Sie sind hier

Hip-Hop

Rap aus Biel mit Potenzial

Die Stadt Biel gilt seit den 80er-Jahren als Hochburg der Schweizer Hip-Hop-Kultur. Endlich gibt es mit La Base & Tru Comers auch eine Rap-Gruppe, die diesen Ruf untermauert.

La Base & Tru Comers rappen aus Spass am Rappen. Billard scheint ihnen nicht ganz so viel Spass zu machen. Bild: zvg

von Patrick Sigrist

Bieler Hip-Hop, das sind die legendären Gaskessel-Partys der späten 80er- und frühen 90er-Jahre. Da sind Graffitis von Sèyo, Tarkin, Cap und Generationen von legalen und illegalen Graffiti-Künstlern, die nach ihnen gekommen sind. Der Name der Stadt wird in die Welt hinausgetragen von DJs wie dem renommierten Party-König Ker oder dem aufstrebenden Wiz, der im weltweit grössten DJ-Wettbewerb in Tokyo soeben den dritten Platz erreicht hat. Die berüchtigten Tänzer der Jazzy Rockers haben den Mythos über Dekaden hinweg ebenso genährt wie heute die Capsule Corporation. Mit Nino G und Fad II beheimatet Biel seit jeher das unterhaltsamste Beatbox-Duo des Landes. Gefehlt haben Rapper mit Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus. Bisher.

Eine wilde Horde junger Männer

Jetzt, über 30 Jahre nachdem die Subkultur hier Fuss gefasst hat, scheint sich dies zu ändern. La Base & Tru Comers nennt sich die wilde Horde junger Männer, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, endlich auch dem Bieler Sprechgesang zu Ansehen zu verhelfen. Und das tut die siebenköpfige Truppe mit einer Energie, welche die Rap-Schweiz bis anhin nicht gekannt hat. Seit knapp zwei Jahren spielen sie ihre feurigen Konzerte ausserhalb der Stadt und räumen ganz ohne Album live in Clubs in der ganzen Deutschschweiz, wie auch auf den Festivalbühnen in Orpund oder Frauenfeld ab.

Musikalisch orientiert sich die Gruppe am Ostküsten-Rap der frühen 90er-Jahre. Buds Penseur, einer der fünf Rapper, gibt unumwunden zu, dass seine Idole eher in New York als in der Schweiz zu finden sind: «Der Wu-Tang Clan, Nas und Mobb Deep sind klar meine Favoriten.» Doch als simple Kopie der Vorbilder gehen La Base & Tru Comers nicht durch.

«Unsere Musik ist wild und wir benutzen keine bestimmte Formel,» stellt der Mittzwanziger Buds Penseur klar. Produzent X-Pert beschreibt den Sound der Crew präziser: «Unsere Songs leben von harten Drums, fetten Bässen und beleidigenden Bläsersätzen. Umgarnt wird das Ganze von soundtrackmässigen Melodien.» Er und sein Kollege Sperrow sind als Produzenten für die Soundästhetik der Crew verantwortlich. Stilprägend ist der Einsatz von analogen Samplern und Drumcomputern anstelle der heute gängigen Software-Plugins. «Wir mögen es einfach lieber, auf die Pads zu schlagen, anstatt auf die Maus zu klicken und am Bildschirm zu arbeiten. Es ist einfach cool, ein Sample ab Vinyl bis ganz zum Schluss analog zu behandeln», begründet X-Pert die aussergewöhnliche Herangehensweise.

Knochentrocken und knallhart

Wie es der Name vermuten lässt, besteht die Formation eigentlich aus zwei Crews. Die fünf MCs von La Base und die beiden Produzenten von den Tru Comers haben sich vor ein paar Jahren über gemeinsame Freunde kennengelernt. Und es hat sofort geklickt. «Die Jungs kamen bei uns vorbei, um sich unsere Beats anzuhören. Wir haben sie gefragt, ob sie uns etwas von sich zeigen könnten. Anstatt eine CD oder Files hervorzukramen, haben sie ihr Können direkt und live im Studio bewiesen», erzählt X-Pert. Etwas über zwei Jahre, eine Single und eine EP - beide stilgerecht auf Vinyl veröffentlicht - später, ist es jetzt an der Zeit für das erste gemeinsame Album.

13 Titel umfasst «Jusqu’à la mort», allesamt in Eigenregie produziert und geschrieben. Prägend sind die knochentrockenen und knallharten Drums, die schon im Intro einsetzen und sich bis zum Schluss durchziehen. Dieses grundsolide rhythmische Gerüst bietet die Grundlage für fünf MCs, die es schaffen, unterschiedlichste Stile zu einem gemeinsamen Ganzen zu vereinen.

Aus Spass am Rappen

Ri-K, überzeugt mit einer umwerfenden Rap-Technik und speit so viele Silben pro Takt wie kaum ein anderer Rapper im Land. T-Sow, ebenfalls ein filigraner Techniker, singt als käme er direkt aus den Strassen Kingstons. Buds Penseur lässt mit seiner brachialen Bassstimme die Boxen beben. Sie sprechen von persönlichen Sehnsüchten, sie üben Sozialkritik, sie zollen den Jugendidolen Respekt, und es gibt allem voran ganz viel Rap aus Spass am Rappen. Genau so, wie vor 30 Jahren die Jazzy Rockers aus Freude am Tanz die ersten Top-Rocks und Backspins hingelegt haben.

Info: Album: La Base & Tru Comers, «Jusqu’à la mort» (Comin Tru Records). Plattentaufe: 3. Oktober, Gaskessel Biel, Türe: 22 Uhr.

 

 

Nachrichten zu Kultur »