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Kuh-Model

Wenn eine Kuh zum Coiffeur geht

Sie ist die perfekte Kuh. Lange Beine, breites Becken, gerader Rücken und ein prall gefüllter Euter: Frivole – ein Kuh-Model. Unsere Kollegin Salina Zigerli von Canal 3 hat Frivole für ihre Diplomarbeit zu ihrem letzten Auftritt begleitet.

Kuh-Model Frivole und Besitzerin Simone König. Foto: Salina Zigerli

von Salina Zigerli

Tränen fliessen Simone König über die Wangen. Sie vergräbt ihr Gesicht und murmelt: „Ist schon okay, ist halt emotional. Wir haben so viel zusammen erlebt.“ Simone König ist die Besitzerin von Frivole, die beiden gehen seit fünf Jahren zusammen an Schönheitswettbewerbe für Kühe, so genannte Vieh-Shows. Erfolgreich: Zweimal hat Frivole schon an einer Europameisterschaft teilgenommen.

Nun ist genug: „Nicht weil sie nicht mehr kann, aber irgendwann muss man es auch gut sein lassen“, sagt ihre Besitzerin Simone König. Immerhin ist Frivole schon neun Jahre alt. Das ist ziemlich alt für eine Kuh, da die meisten Kühe der Rasse Red Holstein (rot-weiss gefleckt),  in der Schweiz nicht älter als sechs Jahre alt werden. Grund sind Gesundheits- und Fruchtbarkeitsprobleme. Frivole ist also schon ein “Grosi”, deshalb ist heute ihr letzter Auftritt als Kuh-Model. Im eigenen Kanton an der Red Night Show in Bern endet die Modelkarriere von Frivole.

Einmal föhnen bitte!


Kuh-Coiffeur Martin Ruchti (Foto: Salina Zigerli)

Nicht jede Kuh kann Kuh-Model sein. Dazu gehört viel Arbeit. Frivole hat einen strengen Futterplan, damit sie nicht zu dick wird. Sie hat Lauftraining damit sie im Showring perfekt läuft und Frivole wird vor den Shows gewaschen und geschoren. Der letzte Schliff gibt es vor Ort, an der Vieh-Show selbst. Kein Model geht auf den Laufsteg ohne gute Frisur, auch ein Kuh-Model nicht. Deshalb geht es für Frivole zum Kuh-Coiffeur. Was dort passiert, können Sie in diesem Video sehen:



Wie eine Kuh für eine Vieh-Show richtig vorbereitet wird kann der Besitzer an der Schweizer Jungzüchterschule lernen. Doch nur mit einer schönen Frisur ist es nicht gemacht. Die Vorbereitungen für eine Vieh-Show fangen schon drei Wochen vorher an. Simone König hat mit Frivole das Laufen geübt, ihre Kuh gewaschen und geschoren. Viel Aufwand, den nicht alle verstehen können. Kritische Simmen und einen Einblick in die Vorbereitungen, können Sie hier im Radiobeitrag hören.


 
Wer fängt den Kuhfladen auf?

In der Halle sind Stall, Showring und Restaurant nebeneinander. Es läuft Musik. Einmal Pop, dann wieder Ländler. Der Duft nach frischem Stroh, Gras, Kuhfladen und Pommes Frites hängt in der Luft. Die Kuh-Besitzer sitzen auf Campingstühlen neben ihren Tieren, sind alle Zeit bereit aufzuspringen. Neben ihnen ein Kessel und WC-Papier. „Es ist wichtig, dass Frivole nicht mehr schmutzig wird“, sagt Simone König. Wenn die Kuh also kotet oder uriniert, dann müssen die Besitzer sofort den Kessel darunter halten. Frivole hat ihren Auftritt erst spät am Abend, bis dahin heisst es warten. Simone König lässt ihre Kuh nie aus den Augen. Sobald das Gras ausgeht, gibt es Nachschub. Hat Frivole Durst, steht ihre Besitzerin mit dem Wasserkessel bereit.

Showtime

Es ist 21 Uhr. Die Scheinwerfer sind auf den Sagmehlring gerichtet. Frivole und zehn andere Kühe stehen draussen vor dem Showstall und warten auf ihren Auftritt. Frivole macht einen entspannten Eindruck, sie kaut Gras und steht ruhig da. Ganz anders als ihre Besitzerin. Simone König ist sichtlich nervös und zupft hektisch an Frivole herum. Sie übergibt ihre Kuh an einen Kollegen, dieser wird mit Frivole im Showring laufen. „Ich bin zu nervös. Frivole spürt das, deshalb schaue ich von der Tribüne aus zu“, sagt Simone. Die Showmusik beginnt. Frivole läuft in den Showring. Ein Richter steht in der Mitte des Showrings und schaut die Kühe von Kopf bis Fuss an. Dabei bewertet er unter anderem das Becken, die Beine, Ausstrahlung und den Euter.

Nach fünfzehn Minuten ist Frivoles letzter Auftritt vorbei. Es hat nicht auf das Podest gereicht. Frivole wird fünfte von elf Kühen in ihrer Altersklasse. Simone König ist zufrieden mit dem Resultat: „Ein schöner Schluss und erst noch im eigenen Kanton.“ So endet also die Modelkarriere von Frivole. Es geht zurück nach Hause in den Stall, wo sie eine von vielen ist. Eine normale Milchkuh.

Info: Diese Geschichte stammt von Salina Zigerli, Leiterin Moderation bei unseren Kollegen von Radio Canal 3. Es handelt sich bei diesem multimedialen Beitrag um ihre Diplomarbeit an der Journalistenschule MAZ. Die erwähnte Kuh-Show fand im September 2014 statt, die Arbeit darf aber erst jetzt, nach der Benotung und Beurteilung an der Journalistenschule, publiziert werden.
 

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