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Péry

Zweiter Anlauf für Bauschutt-Aufbereitung

Das Tiefbauunternehmen Marti SA will in Péry eine Aufbereitungsanlage für Bauschutt errichten. Ein früheres Projekt in Corgémont scheiterte am Widerstand der Bevölkerung.

Die Industriezone von Péry sei der ideale Standort für die Bauschutt- Aufbereitungsanlage, meint der Geschäftsführer von Marti SA, Thierry Linder. Marti Arc Jura

Auf dem Gemeindegebiet von Péry könnte bald eine Aufbereitungsanlage für Bauschutt entstehen. Das hofft jedenfalls das Neuenburger Tiefbauunternehmen Marti Travaux Spéciaux SA. Das Baugesuch liegt derzeit beim Regierungsstatthalteramt Berner Jura. Das Projekt für eine solche Recyclinganlage ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren hatte Marti SA ein ähnliches Gesuch in der Gemeinde Corgémont eingereicht. Aber wegen des breiten Widerstands der Bevölkerung wurde das Vorhaben aufgegeben. Thierry Linder, der Geschäftsführer von Marti SA, betont, dass die damals geplante Anlage allen gesetzlichen Regelungen entsprach: «Sämtliche Bewilligungen waren bereits erteilt worden», so Linder.

«Selbst rezyklieren» Nun nimmt das Unternehmen einen zweiten Anlauf für die Bauschutt-Aufbereitung. «Das Bundesgesetz verpflichtet uns, einen Teil des Materials selbst zu rezyklieren. Deshalb müssen wir wohl ober übel einen Standort finden», erläutert der Firmenchef.

Das am Dorfausgang von Péry (in Richtung von La Heutte) liegende Grundstück gehört zur Industriezone. Die Marti SA will dort auf 8320 Quadratmetern einen Recyclingpark für nicht schadstoffbelastetes Aushubmaterial errichten. Dazu gehören eine Zerkleinerungsanlage sowie genügend Umschwung für die Zwischenlagerung der Werkstoffe, die später wieder im Tiefbau eingesetzt werden. Das zwischen der Schüss und der Autobahn gelegene Areal ist über 100 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt. Dazu meint Linder: «Die Lage ist ideal.» Seine Zuversicht wird allerdings nicht von allen Anwohnern geteilt. Am vergangenen Sonntagabend war die Einsprachefrist gegen das Vorhaben abgelaufen, und wie es scheint, haben einige Bürgerinnen und Bürger von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Das Regierungsstatthalteramt Berner Jura bestätigte, dass mehrere Einsprachen eingegangen seien. Die genaue Anzahl konnte das Amt am Dienstag noch nicht nennen. Auch die Gemeindeverwaltung von Péry hat Kopien von diesen Einsprachen erhalten. André Bessire, Vize-Gemeindepräsident und Leiter des Bauressorts von Péry, nennt als wichtigste Beschwerdegründe die Befürchtung von Lärm- und Staubbelastung sowie den zu erwartenden Lastwagenverkehr durch das Dorf.

Mobilmachung in Sicht Anders als seinerzeit in Corgémont gibt es in Péry zumindest derzeit keine organisierte Front gegen die Pläne von Marti SA. Allerdings hat ein Anwohner ausgesagt, dass er Unterschriften sammeln werde, um das Vorhaben zu verhindern. Er wohnt nicht weit von der Industriezone entfernt und findet, dass eine BauschuttAufbereitungsanlage an dieser Stelle nicht zumutbar sei: «Der Lärm der Brechmaschinen wird nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch die höher gelegenen Wohnquartiere belästigen.» Der Gegner der Anlage sieht auch die geplante Bauzone Champs l’Allemand gefährdet. Er meint dazu: «In der Umgebung einer solchen Industrieanlage wird wohl kaum jemand eine Parzelle kaufen.»

Ihn ärgert zudem eine Verfahrensfrage im Zusammenhang mit der Baubewilligung für die Marti SA. Die Bevölkerung sei nämlich schlecht informiert worden. Eine Informationsveranstaltung der Gemeindebehörden sei erst eine Woche vor Ablauf der Einsprachefrist angesetzt worden. «Das Vorgehen der Gemeinde ist inakzeptabel, denn viele hatten im Vorfeld nichts von der behördlichen Orientierung gewusst», so der Projektgegner. Er hat deshalb beim Regierungsstatthalteramt um eine Erstreckung der Einsprachefrist ersucht.

Neutrale Gemeindebehörde Die Gemeindeverantwortlichen von Péry sind bei diesem Geschäft ganz offensichtlich um Sachlichkeit bemüht. «Einerseits verstehen wir die Befürchtungen der Bürger, andererseits bietet unser verwaistes Gewerbeareal einen traurigen Anblick», sagt Gemeinderat André Bessire. Er bestätigt, dass die Gemeinde einen positiven Vorbescheid für das Nutzungsvorhaben durch die Firma Marti SA gegeben habe. Allerdings tragen die Behörden auch den Anliegen der Bevölkerung Rechnung, wie Bessire erklärt: Die Marti SA muss der Gemeinde nämlich einen Umweltbericht vorlegen, der über die zu erwartenden Immissionen Aufschluss gibt. «Nur wenn die Bedingungen für die Anwohner erträglich sind, wird die definitive Betriebsgenehmigung beantragt. Sollte sich die Belastung als unzumutbar erweisen, würde sich auch die Gemeinde gegen das Projekt stellen», versichert der Vize-Gemeindepräsident. Er erinnert daran, dass die Erteilung der Bau- und Betriebsbewilligung Sache des Regierungsstatthalteramts sei.

Firmenchef Thierry Linder zeigt sich erstaunt über den Widerstand gegen seine BauschuttAufbereitungsanlage. Immerhin sei die Marti SA zu Zugeständnissen bereit: «Wir könnten die im Freien geplante Brechanlage für Gestein in einer Halle unterbringen.» Ebenso könnten Schallschutzwände eingesetzt werden. Auch der entstehende Staub würde durch Wassernebelgeräte wirksam gebunden, sagt Linder. Er kündigt an, dass die Marti SA demnächst einen Testbetrieb in Péry abwickeln möchte, damit sich die Bevölkerung vor Ort ein Bild machen kann.

Nach dem Misserfolg in Corgémont vor zwei Jahren will der Geschäftsführer von Marti SA diesmal nicht klein beigeben: «Wir haben einen bestens geeigneten Standort gefunden, und nun geben wir uns die nötige Zeit, um das Projekt Schritt für Schritt erfolgreich umzusetzen.» cbu/pl

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