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Zollinger sammelt Geld für das erste Nackt-Festival

Der für seine Nacktperformances bekannte Thomas Zollinger will in Biel ein Nackt-Festival veranstalten. Die Stadt hat bereits ihr Ja-Wort gegeben.

"Spaziergang mit Nacktakzenten" von 2014 in Biel. copyright: Olivier Gresset/Bieler Tagblatt

von Simone Tanner

«Ich finde das Ganze geschmacklos, dekadent und in jeder Form verwerflich», ereiferte sich vor einem Jahr ein BT-Leserbriefschreiber. Seine Aufregung galt dem Bieler Künstler Thomas Zollinger, der im Mai vor einem Jahr einen «Stadtspaziergang mit Nacktakzenten» veranstaltete (das BTberichtete). Nun hat Zollinger noch Grösseres vor: Vom 20. bis 22. August will er in Biel unter dem Titel «Body and Freedom» ein Nackt-Festival durchführen.

«Während Nacktheit auf der Theaterbühne oder im Museum heute gang und gäbe ist, ist sie im öffentlichen Raum nach wie vor tabuisiert», so Thomas Zollinger gestern gegenüber dem BT. Das möchte er ändern. Es gehe ihm um den nackten Körper als Mittel der Kunst.
Am Festival werden 18 Performances von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt gezeigt, in der Öffentlichkeit sowie abends in der Alten Krone und der Voirie. Präsentiert wird ein «vielseitiger Querschnitt um all die kontroversen Fragen zur Stellung des nackten Körpers im öffentlichen Raum», wie es in Zollingers Konzeptpapier heisst. Mit dabei ist etwa auch die New Yorker Künstlerin Miru Kim, die nackt in einem Bett auf der Strasse schläft und damit Privatheit im öffentlichen Raum thematisiert. Von ihrer Nacktheit wird unter der Decke wenig zu sehen sein.

Von der Stadt Biel bewilligt
Viele der eingeladenen Nackedeis stammen aus der Butoh- oder Tanzszene, so auch die Bieler Tänzerin Katharina Vogel oder der Berner Imre Thormann.

Das Festival wurde von der Stadt Biel unter gewissen Auflagen bewilligt, wie die Gewerbepolizei dem BTgestern bestätigte. Gemäss Zollinger dürfen die Seitengassen der Nidaugasse bespielt werden, die Nidaugasse selbst allerdings nicht, da man befürchte, es könne beim Anblick der Nackten – trotz Fahrverbot –  zu Unfällen kommen. Eine Vereinbarung mit der Bewilligungsbehörde sind auch die Plakate, die in der Stadt aufgehängt werden, um die Bevölkerung über die nackten Tatsachen zu informieren. So hat man die Möglichkeit, der Veranstaltung aus dem Weg zu gehen.

Im letzten Jahr hielt sich Zollinger nicht an alle Auflagen und nahm deshalb eine Busse in Kauf.

Geldgeber gesucht
Das Budget für das Festival beträgt 51000 Franken. Die Stadt hat gemäss Zollinger bereits ihre Unterstützung zugesichert. Auch der Kanton werde sich ziemlich sicher an der Finanzierung beteiligen sowie einige Private. Dennoch fehlt noch Geld, vor allem um die Künstlerinnen und Künstler unterzubringen. Zollinger hat deshalb auf der Crowdfunding-Plattform «we make it» eine Sammelaktion gestartet. Fast die Hälfte der 3000 Franken sind bereits zusammengekommen. Die Unterstützer kriegen als Gegenleistung für ihren Geldeinsatz Tickets, DVDs, eine Einladung zum «Naked Lunch», Plakate, ein Gespräch mit Zollinger oder aber sie dürfen sich selbst ihrer Kleider entledigen und an der «Prozession der Nackten» teilnehmen.


Info: Das Body and Freedom Festival wird am 20. August von Imre Thormann in der Alten Krone eröffnet und dauert bis am 22. August. Weitere Infos unter www.bodyandfreedom.com


Quelle: Nude Performance/youtube

Kommentare

jost.rindlisbacher

Ich finde dieses Vorhaben sehr gut , und überhaupt nicht schlimm, und sehr mutig, von den Teilnehmer die sich nackt zeigen, ich bin zu feige das zu tun, das natürlichste auf der welt, vom Knackigen jungen Körper hin bis zum alternden gebrechlichen körper , den alle wissen einmal sterben müssen wir alle irgend ein mal.


Biennensis

Genau lieber Georges, auch sowas ist Kunst. Kunst kann’s! Sie kann Freude bereiten, polarisieren, für Wohlgefühl sorgen oder Ärger provozieren, für Unterhaltung garantieren, kräftig aufregen oder nachdenklich machen – so vielfältig wie Kunst ist, so unterschiedlich kann sie wirken. Kunst kann aber noch was – helfen!


Georges

Und das soll Kunst sein! Und so einen Scheiss unterstützt unsere Stadt und gibt noch Geld obendrauf. Die Hitzewelle hat manchem in der Stadtverwaltung das Hirn geschmolzen...


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