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Blasmusik

Die Luft ist raus beim «Eidgenössischen» im Seeland

Die hitzigen Debatten zum Thema Eidgenössisches Musikfest haben vorgestern ein Ende gefunden: Die Seeländer Musikvereine erteilten dem Projekt eine Absage.

Symbolbild: Pixabay

«Kommt das ‹Eidgenössische› 2021 ins Seeland?» titelte das BT letzte Woche. Am Montag versammelten sich die Präsidenten an einer ausserordentlichen Konferenz des Seeländischen Musikverbandes (SMV) im «Weissen Kreuz» in Lyss, um diese Frage zu beantworten. Genauer: Um zu entscheiden, ob der Verband für die Durchführung kandidieren soll. Und so informierte Verbandspräsident Michel Graf, dass die Traktandenliste etwas abgeändert werden sollte. «Auf die Informationen zum Projektstand und die Fragerunde können wir vor der Abstimmung verzichten», sagte er vor den 37 Vereinsvertretern. Sie alle seien ja bereits mit einem klaren Auftrag ihrer Sektionen angereist, deshalb erübrige sich die Diskussion im Vorfeld.

Ein Projektteam hatte ein Konzept erarbeitet zur Durchführung eines Eidgenössischen Musikfests (EMF) im Juni 2021. Das Dossier wurde an die Seeländer Musiksektionen geschickt mit der Bitte, in den Vereinen einen Entscheid zu fällen, ob der SBV seine Kandidatur einreichen sollte.

 

Mit Vereinsaustritt gedroht
Man habe vereinsintern alle Vor- und Nachteile besprochen, sagt Renate Hübscher, Präsidentin der MG Baggwil-Lobsigen. «Die Freude war gross, dass man ein solches Fest bei uns im Seeland durchführen möchte», ergänzt Hübscher, «doch die Angst, nicht genügend Helfer organisieren zu können, hat uns am Schluss zu einem deutlichen Nein bewogen.»

In manchen Vereinen hätten Projektgegner sogar mit einem Vereinsaustritt gedroht, sollte dem EMF 21 zugestimmt werden. Daniel Nyffenegger, Präsident der MG Worben, ging am Montag sogar einen Schritt weiter. Er zweifelte vor der Abstimmung daran, dass die Durchführung einer ausserordentlichen Präsidentenkonferenz statutenkonform sei und man überhaupt in dieser Art über die Kandidatur entscheiden dürfe. «Es ist unserer Meinung nach nicht Aufgabe des SMV, ein solches Fest auszurichten», ist Nyffenegger überzeugt.

Gerade der Wunsch des Verbandes, dass bei einer Annahme der Kandidatur alle Sektionen mithelfen sollten, auch jene, welche sich dagegen ausgesprochen hatten, sorgte für grossen Unmut.

 

Grosse Vereine waren dagegen
Michel Graf forderte anschliessend jeden Verein einzeln dazu auf, seinen Entscheid bekannt zu geben. Bereits der erste genannte Verein, die MG Aarberg, entschied sich dagegen. Der Ort hätte im Festperimeter gelegen. Die Jugendmusik Lyss stimmte dafür, ebenso die MG Lyss. Ihre Spielpartnerin hingegen, die MG Worben, entschied sich dagegen. Besonders die grösseren Sektionen zeigten sich kritisch.

Schliesslich wurden die Stimmen gezählt, was ein Ergebnis von 20 Stimmen «dafür» und 17 Stimmen «dagegen» ergab. Eigentlich also war die Mehrheit der Vereine für eine Kandidatur. Doch der Verband hatte bereits im Vorfeld bekannt gegeben, dass eine deutliche Mehrheit der Gesellschaften hinter dem Projekt stehen müsste, weshalb eine Zweidrittelmehrheit gefordert war. Dieses Ziel wurde verpasst. Es wird nun kein «Eidgenössisches» im Seeland geben (siehe Nachgefragt rechts).

Der Vorstand zeigte sich nach der Abstimmung zurückhaltend. Projektleiter Reto Messerli betonte, man habe einfach etwas bewegen wollen im Seeland. «Die Konzeptarbeit war nicht umsonst, wir haben viele neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen sammeln können», führte er aus. Es könnte in naher Zukunft neue Projekte geben, die man den Sektionen vorschlage. «Aber sicher nicht mehr eine so grosse Kiste», bekräftigte er abschliessend.

Renato Anneler

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