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Vereine im Seeland

Der Langsamkeit verpflichtet

Pfeifenrauchen ist nicht mehr in. Die Klubs veralten und die Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden bieten weitere Schwierigkeiten. Ein Besuch beim Pipe Club Biel.

  • 1/4 René Bellini (links) und Pipe-Club-Präsident Cyrill Muoth. Bilder: mr
  • 2/4 Alexis Rochat
  • 3/4 Gaëtan Rochat
  • 4/4 Alexis Rochat (links), Alois und Johanna Zeder
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MARTIN RINDLISBACHER


Hoch oben im Turm des Restaurant St. Gervais in der Bieler Altstadt haben die Bieler Pfeifenraucher, der Pipe Club Biel, ein wahres Refugium. Abseits von Lärm und Hektik der Stadt und des Alltags treffen sich hier die rund 40 Mitglieder regelmässig zu ihren Anlässen. Anfangs Monat ist jeweils ein Stamm angesagt, bei dem Informationen ausgetauscht werden. Und ein paar Mal ist dieses Monatstreffen mit einem internen Wettrauchen verbunden. Das «Bieler Tagblatt» wagte sich in den Rauch der Geniesser.

2 Gramm für 52 Minuten
Sorgfältig abgewogene und verpackte Tabakkrümel werden jedem Teilnehmer des internen Wettrauchens abgegeben, dazu ein Pfeifenstopfer aus Holz, zwei Zündhölzer. Fünf Minuten haben die Teilnehmenden, eine Frau, sechs Männer, Zeit, den Tabak zu verfeinern und die Pfeife zu stopfen. Jeder hat seine Lieblingspfeifen dabei und wählt nach eigenen Kriterien eine aus. Zwei Teilnehmende der diesjährigen Schweizer Meisterschaften vom September wählen die Wettkampfpfeife. Diese ist noch kaum gebraucht. Und sie bringt Johanna Zeder, der einzigen Frau in der Runde, mehr Glück als in Egg an der nationalen Meisterschaft, als sie bereits nach 13 Minuten keine Glut mehr hatte. Nach 28 Minuten entsteht bei ihr kein Räuchlein mehr. Zuvor haben Pierre Meylan, ihr Mann Alois Zeder und Gaetan Rochat keine Glut mehr auf dem Pfeifenboden. Damit hat Johanna Zeder für einmal das familieninterne Duell für sich entscheiden können. Und Alexis Rochats Pfeife hält auch länger als jene seines Zwillingsbruders Gaetan.   

Pech hat Präsident Cyrill Muoth: Einerseits hat er sein Pfeifenset zu Hause vergessen und muss sich mit einer ausgestellten Ersatzpfeife begnügen. Andererseits erlöscht diese gerade, als er dem anwesenden Journalisten etwas erklärt. Nach einer knappen halben Stunde zündet er sich den restlichen Tabak erneut an – ausser Konkurrenz. Die alte Wanduhr tickt derweil weiter und die Sekunden rasseln auf dem Display des Natels weiter. Nach 52 Minuten ist das Wettrauchen auch für den letzten Teilnehmer zu Ende: René Bellini, 1974 Gründungsmitglied und danach 34 Jahre lang Präsident des Vereins, hat am längsten rauchen können mit den zwei Gramm Tabak.

Konzentration . . .
Ziel des Langsamrauchens ist es, mit einer bestimmten Menge Tabak, oft zwei Gramm, bei Meisterschaften drei Gramm, möglichst lange zu rauchen. Die Besten können mit drei Gramm Tabak über drei Stunden rauchen. «Entweder ist eine Glut sichtbar oder ein feiner Rauch», erklärt Präsident Muoth. Während den ersten zehn Minuten darf auch nicht Flüssigkeit eingenommen werden, damit der Tabak schön trocken bleibt. Die hohe Kunst des Pfeifenrauchens, wie es der Pipe Club Biel praktiziert, besteht darin, die Glut sehr klein zu halten. «Oft ist die Glut kaum grösser als ein Stecknadelknopf», erklärt Muoth. Und dann sei es vor allem Konzentrationsarbeit. Vor allem in der Schlussphase.

. . . und Genuss
Die Mitglieder des zweisprachigen Pfeifenklubs Biel bezeichnen sich als Geniesser. Mal ist es ein gutes Glas Wein, mal ein Whisky, die zum gemeinsamen Pfeifenrauchen genossen werden. «Da können wir abseits von Hektik und Alltag diskutieren oder einfach in uns gekehrt philosophieren, den Gedanken freien Lauf lassen. Jedes Mitglied habe wohl mindestens etwa 30 Pfeifen in seinem Sortiment, meint Muoth. Und Bellini nennt gar 300 Pfeifen sein eigen. Einige spezielle Exemplare sowie Abfolgen der Herstellung sind im Klublokal, das der Verein seit 1976 benützt, ausgestellt. An den nationalen und internationalen Wettbewerben jedoch erhält jeder Teilnehmer das gleiche Pfeifenmodell derselben Produktionsserie. An den 39. Schweizer Meisterschaften der Langsamraucher rauchte der Sieger mit drei Gramm Tabak 2 Stunden und 11 Minuten lang. Beim besten Bieler, Cyrill Muoth, war bereits nach gut einer Stunde die Pfeife aus.

Der zweite Pfeifenklub im Seeland, jener in Bargen, ist derzeit auf absoluter Sparflamme. Die Freunde des Pfeifenrauchens treffen sich regelmässig zu geselligen Anlässen. «Viele von uns rauchen gar nicht mehr», weiss Heinz Trefzer, lange Jahre Mitglied des Vereins. Und er lässt auch durchblicken, dass das Pfeifenrauchen nicht mehr in sei. Aber selbst für einen Nichtraucher ist der Duft der Pfeifenraucher nicht lästig. Die Atmosphäre des Geniessens, der Geselligkeit, überwiegt im St. Gervais in Biel.

    

National und international
  • Die Pfeifenlangsamraucher sind weltweit engagiert:
  • Die Europameisterschaft in Sevilla (21. Oktober) steht auf dem Programm.
  • Im nächsten Jahr ist in Polen ein Weltcup angesagt und 2014 in Köln eine Weltmeisterschaft.




 

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