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Gampelen

Letzte Gnadenfrist für Campingplatz

Im Einvernehmen mit den Naturschutzverbänden und dem TCS hat der Regierungsrat die Bewilligung für den Campingplatz im Naturschutzgebiet Fanel bei Gampelen bis Ende 2024 verlängert. Die Bedingung: Der TCS muss sich etappenweise zurückziehen.

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Von Beat Kuhn

Eigentlich müsste der Campingplatz, den der Touring Club Schweiz (TCS) am Nordufer des Neuenburgersees betreibt, längst weg sein. Erstellt worden ist er in den 50er-Jahren zwar völlig gesetzeskonform. Doch damals stand das Gebiet Fanel, in dem er liegt, eben noch nicht unter Schutz. Mit den Jahren hat sich das jedoch mehr und mehr geändert (siehe Infobox). «Kaum eine Zone der Schweiz kennt rechtlich einen so hohen Schutzstatus wie dieser Uferabschnitt des Neuenburgersees», sagte Roland Schuler von Pro Natura Schweiz dem BT einmal. Und das habe gute Gründe: «Diese Flachwasserzonen sind unter anderem besonders wichtige Rückzugs- und Brutgebiete für sensible und seltene Wasser- und Zugvögel.»

In Tat und Wahrheit ist der Campingplatz, der auf Gemeindegebiet von Gampelen liegt, aber immer noch da. Im Jahr 2003 setzte der Berner Regierungsrat dem TCS zwar eine Frist: Bis Ende 2018 müsse der Camping aufgehoben sein. Aber als die Regierung in dieser Sache 2016 wieder aktiv wurde, leitete sie nicht etwa die Liquidierung der Anlage ein, sondern versuchte, sie durch einen juristischen Kniff für weitere 35 Jahre zu sichern. Die Naturschutzverbände Pro Natura, Birdlife, WWF und Stiftung Landschaftsschutz sprachen von «Trickserei» – und gingen vor Gericht. Kurz vor Weihnachten 2017 pfiff das kantonale Verwaltungsgericht den Regierungsrat nicht ganz überraschend zurück – und somit hatte dieser «s Gschänk».

 

Vom Gericht an den runden Tisch
In der Folge wechselte man von den Gerichtsschranken an den runden Tisch: Noch unter dem vormaligen Vorsteher der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK), Christoph Neuhaus (SVP), wurden Verhandlungen über die Zukunft des Campingplatzes beziehungsweise des Fanel aufgenommen. Und auch als die neu gewählte Evi Allemann (SP) per 1. Juni die in dieser Sache federführende JGK übernahm, wurden die Gespräche weitergeführt. Am Tisch jeweils Vertreter von Kanton, Naturschutzverbänden und TCS – auch Anwälte: Nur Friede, Freude, Eierkuchen hat an den bis August dauernden Treffen also sicher nicht geherrscht – es ging ja auch um handfeste geschäftliche und naturschützerische Interessen.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. So konnte der Regierungsrat gestern mitteilen, dass er «im Einvernehmen mit den Naturschutzverbänden und dem TCS» die Bewilligung für den Betrieb des Campingplatzes Gampelen bis Ende 2024 verlängere. Diese Erstreckung um sechs Jahre sei an die Bedingung geknüpft, dass sich der TCS etappenweise aus dem Campingareal im Naturschutzgebiet zurückziehe. Mit der vorliegenden Vereinbarung sei es «dem Regierungsrat gelungen, eine für alle drei Parteien annehmbare Lösung zu finden», klopft man sich dabei auf die Schulter.

 

«Ein Schutzgebiet für die Natur»
Eine weitere Verzögerung als Erfolg? Ja, findet die Regierung. Denn einerseits liege es nicht im Interesse des Kantons, den  Campingplatz «kurzfristig auf Ende 2018 aufzuheben», und andererseits sei es «aufgrund der rechtlichen Auseinandersetzung» nicht realistisch, eine bis Ende Jahr umsetzbare Lösung zu finden. Für die Naturschutzverbände sei es wichtig, dass der Campingplatz «per Ende 2024 definitiv aufgehoben und die Infrastruktur anschliessend zurückgebaut wird». Und der TCS erhalte die Möglichkeit, «die Infrastruktur während dieser Zeit geordnet zurückzubauen, ohne den Campingbetrieb zu gefährden».

