Der Schulpreis EDUARD ging an die Primarschulen Safnern und Orpund.

Symbolbild: Keystone

Wie können Lernende aller Stufen in ihrer Entwicklung stetig mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen? Dies war eine der Fragen, die am Jahresanlass der PHBern diskutiert wurde. Diese grundlegende pädagogische Frage hat auch eine politische Komponente, wie Erziehungsdirektor Bernhard Pulver ausführt: «Schülerinnen und Schüler sollen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden, die verantwortungsvoll, selbstkritisch und konstruktiv ihr berufliches und privates Leben gestalten und am politischen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen.» Pulver räumt in seinem Referat Missverständnisse aus der Welt, wie etwa jenes, wonach Lehrpersonen durch den Lehrplan 21 und SOL zu Coaches degradiert würden. «Lernen ist nur über aktive Beteiligung möglich. Letztlich kann man nur selber etwas lernen.» Dazu bedürfe es Lehrpersonen, die es verstehen, die Schülerinnen und Schüler zum Lernen hinzuführen und sich dann zurücknehmen, sagt Pulver.

Entwicklungsorientiertes Lernen begünstigt das SOL

«Welche Situationen, Erfahrungen und Erlebnisse fallen Ihnen im Zusammenhang mit dem Lernen ein?» Mit dieser sehr offenen Frage beginnt Prof. em. Regula Kyburz-Graber von der Universität Zürich jeweils das Interview mit Studierenden für ihre SOL-Studie. An den PHBern Perspektiven zeigt die Erziehungswissenschaftlerin auf, dass für manche Personen nur das Lernen für eine Prüfung «richtiges Lernen» ist. Menschen, die das entwicklungsorientierte Lernen bevorzugten, schätzten hingegen das SOL, beurteilten es positiv und schöpften ihre Motivation aus dem eigenen Interesse und dem Durchhaltewillen. «Lehrpersonen aller Stufen – bis zur Hochschulstufe – müssen die bestmöglichen Wege finden, um den Lernenden auf ihrem Lernweg gerecht zu werden und sie zu fördern: Lernende, die sich an Vorgaben klammern, müssen schrittweise ermutigt und befähigt werden, eigene Wege und Kreativität zu entwickeln; Lernende, die Kreativität wagen und selber gestalten wollen, müssen in der Lehrperson ein kritisch mitdenkendes Gegenüber finden, das die geeigneten Fragen stellt, welche das Individuum weiterbringen. Beides sind hoch anspruchsvolle Tätigkeiten der Lehrperson, die viel fachliche und pädagogische Kenntnis erfordern», sagte Regula Kyburz.

Aus- und Weiterbilungen an der PHBern stellen das SOL ins Zentrum

Schulratspräsident Martin Fischer schlug den Bogen zur PHBern. Damit SOL an der Volksschule und an der Sekundarstufe II erfolgreich umgesetzt werden kann, gehe die PHBern bei der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen beispielhaft voran. Die PHBern müsse sich als Hochschule immer weiterentwickeln. «So werden auch die beteiligten Systeme wie die Menschen stets lernen: in Netzwerken, im Austausch, aber auch selbstorganisiert, gleichsam selbst und ständig», meint Fischer.

Rektor Martin Schäfer freute sich als Gastgeber der PHBern Perspektiven über das grosse Interesse am Jahresanlass der PHBern. Rund 350 Personen hatten sich über das Thema selbst organisiertes Lernen informieren lassen. Schäfer betonte, dass SOL ein wichtiges Thema für die PHBern sei. Lehrpersonen und auch die Dozierenden der PHBern stünden immer wieder vor der Herausforderung, neue Themen fachlich und didaktisch aufzuarbeiten; auch das SOL müsse weiterentwickelt werden. «Die PHBern übernimmt hier eine Vorreiterrolle», sagt Martin Schäfer.

Schulpreis EDUARD geht nach Safnern und Orpund

Die PHBern verleit zum zweiten Mal den Schulpreis EDUARD. Mit der Verleihung verfolgt die PHBern das Ziel, herausragende Projekte an Berner Schulen und Kindergärten zu würdigen. In diesem Jahr zeichnet die PHBern besonders gelungene Sprachaustauschprojekte aus. «Die Jury legte bei ihrem Entscheid viel Wert auf die Möglichkeit, Sprachaustauschprojekte an die Bedürfnisse von anderen Schulen zu adaptieren», betont Jury-Präsidentin Christine Hostettler bei der Preisverleihung. mt

Preisverleihung

  • 1. Preis: Primarschulen Safnern und Orpund für das Projekt „échange linguistique“.
  • 2. Preis: Primarschule Neufeld in Thun mit dem Projekt „Sprachbad – Immersion“.
  • 3. Preis: Campus Muristalden in Bern mit dem Projekt „Sprachen- und Kulturaustausch“.

Kommentare

Medico

Um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen, das "selbstorganisierte oder selbstgesteuerte Lernen" steht bei den Grundlagen für den Lehrplan 21 im Vordergrund. Das Vermitteln von Wissen ist nur noch sekundär. Die Aufgabe der Lehrperson wird in Zukunft nur noch darin bestehen als "Lernbegleiter" "Lernumgebungen" bereit zu stellen und das Lernen zu "begleiten", Klassenunterricht findet keiner mehr statt. Beim "selbstgesteuerte Lernen" fällt mehr als die Hälfte des Lernstoffes unter den Tisch, weil es viel langsamer geht, wenn jeder Schüler „selbstorganisiert“ das "Rad neu erfinden" muss. Das "Anhäufen von Wissen" ist nicht mehr gefragt, weil man "googeln" kann. Ohne ein tragfähiges breites Grundwissen können unsere Kinder jedoch nicht zu mündigen Bürgern werden, weil sie nur dann Zusammenhänge herstellen und fundierte Informationen von Falschmeldungen unterscheiden können.


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