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Wochenkommentar

Stöcklis Chancen sind gross

Stöckli wird bei den Wahlen vom Bisherigen-Bonus profitieren. Zumal er in seinen ersten vier Amtsjahren nicht negativ aufgefallen ist.

Hans Stöckli hatte am 5. Dezember 2011 seinen ersten Tag als Ständerat. Vier Jahre sind ihm nicht genug. Copyright: Tobias Anliker / Bieler Tagblatt

Gestern hat der Bieler Hans Stöckli (SP) seinen Kampf für die nationalen Wahlen vom 18. Oktober lanciert. Stilgemäss hat er dafür die Tissot Arena gewählt, dann, wenn dort das erste Eishockey-Spiel in der Geschichte des Stadions stattfinden sollte. Die Aufmerksamkeit von Tausenden war ihm sicher. Ein fulminanter Start in den Kampf um die Verteidigung seines Ständeratssitzes.

Stöckli wird bei den Wahlen vom Bisherigen-Bonus profitieren. Zumal er in seinen ersten vier Amtsjahren nicht negativ aufgefallen ist. Er hat keine Skandale produziert und war, wie als langjähriger Bieler Stadtpräsident auch, ein moderater Vertreter seiner Partei.

Als Hans Stöckli am 20. November 2011 im zweiten Wahlgang in den Ständerat gewählt worden ist, kam dies einer Sensation gleich. Er hatte den Bisherigen, das SVP-Schwergewicht Adrian Amstutz, weit hinter sich gelassen. Dies obwohl im ersten Wahlgang noch 60 Prozent der Stimmen an die bürgerlichen Kandidaten gegangen waren. FDP und SVP hatten bis anhin (mit Ausnahme von Simonetta Sommaruga) die Berner Ständeratssitze unter sich aufgeteilt. Diese Tradition wurde beendet, neben der SP mit Stöckli zog Werner Luginbühl mit der BDP an den altgedienten Parteien vorbei.

Am Montag wurde mit dem Ablauf der Meldefrist klar, dass sich elf Personen für die beiden Berner Ständeratssitze bewerben. Das ist eine Kandidatur mehr als vor vier Jahren. Stöckli ist dabei nicht der einzige Bieler: Unternehmer Bruno Moser hat sich ebenfalls gemeldet. Einer Partei gehört Moser nicht an, er kandidierte aber in der Vergangenheit mehrmals für den Regierungsrat, zuletzt 2014. Wirkliche Chancen hatte der Exot dabei nie, so wird es wohl auch diesmal sein. Auch die zwei anderen Kandidaten aus der Region, der parteilose Josef Rothenfluh aus Lengnau und Piratenpartei-Mann Denis Simonet aus Ipsach, werden um die zwei Sitze nicht zuvorderst mitmischen.

Es wird aber wohl wiederum zu einem zweiten Wahlgang kommen. Das Kandidatenfeld ist gross, auf Anhieb das Mehr zu schaffen, ist für keinen der Antretenden wahrscheinlich. Neben den Exoten treten bekannte, etablierte Politiker an: So einerseits auch der andere Bisherige Werner Luginbühl, andererseits wollen vier Berner Nationalräte neu ins Stöckli einziehen (Albert Rösti, SVP, Jürg Grossen, GLP, Marianne Streiff-Feller, EVP und Christine Häsler, Grüne). Die FDP schickt die Generalsekretärin für die FDP-Frauen, die Bernerin Claudine Esseiva, ins Rennen. Die besten  Chancen darf sich dabei, neben Stöckli und Luginbühl, sicher Albert Rösti ausrechnen. Er ist auch von der bürgerlichen Mitte wählbar, gilt er doch klar als moderater als sein Parteikollege und letzter SVP-Ständeratskandidat Adrian Amstutz. Er hat das Potenzial, es unter die ersten drei zu schaffen. Prognosen für den zweiten Wahlgang werden allerdings erst nach dem 18. Oktober seriös. Denn dann ist klar, wie die Berner wählen, welche Parteien gestärkt, welche geschwächt aus den Nationalratswahlen hervorgehen. Sicher ist: Stöcklis Chancen sind gross.

Kommentare

stockam

Mit grosser Sicherheit werden die Roten den Millionär Hans Stöckli wählen. Seine Politik im Ständerat reicht auch nur bis zum Portmonee. Den Sozis ist das egal, hauptsache davor steht SP wenn darin auch keiner ist.


Biennensis

Wie kann man überhaupt einem so alten Mann noch seine volle Aufmerksamkeit schenken?


Gulliver

Hans Stöckli, der viel lafered aber nichts sagt. So könnte man ihn wohl beschreiben. Wenn ein SP-Politiker also keine Skandale produziert sind schon alle mit seiner Leistung zufrieden? Wäre Stöckli in der SVP, hätte man wohl gesagt "Er war selten anwesend und hat keine grossen Stricke zerrissen".


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