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Aarberg

Eltern zeigen Broncos an

Broncos kontrollieren eine Gruppe Schüler – daraus wird ein Fall für die Justiz. Eine Familie hat Anzeige eingereicht.

Symbolbild: bt/a

von Dominic Galler

Peter Widmer schweigt, man kann sein Kopfschütteln förmlich durch das Telefon hören. «Es ist gar nichts passiert», sagt der Geschäftsleiter von Broncos Security dann. «Und jetzt wird ein Riesentheater daraus gemacht.»

Eine Familie aus Aarberg hat eine Strafanzeige gegen die Broncos eingereicht. Amtsanmassung lautet der Vorwurf. Es geht um einen Vorfall Mitte Juni: Aarberger Neuntklässler sassen am Abend an der Aare, als Broncos auftauchten. Sie sorgen im Auftrag der Gemeinde für Ordnung. Die Eltern werfen den Broncos vor, sie hätten von ihrem Sohn einen Ausweis verlangt und diesen fotografiert. Hilfe erhalten sie vom Verband Schweizerischer Polizeibeamter Bern-Gemeinden, also dem Vertreter der kommunalen Polizeiinspektorate. «Wir unterstützen die Anzeige und tragen die Anwaltskosten», bestätigt Präsidentin und Ostermundiger SVP-Gemeinderätin Aliki Panayides. Der Verband zielt auf ein Präjudiz ab. Denn der Vorfall in Aarberg spielt in einem rechtlichen Graubereich. Klar ist, dass nur Polizisten Personenkontrollen durchführen dürfen – private Sicherheitsleute haben im öffentlichen Raum nicht mehr Rechte als jeder andere Bürger. Das sehen auch die Broncos so. «Wir haben den Ausweis aber nicht verlangt, wir haben nur danach gefragt», sagt Peter Widmer. «Jeder Bürger darf nach einer ID fragen. Der Jugendliche hat ihn freiwillig gezeigt.» Ob dies zulässig ist, ist unklar. Kritiker sagen, dass private Sicherheitsleute mit ihrem Auftritt einen Zwang vorgaukeln.

Der Verband verfolgt aber auch politische Ziele. Der Kanton arbeitet an einer Revision des Polizeigesetzes. Die Gemeinden fordern mehr Kompetenzen – unter anderem wollen sie Ausweise kontrollieren dürfen. «Wir sehen heute, dass die Kantonspolizei aus finanziellen Gründen weniger Aufgaben übernimmt, als ursprünglich die Idee war», sagt Widmer. Die Gemeinden beauftragen private Sicherheitsfirmen, statt dass ihre Polizeiinspektorate die Aufgaben wahrnehmen. Das erscheint günstiger. Diverse Verbände warnen jedoch: «Die Gemeinden verlieren damit die Kontrolle», sagt Aliki Panayides. Als Beispiel nennt sie einen Vorfall in Thun, wo Protectas Mitarbeiter patrouillieren liess, die vorbestraft waren. Und auch der Datenschutz sei nicht gegeben. «Was passiert mit dem Foto des Ausweises?», fragt Panayides. «Wenn solche Daten in die falschen Hände geraten, kann das verheerend sein.»

Peter Widmer kann die Aufregung nicht verstehen. «Schon am Abend nach der Patrouille wurde das Bild automatisch gelöscht», sagt er. Denn passiert ist an jenem Juniabend gar nichts: Die Jugendlichen hinterliessen den Platz sauber. «Es geht uns darum, dass einer aus der Gruppe die Verantwortung übernimmt», erklärt Widmer. «Das funktioniert wunderbar, und die Jugendlichen begreifen dies auch.» Jedenfalls: Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sieht er gelassen entgegen.

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