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Wochenkommentar

Nackte Aufregung um ein Festival

Im Internet ist die Aufregung um das «Body and Freedom Festival», bei dem Kunstschaffende in der Bieler Innenstadt Nachtperformances zeigen, gross. “Etwas mehr Gelassenheit”, fordert unsere Kulturredaktorin in ihrem Kommentar.

Schon 2009 sorgte Thomas Zollinger mit nackten Menschen für Aufregung in Biel. archivbild: adrian streun/bieler tagblatt

von Alice Henkes, Redaktorin Kultur

Es gibt Menschen, die sagen, Nacktheit sei natürlich, wir alle würden nackt geboren. Doch die meisten von uns entwickeln sich nach der Geburt weiter. Und auf dem Weg vom Säugling zum Erwachsenen verinnerlichen wir, dass der Nacktheit mit Tabus belegt ist. Wer sich unbekleidet in einer bekleideten Öffentlichkeit bewegt, tut dies, jenseits des Kleinkindalters, meist mit Vorsatz.

Und wenn einer sich öffentlich auszieht, zieht das immer einen zweiten an, der sich aufregt. Dass die Ankündigung des «Body and Freedom Festivals», bei dem 18 Kunstschaffende in der Bieler Innenstadt Nacktperformances zeigen, Kontroversen entfachen würde, war vorhersehbar. Am nächsten Wochenende soll das von Thomas Zollinger organisierte Festival stattfinden. In Online-Foren ist die Aufregung gross. Viele Beiträge verraten Verunsicherung. Ist das Festival ein Treffpunkt für Exhibitionisten? Nein, es geht den Teilnehmenden nicht um sexuelle Erregung. Ist es eine Bedrohung für die Jugend? Die meisten Jugendlichen haben im Internet sicher schon Aufregenderes gesehen als ein paar Nackte, die die Strasse langgehen. Und darf man ethnischen Minderheiten soviel abendländische Nacktheit zumuten? Gegenfrage: Woher rührt das Bedürfnis, Menschen anderer Kultur- und Religionszugehörigkeit zu schützen? Von den gleichen Leuten, die gegen den Bau von Moscheen und gegen Einwanderung stimmen?

Den meisten Online-Polterern geht es nicht um Jugend oder Moral, sondern ums Geld. Nicht die Aussicht auf nackte Flaneure erhitzt die Gemüter, sondern die Tatsache dass Thomas Zollinger für sein Projekt von der Stadt Biel eine Defizitdeckungsgarantie in der Höhe von 10 000 Franken zugesagt wurde. SVP Grossrat Mathias Müller nahm diese Zusage als willkommene Vorlage, um sich gegen sogenannte «Staatskunst» auszusprechen. Wenn es nach der SVP ginge, sollte die öffentliche Hand sich ganz aus der Kulturförderung zurückziehen. Dabei wird übersehen, dass eine Defizitdeckungsgarantie an die Bedingung gekoppelt ist, dass zwei Drittel der Veranstaltungskosten gesichert sind.

Oft wird in den Online-Foren gerätselt, wieso es  Geld kostet, ein paar Leute auszuziehen. Allein: Die Kunstschaffenden ziehen sich nicht einfach aus. Sie haben Programme vorbereitet. Sie reisen aus der Schweiz und dem Ausland an.  Das muss ebenso finanziert werden wie Plakatwerbung und Sicherheit. Thomas Zollinger hat einen Sicherheitsdienst engagiert. Dass die Stadt Zollinger unter die Arme greift, muss nicht jedem gefallen. Forderungen, statt der Nackten lieber die Schwanenkolonie zu unterstützen, gehen indes an der Verwaltungsrealität vorbei. Das Geld fürs Nacktfestival kommt aus dem Kulturtopf. Es geht nicht den Schwänen verloren, sondern allenfalls anderen Kulturschaffenden.

Die Diskussionen ums Nacktfestival sind wenig überraschend. Offen ist, ob Thomas Zollinger bewusst auf einen Shitstorm gesetzt hat, um ihn als Werbung für sein Festival zu nutzen. Der Performance-Künstler kennt sich aus mit Nacktereignissen. 2014 liess er im Rahmen des «Joli Mois de Mai» Nackte durch die Altstadt spazieren. Sein künstlerisches Anliegen, den nackten Körper zu enttabuisieren, freilich geht im Geschimpfe unter.

Überdies: war das wirklich schon ein Shitstorm? Oder nur ein Unlust-Lüftchen? Ob Meckerecken im Internet Mehrheitsmeinungen spiegeln ist strittig. Experten sagen, dass Netzdiskussionen oft von kleinen aggressiven Gruppen dominiert werden. So ist es wohl auch diesmal: Vielen Bielerinnen und Bielern ist das Nacktspektakel wahrscheinlich herzlich egal. Doch die grosse Mehrheit macht auch im Internet das, was sie immer gern tut: sie schweigt und überlässt das Feld den Katastrophenbeschwörern und Aufregungssalbaderern. Manchmal wäre etwas mehr Gelassenheit und Kontentration auf das Inhaltliche schön.

Kommentare

Jutta Maier

Frau Henkes outet sich mit ihrer kaltschnäuzigen Bemerkung als jemanden, dem Tiere völlig wurst zu sein scheinen. Wenn das Geld im Kulturtopf für solchen Blödsinn ausgegeben wird, dann kann man ja den Kulturtopf verkleinern und jenen des öffentlichen Dienstes, wie es Tierpark und Schwanenkolonie sind, wieder aufstellen. Ich persönlich habe jedenfalls mehr Freude an den Tieren im Tierpark und der Schwanenkolonie, als an irgendwelchen Nackedeien auf der Strasse. Wenn diese "Kulturschaffenden" gewissen verklemmten Gestalten eine Gratis-show liefern wollen, sollen sie doch, aber bitte nicht mit Geld, das besser woanders eingesetzt werden könnte.


