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Umfrage

Geteilte Meinungen zur Zukunft des Grossen Moos

In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich hat das BT unter den Leserinnen und Lesern eine Umfrage zur Zukunft des Grossen Moos durchgeführt. Hier kommen die Ergebnisse.

Die schwarzen Torfböden sind typisch für das Grosse Moos, das grösste Anbaugebiet für Gemüse in der Schweiz. Copyright Matthiaskäser / Bieler Tagblatt

Wir haben die Leserinnen und Leser gefragt, ob es eine dritte Juragewässerkorrektur braucht und ob ein grösserer Teil des grossen Moos für den Naturschutz statt für die Landwirtschaft reserviert werden sollte. Die Leserinnen und Leser sind geteilter Meinung. Einerseits spricht sich eine Mehrheit für eine neue Gewässerkorrektur aus. Andererseits findet etwa die Hälfte, dass die Landwirtschaft einen Teil des Grossen Moos für den Naturschutz aufgeben sollte.

Mehr als 250 Personen haben zwischen dem 16. und dem 24. April an der Leserbefragung zum Grossen Moos teilgenommen. Die Umfrage wurde von den Politikwissenschaftlern Oliver Strijbis und Maxime Walder (beide Universität Zürich) durchgeführt und ausgewertet.

Die Umfrage ist nicht repräsentativ, gibt aber einigen Aufschluss über die vorhandenen Meinungen zur Zukunft des Grossen Moos. So zeigt sich zum Beispiel, dass eine dritte Juragewässerkorrektur zwar populär ist, dass die Meinungen aber noch nicht gemacht sind. So sind zwar 62% der Leserinnen und Leser für eine dritte Juragewässerkorrektur. Doch ist dabei der Anteil jener, welche „eher dafür“ sind fast doppelt so gross wie jener, der „bestimmt dafür“ ist. Noch sind die Meinungen also nicht gemacht.



Eine Organisation, welche sich für die dritte Juragewässerkorrektur ausspricht, ist ProAgricultura. Gemäss dieser Organisation ist die Gewässerkorrektur für die Landwirtschaft notwendig. Andere Gruppierungen würden jedoch lieber einen Teil des Gebietes in Naturschutzgebiet umwandeln. Wir haben die Leserinnen und Leser gefragt, ob in Zukunft mehr Flächen des Grossen Moos für den Naturschutz oder die Landwirtschaft reserviert werden soll. Abbildung 2 zeigt, dass 48% der Leserinnen und Leser dafür sind, dass mehr Flächen dem Naturschutz zugeführt werden sollen. Auch wenn sich also eine Mehrheit der Befragten für eine dritte Juragewässerkorrektur ausspricht, bedeutet dies noch keine Einigkeit darüber, wie das Grosse Moos in Zukunft genutzt werden soll.



Ein wichtiges Argument für die Juragewässerkorrektur ist, dass sie die landwirtschaftliche Produktion sichern soll. So argumentiert ProAgricultura in einer Resolution: “Das Drei-Seen-Land, von der Orbe-Ebene bis nach Solothurn ist mit Abstand das grösste und fruchtbarste Landwirtschaftsgebiet der Schweiz und besonders wichtig für die nationale Ernährungssicherheit.” Unsere Leserinnen und Leser scheinen von diesem Argument wenig beeindruckt. Nur eine knappe Mehrheit von 42% gegenüber 38% findet, dass die Region wichtig ist für die Ernährungssicherheit der Schweiz.



Nur geringe Polarisierung entlang politischer Lager
Wie polarisiert sind die Meinungen zur Zukunft des Grossen Moos? Dazu haben wir die Verteilung der Einstellungen nach politischen Lagern betrachtet. Abbildung 4 zeigt, dass die politische Selbsteinschätzung auf einer Links-Rechts-Skala in keinem Zusammenhang mit der Einstellung zur dritten Juragewässerkorrektur steht. Es gibt eine deutliche Mehrheit dafür in allen politischen Lagern.



Etwas anders sieht es aus, wenn die Leute danach gefragt werden, ob die Flächen des Grossen Moos eher für Landwirtschaft oder Naturschutz reserviert werden sollen. So zeigt sich, dass im rechten Lager eine Mehrheit den Status Quo oder eine noch stärkere Nutzung durch die Landwirtschaft befürwortet, während sich im linken Lager eine Mehrheit für mehr Naturschutz findet. Jene Personen, welche sich der politischen Mitte zurechnen, positionieren sich auch in dieser Frage zwischen den beiden Polen. Obwohl bei dieser grundsätzlichen Frage über die Zukunft des Grossen Moos die politischen Lager erkennbar werden, heisst dies noch nicht, dass sie polarisiert sind. So finden sich sowohl im linken als auch im rechten Lager grosse Minderheiten, welche dem Umweltschutz respektive der landwirtschaftlichen Produktion mehr Raum zu Verfügung stellen wollen.



Insgesamt findet sich unter den Leserinnen und Lesern eine klare Mehrheit für die dritte Juragewässerkorrektur in allen politischen Lagern. Die Meinungen dazu scheinen aber noch nicht gefestigt. Auch ist nicht klar, was mit dem Grossen Moos geschehen soll. So halten sich die Befürworter einer starken Nutzung durch die Landwirtschaft, was der bisherigen Situation entspricht, und jenen Leserinnen und Lesern, welche mehr Flächen für den Naturschutz wollen, in etwa die Waage. Insgesamt könnte sich eine grosse Koalition für eine dritte Juragewässerkorrektur herausbilden. Dafür scheint es aber wichtig nicht nur den Nutzen für die Landwirtschaft, sondern auch die Bedürfnisse des Naturschutzes zu berücksichtigen. mt

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