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«No more Heroes: Heroes‘ Paradise»: Hommage und Parodie

Wenn ein kleiner Titel das Lineup der Wii in eine interessantere Richtung gebracht hat, dann war das mit Sicherheit der Entwicklerlegende Suda51 und seinem „No more Heroes“ geschuldet. Drei Jahre danach ist die Luft beim Remake für die PS3 aber trotz Move-Unterstützung draussen.

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TEST VON JEAN-CLAUDE ZÜRCHER<br><br>Die üblichen Gamerklischees hängen den meisten Spielern längst zum Hals heraus. Hart wird es, wenn ein Entwicklergott wie Suda51 ganz bewusst damit spielt und einen Titel entwickelt, welcher je nach Sichtweise genau diese Klischees parodiert oder ihnen eine Hommage widmet. <br><br>Da wäre also dieser Junge, Travis Touchdown. Wie viele in seinem Alter hat er kein Geld. Sein Zuhause in einem Motel ist ziemlich schäbig eingerichtet. Die Sammlung mit Bildern von Wrestlingmasken, der Fernseher und eine niedliche Katze sind sein Halt in diesem Loch. Als Travis in einer Bar seine Traumfrau trifft und ihr nicht einmal etwas zu trinken spendieren kann, beschliesst er einen Job zu suchen.<br><br>Dass er von allen gebotenen Möglichkeiten darauf kommt Auftragskiller zu werden, ist der Grund, weshalb zu diesem Zeitpunkt das Spiel auch auf einer Metaebene funktioniert. Noch.<br><br><span style="font-weight: bold;">Gibt es keinen Grund zu töten, töte trotzdem</span><br>Travis und damit der Spieler, der ihn steuert, tut damit ungebeten und ohne zu hinterfragen, was tausende gemeinhin in Egoshootern tun. Ballern, bis kein Gras mehr wächst. Travis benutzt an Stelle einer Schusswaffe sein Beam-Katana, dies bleibt aber strukturell ein zu geringer Unterschied. Die Köpfe hinter dem Spiel haben damit aber den Spieler bereits beim Schopf gepackt. Travis erfährt nach dem ersten Auftrag nämlich so ganz nebenbei von seiner Angebeteten Sylvia Cristel (schon wieder: Was für ein Name….!), dass er eben auf Rang 11 der besten Assassinen der Welt aufgestiegen sei. Nicht nur wollen fortan die hinter ihm liegenden im Auge behalten sein, auch die vor ihm liegenden bieten verständlicherweise eine besondere Herausforderung. Der Inhaber von Rang 10 steht daher schon bald als erster Bossgegner bereit.<br><br>Die Nummer 1 strebt Travis danach an, um endlich bei Sylvia im vagesten Sinn landen zu können…. Dumm nur, dass Nummer 9 bis 1 alles ziemlich abgefeimte Burschen und Mädels sind, die eine bestimmte Taktik erfordern. Diese Bossgegnerkämpfe stehen dem armen Travis zudem nur gegen Bares offen. Geld liegt nun einmal auch in Santa Destroy, wo die Story spielt, nicht auf der Strasse.<br><br style="font-weight: bold;"><span style="font-weight: bold;">Triste Strassen, monotone Aufgaben</span><br>Damit beginnt der von den Entwicklern scheinbar mit Absicht implementierte dröge Teil des Gameplays. Als wären Quicktimeevents mit den beiden Sticks als&nbsp; Auslöser für die Finishingmoves bei den Kämpfen nicht schon mühsam genug, wird man jetzt bewusst immer länger hingehalten. Das ist ziemlich dreist, wird man doch beim Flaggen schwenken am Meer oder dem Ernten von Kokosnüssen als alter Hase ziemlich genervt. Die schreckliche Steuerung von Travis‘ futuristischem Motorrad macht die Anfahrt zu den Auftraggebern auch nicht angenehmer. Unweigerlich rammt man bis dahin einige wehrlose Fussgänger von der Strasse oder kollidiert mit einem Auto. <br><br>Die dabei zwischenzeitlich erklingenden Sounds und die Einteilung und Gestaltung des Huds erinnert an selige Zeiten in der weiteren Gamevergangenheit. So richtig schön nostalgisch muten sie dennoch nie an. Das verquere Design deprimiert eher, weil es an sagenhaft schlechten Geschmack gemahnt, der auch bei der geäusserten Absicht nicht besser wird.