Jutta Maier

Frau Henkes outet sich mit ihrer kaltschnäuzigen Bemerkung als jemanden, dem Tiere völlig wurst zu sein scheinen. Wenn das Geld im Kulturtopf für solchen Blödsinn ausgegeben wird, dann kann man ja den Kulturtopf verkleinern und jenen des öffentlichen Dienstes, wie es Tierpark und Schwanenkolonie sind, wieder aufstellen. Ich persönlich habe jedenfalls mehr Freude an den Tieren im Tierpark und der Schwanenkolonie, als an irgendwelchen Nackedeien auf der Strasse. Wenn diese "Kulturschaffenden" gewissen verklemmten Gestalten eine Gratis-show liefern wollen, sollen sie doch, aber bitte nicht mit Geld, das besser woanders eingesetzt werden könnte.


Biennensis

Wo liegt eigentlich die Geburtsstätte von Eurem Problem! Seid Ihr wirklich so rückständig, verklemmt und prüde? Die nackte Frau auf dem Bild im Vordergrund sieht doch ganz nett aus. Zu erwähnen ist, dass so ein „Festival“ der nackten Tatsachen im Islam gar NICHT möglich ist! Fakt ist, dass die "schleichende" und "stille" Islamisierung bei uns mit seiner “kulturellen Vielfalt” (Rot-Grüner-Werbeslogan) schon längst Einzug hält und auch nicht mehr aufzuhalten ist! Kommt dazu, dass bereits die nächste Welle der Islamisierung mit „Gruss“ von der ISIS auf uns zukommt. Langsam verstummen die Schönredner, denn Europa befindet sich schon längst im Würgegriff der ISIS! Und… schon bald werden andere Tatsachen mit ihren „nackten“ Wahrheiten bei uns ihre Fortsetzung finden… PS: An alle Pseudomoralisten und Gutmenschen: „Sex ist vor der Ehe nicht erlaubt!“


EBBI

@Gulliver Sie benützen ja auch jede Gelegenheit um über die SP zu lästern! Aber träumen Sie weiter von Ihrer braunen Welt.....die wird in Biel nie ankommen glauben Sie mir.... Und das ist auch Gut so...


Gulliver

Das Bieler Tagblat outet sich so einmal mehr als SP-Pateiblatt! Es wird keine Gelegenheit ausgelassen die SVP zu verunglimpfen. Aber die Leute in Biel erwachen auch langsam und haben die linke Politik durchschaut, welche sich schon lange nicht mehr nach den Bedürfnissen des Volkes ausrichtet. Nächstes Jahr im Herbst ist Zahltag!


TeddyBear

Dieser Beitrag zeigt schon wieder das diese Frau voll daneben ist. Diese Scheisse soll Kunst sein?! Ihr beschimpt echte Künstler mit solche Behauptungen! Diese Veranstaltung ist eine Schande für die Stadt Biel - und dies denken tausende, und nicht nur einige "Polterern" wie Frau Henckes es behauptet. Das den BT diese Frau für so ein blödsinniges Beitrag noch bezahlt ist etwas das ich definitiv nicht verstehen kann! ...oder ist der BT neu einer gewisse politische Partei gebunden?


odette20

Diese "Veranstaltung, hi hi" sollte bei 20° Minus stattfinden........


a.p.christen

Der Kommentar von Frau Henkes: Ich ziehe den Hut und wünschte mir auch zu andern Themen und weiteren Kommentatoren mehr Beiträge von dieser Qualität und Lesbarkeit. Absolut beherzigenswert.


jost.rindlisbacher

Ich kann die Kritik an dieser Veranstaltung nicht ganz nachvollziehen. Dass die Stadt Biel dafür 10 000 Franken spricht, aber dann dem Tierpark Biel Bözingen und der Schwannenkolonie die Ünterstützungsbeiträge streicht oder massiv kürzt ist unverständlich, und darf nicht sein. Aber was ist an diesem Nackt Festival falsch. Nacktheit, den Menschen in seiner Natürlichen Art zu sehen. Ob Dünn, fettleibig, gross, klein, jung , mittelalterlich , oder ein Menschlicher Körper der altert und gebrechlich ist , das ist doch der Lauf unseres Irdischen Daseins auf unserer Erde oder etwa nicht? . Ich habe von den Mitwirkenden diese Nacktfestivals sehr grossen Respekt, und bewundere deren grossen Mut sich in ihrer natürlichen art zu zeigen ,ehrlich ich hätte diesen Mut ganz sicher nicht , wäre zu feige dazu. Aber Wetten dass… gerade diese vielen Kritiker dieser Veranstaltung Kunst ja oder nein , sich irrgend wo hinter einem Hausecken im Versteckten sich das zu Gemüte führen lassen. Wasser Predigen Mora Apostel spielen, und einen guten Wein trinken.


Georges

Über diese Veranstaltung wurde viel geschrieben und die Polemik "Ist das Kunst?" wird nie ein Ende finden. Ich bin der Meinung, auch wenn man nackt geboren wird (kann ja nicht anders sein) hat Nacktheit auf öffentlichem Boden nichts zu suchen! Und dass unsere Stadt so etwas unterstützt, ist wirklich inakzeptabel und respektlos gegenüber den Bürgern! Kunst kann man nicht aufzwingen!!!


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