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Selzach

Innerorts ist Tempo 30 vom Tisch

An der Gemeindeversammlung interessierte vor allem, was der Gemeinderat in Sachen Verkehrsberuhigung im Schilde führt.

In Selzach werden keine ganzen Strassenzüge gesperrt. Die Arbeitsgruppe wurde zurückgepfiffen. Copyright: Hanspeter Flückiger

von Hanspeter Flückiger

Was die 61 Besucher am Montagabend an der Gemeindeversammlung in Selzach vor allem unter den Nägeln brannte, war offensichtlich. Schon bei der Genehmigung der Traktandenliste wollte ein Versammlungsbesucher wissen, ob und über was bei der Vorstellung des Massnahmenplanes Verkehr abgestimmt werden könne. Über nichts, beschied ihm Gemeindepräsidentin Silvia Spycher (FDP). Es handle sich nur um eine Information.

Was unter diesem unverdächtigen Titel daher kam, hatte in den vergangenen Monaten im Dorf für Gesprächsstoff gesorgt. Sollte wirklich ganz Selzach mit einem Tempo-30-Teppich überlagert und ganze Strassen gesperrt werden? Was Spycher vorweg ebenfalls verneinte. Zumindest nicht mehr. Von einer Arbeitsgruppe des Gemeinderates war dies ernsthaft in Betracht gezogen worden. Ein Ansinnen, welches auch im Gemeinderat zu einer Zerreissprobe geführt hatte. Laut Gemeindevizepräsident Christoph Scholl habe es Spycher geschafft, das Gemeinderatsschiffchen um die Klippen zu lenken. So, dass er heute als «Antiregulierer» hinter dem aktuellen Massnahmenplan stehen könne.

Erst ging es aber um die Rechnung. Dies schloss auch 2014 vorzüglich (siehe Infobox). Die verschiedenen Kennzahlen geben den Gemeindefinanzen ein gutes Zeugnis. Der Zinsbelastungsanteil, welcher die Belastung durch Zinszahlungen beziffert, ist im Minus. Und obschon die Gemeinde eifrig baut, liegt der Selbstfinanzierungsgrad bei über 84 Prozent. Natürlich liessen sich auch Fragezeichen finden. Zum Beispiel bei der Spitex. Im Vergleich zu den Nachbargemeinden steigen deren Kosten markant. Weisen Bettlach und Grenchen in der Rechnung 2014 - bei sinkender Tendenz - Kosten von 37 und 39 Franken pro Einwohner aus, steigt der Aufwand in Selzach stetig und liegt bei 44 Franken.

Mit der Absage an Tempo 30 wurde der Verkehrsdiskussion die Brisanz genommen. Dass diese nun bis 2023 nach und nach auf moderate Weise entschärft werden sollen, wurde wohlwollend zu Kenntnis genommen. Dazu gibt es noch eine «Notbremse». Sollte der Gemeinderat im Einzelfall überborden, könnte für ein missliebiges Vorhaben an der Gemeindeversammlung der Kredit nicht bewilligt werden. Selzach wird wohl noch längere Zeit ein «verkehrspolitischer Sonderfall» bleiben. Tempo 30 ist vom Tisch. Und weit herum ist Selzach eine der wenigen Gemeinden in dieser Grösse, welche auch keine Kreisel hat.

Stichwörter: Selzach, Tempo, Verkehr, Gemeinderat

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