<br><br><span style="font-weight: bold;">Die Move-Kugel ist kein Katana</span><br>Als wäre die Tatsache nicht von vorneherein klar gewesen, setzen die Entwickler die Move-Steuerung gar nicht erst als Schwertersatz ein. Fitnessmuffel und Leute mit kleinem Wohnzimmer werden es gerne hören. Statt die Schwünge und Schnitte weit ausholend vorzunehmen, hält der Spieler die Steuerungseinheit nur entsprechend dem gewünschten Angriff in Position. Die verbesserte Tiefenerkennung von Move gegenüber der Wii wird nicht für neue Ideen genutzt. Das Ganze bleibt daher eher bescheiden, hier durfte man sich von den Möglichkeiten einer neueren Technik mehr erhoffen.<br><br><span style="font-weight: bold;">Fazit: Lieben oder hassen</span><br>Chili ist scharf, Zucker süss, „No more Heroes“, naja, eben sehr gewalthaltige und äusserst schräg aufgemachte Unterhaltung für eine relativ kleine Zielgruppe. Wer die zahlreichen Anspielungen und Referenzen weder geniessen kann, noch darüber schmunzelt, muss bestimmt nicht zum Psychiater und sich auch kein neues Hobby suchen. Das Polarisierende ist allen Suda51-Titeln eigen. Bei „Heroes‘ Paradise“ gesellt sich aber ein erschwerender Faktor dazu: Wer das Original oder seinen Nachfolger bereits auf der Wii gespielt hat braucht es nicht und PS3-Besitzer erhalten wenig Gründe. Zu altbacken wirkt die Technik auch abseits der Grafik, zu uninspiriert gestaltet sich das Gameplay abseits der packenden Bosskämpfe.<br><br>Die etwas hübscheren Zwischensequezen und die Möglichkeit den Titel mit der Movesteuerung zu spielen reichen einfach nicht aus. „Heroes‘ Paradise“ bleibt in jedem Fall ein Nischenprodukt für Eingefleischte. Alle anderen verpassen rein gar nichts. Immerhin, als Hommage kann der Titel einigermassen funktionieren, für die Parodie fehlt es an Durchschlagskraft, die nicht allein auf schiere Gewalt setzt.<br><br>Positiv aufgefallen:<br>- Teils wirklich „kranke“ Designideen (Speichern auf dem Klo)<br>- Ziemlich stylisch aufgemacht<br>- Bosskämpfe sind fordernd und zwingen zu Variationen<br>- Steuerung mit dem Move-Controller möglich<br>- Die liebevolle Beziehung von Travis zu seiner Katze<br><br>Negativ aufgefallen:<br>- Komisch eingepasste Retroelemente aus der 8-Bit-Ära<br>- Gewaltgrad stört mit der Zeit<br>- Nichts los in der Open World von Santa Destroy<br>- Wenig Motivation abseits der Bossgegner vorhanden<br>- Dröge Missionen zur Geldbeschaffung<br>- Klongegner wohin das Auge blickt.<br>- Schreckliche Motorradsteuerung<br><br><span style="font-weight: bold;">Spielspass 5.5 von 10 Punkten</span><br><br style="font-style: italic;"><span style="font-style: italic;">Freigegeben ab 18 Jahren</span><br style="font-style: italic;"><span style="font-style: italic;">Erhältlich für Playstation 3</span>

Stichwörter: Game-Review

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