Den Naturschutzverbänden wäre eine frühere Aufhebung zwar lieber gewesen, wie Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, sagt. Mit dem Jahresende 2024 könne man aber leben. «Wesentlich ist für uns, dass dasFanel zu dem wird, was es eigentlich ist,nämlich ein Schutzgebiet für die Natur und nicht mehr primär eine touristische Anlage.»

Laut TCS-Mediensprecher Lukas Reinhardt können Saisonmieter bis zum Ende der Saison 2024 auf dem Platz verbleiben. Ab 2019 würden aber keine Saisonverträge für Neumieter von Stellplätzen auf dem Campingplatz oder neue Mietverträge für Bootsliegeplätze im Hafen mehr abgeschlossen. Ab 2020 würden keine Pedalo-Boote mehr vermietet und auf Ende 2022 würden die Sport- und Freizeitanlagen sowie der Hafen zurückgebaut. Nach der Schliessung des Campingplatzes 2024 werde die restliche Infrastruktur wie etwa die Waschräume abgerissen, «sodass ab 2025 keine Anlagen mehr existieren werden».

 

Allemann erleichtert
«Ich bin erleichtert und froh, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte, dass die Zukunft des Campings nicht weiter vor den Gerichten verhandelt werden muss», so Evi Allemann. «Denn wenn die juristische Auseinandersetzung weitergegangen wäre, hätte ein Scherbenhaufen gedroht», glaubt die Regierungsrätin. Und schneller gegangen wäre es ihr zufolge so auch kaum. Dass gerade Ende 2024 die neue Frist bildet, habe juristische Gründe. Dies sei nämlich das Jahr, an dessen Ende das Baurecht für das Land ablaufe, auf dem sich der Campingplatz befinde. «Und das war schon so, als das damalige Regierungsratsgremium im Jahr 2003 das Jahresende 2018 als Frist für den Betrieb festgelegt hat.»

Gemäss Vereinbarung wird der Kanton dem TCS bei der Suche nach einem geeigneten Ersatzstandort ausserhalb des Naturschutzgebietes behilflich sein. Obwohl es dem TCS auch nach intensiver Suche bisher nicht gelungen ist, einen solchen zu finden, ist Allemann zuversichtlich, dass man fündig werden wird: «Der Staat hat da mehr Möglichkeiten als ein einzelner privater Player.» Nach dem Rückbau des Campingplatzes will der Kanton das Land renaturieren, wofür der Kanton ein Konzept erstellen werde. Nach Sicherstellung der Finanzierung werde die Renaturierung ab 2026 schrittweise umgesetzt.

Doch kann man nach all den Verzögerungen darauf vertrauen, dass den Worten diesmal Taten folgen? Allemann geht nach den «konstruktiven, verbindlichen Gesprächen samt der von allen Parteien unterzeichneten Vereinbarung» davon aus, dass auch umgesetzt wird, worauf man sich geeinigt habe. «Sollte sich eine Partei nicht an die Vereinbarung halten, besteht die Möglichkeit, die Durchsetzung der Vereinbarung vor dem Verwaltungsgericht einzuklagen – so weit wird es aber nicht kommen.»

Der TCS bedauert laut Lukas Reinhardt zwar, dass man den Campingplatz aufgeben müsse, beteuert aber: «Wir akzeptieren den Entscheid der Berner Regierung und werden uns an die Abmachung mit dem Kanton halten.»  

Die Interessengemeinschaft Camping Gampelen Neuenburgersee nimmt die Vereinbarung fürs Erste «zurKenntnis», wie Präsident Hanspeter Mischler sagt. «Wir wollen aber noch Näheres wissen.» Die IG hatte annähernd 20000 Unterschriften gegen die Aufhebung des Campingplatzes Gampelen zusammengebracht.

 

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Immer stärker geschützt
Das Gebiet Fanel, in dem sich der Campingplatz befindet, ist im Verlauf der letzten 50 Jahre immer mehr unter Schutz gestellt worden:

- 1967 wird es kantonales Schutzgebiet;

- 1976 wird es Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (im Rahmen der sogenannten Ramsar-Konvention, die die beteiligten Länder verpflichtet, «international bedeutende Feuchtgebiete zu bezeichnen und schützen»);

- 1983 wird es Landschaft von nationaler Bedeutung;

- 1991 wird es Wasser- und Zugvogelreservat von internationaler Bedeutung;

- 1992 wird es Auengebiet von nationaler Bedeutung;

- 1994 wird es Flachmoor von nationaler Bedeutung;

- 1996 wird es Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. bk

Stichwörter: Gampelen, TCS, Campingplatz

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