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Starpianist dankt für Engagement gegen Waffenexporte

Das Lucerne Festival hat am Dienstagabend eine Premiere der anderen Art erlebt: Der Starpianist Krystian Zimerman, der seit fast 40 Jahren in der Schweiz lebt, dankte auf der Bühne den demokratischen Kräften, die sich gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer wehren.

Symbolbild: Keystone

(sda) Er habe der Schweiz sehr viel zu verdanken, sagte Zimerman in einer kurzen Ansprache nach der Aufführung von Leonard Bernsteins 2. Sinfonie. Diese habe ihn und seine Frau nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen während der Achtzigerjahre aufgenommen und er sei seither ein begeisterter Verfechter der Schweizer Demokratie.

Aber gerade deswegen trage er auch eine gewisse Verantwortung. Als besorgter Bürger wehre er sich dagegen, dass Probleme mit Waffen gelöst werden und dass die Waffenindustrie, die gerade mal 0,15 Prozent der Exporte ausmache, die Glaubwürdigkeit der Schweiz aufs Spiel setze.

Vor dem Publikum im Luzerner KKL bedankte sich Zimerman deshalb bei allen "demokratischen Kräften, die sich gegen die Lockerung des Verbots von Waffenexporten in Bürgerkriegsländer" einsetzen. Diese sei mit der Schweizer Neutralität nicht vereinbar. Das Publikum - darunter CVP-Präsident Gerhard Pfister - reagierte mit eher verhaltenem Applaus.

Eine politische Stellungnahme an einem Konzert am Lucerne Festival sei schon sehr aussergewöhnlich, sagte Mediensprecherin Nina Steinhart am Mittwoch auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA. Sie könne sich nicht erinnern, dass sich ein Musiker auf der Bühne in der Vergangenheit je politisch geäussert habe.

Zimerman gilt als äusserst medienscheu. Doch auf der Bühne war es nicht das erste Mal, dass er seine politische Meinung kundtat. So habe er in den Neunzigerjahren in Frankreich die Atomtests auf dem Muruora-Atoll kritisiert oder in Japan den Truppeneinsatz im Irak, sagte er im Gespräch mit Keystone-SDA.

In den USA sorgte der Starpianist 2009 in der Disney Hall von Los Angeles für Aufsehen, als er mit Blick auf die Pläne der USA, in seinem Heimatland Polen ein Raketenschild zu installieren, sagte: "Get your hands off my country".

Zimerman betonte, er sei damals von der "Los Angeles Times" falsch zitiert worden. Er habe nicht die Amerikaner beleidigt, sondern lediglich das US-Militär kritisiert. Dafür habe er sogar eine Standig-Ovation erhalten.

Zimerman hatte am Dienstagabend in Luzern mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Simon Rattle Bernsteins 2. Sinfonie "The Age of Anxiety" aufgeführt. Der amerikanische Komponist und Dirigent hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Er habe während 17 Jahren - bis kurz vor dessen Tod - mit Bernstein zusammen gearbeitet und sei sein letzter Solist gewesen, sagte Zimerman. Dieser habe sich Zeit seines Lebens gegen Gewalt, Waffen und Kriege eingesetzt und sich im Zusammenhang mit dem Vietnam-Krieg 1973 sogar mit dem damaligen US-Präsidenten Richard Nixon angelegt.

Mit seinem Engagement habe ihm der Maestro aufgezeigt, was Bürgerinnen und Bürger erreichen könnten, sagte Zimerman. "Ohne sein Vorbild hätte ich die Courage nicht aufgebracht".

Die nicht immer populäre 2. Sinfonie habe er unzählige Male mit Bernstein gespielt und ihm vor vielen Jahren versprochen, sie an seinem 100. Geburtstag noch einmal zusammen mit ihm aufzuführen, sagte Zimerman.

Doch dazu kam es nicht mehr; Bernstein starb bereits 1990 im Alter von 72 Jahren. Aber Zimerman konnte den Bernstein-Bewunderer Rattle davon überzeugen, das Werk im Jubiläumsjahr ins Tournee-Programm des London Symphony Orchestra aufzunehmen.

Zum Andenken an den grossen Komponisten und Dirigenten spielen die beiden die Sinfonie in diesem Jahr an allen grossen Festivals und auf zahlreichen Bühnen auf der ganzen Welt. Eine Aufnahme mit Zimerman, Rattle und den Berliner Philharmonikern wurde im August veröffentlicht.

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