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Gametipp

Wenn Menschen von einer Sekte terrorisiert werden

«Far Cry 5» ist in seinem Grundgerüst ein ganz simples Actionspiel ohne revolutionäre Neuerungen. Der fünfte Teil fällt aber vor allem durch seine intensive Geschichte und die grosse Portion Sozialkritik auf.

Wer nicht glaubt, muss dran glauben, Bilder: zvg
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Simon Dick

Der selbsternannte Prophet und Heilsbringer Joseph Seed weiss, wie man die Masse blendet. In einem abgelegenen Bergtal im amerikanischen Bundesstaat Montana hat er zusammen mit seinen zwei Brüdern und seiner Halbschwester eine Endzeit-Sekte gegründet. Auf einer riesigen Landfläche herrscht dieser durchgeknallte Typ mit Hipster-Bürzi wie ein Diktator. Natürlich wollen das seine Schäfchen nicht einsehen. Blind vor Nächstenliebe folgen sie ihm brav. Wer nicht mitzieht, wird einer Gehirnwäsche unterzogen oder einfach schon jetzt ins Jenseits befördert. Willkommen in Hope County.

Die Polizei versagt
Dass dieser neumodische Jesus eine Bedrohung ist und immer wie gefährlicher wird, ist natürlich auch den örtlichen Gesetzeshütern aufgefallen. Doch eine erste Verhaftungsaktion geht gründlich in die Hose. Der Guru darf weiter wüten, während ein Mitglied des Sondereinsatzkommandos überlebt. Hier beginnt das eigentliche Spiel und das Ziel ist klar: Die Sekten-Familie muss weg. Doch bis man alle Territorien befreit, einen Widerstand aufgebaut und ein Familienmitglied nach dem anderen zur Rechenschaft gezogen hat, ist es noch ein langer Weg.

Die Familie hält zusammen
Das Spielprinzip der «Far Cry»-Reihe ist immer dasselbe. Auch bei diesem jüngsten Ableger hat sich nichts verändert. Ein riesiges Territorium muss Meter für Meter zurückerobert und ein illustrer Bösewicht an der Spitze erledigt werden. Bis man dem Oberschurken aber die Leviten lesen darf, muss man Punkte sammeln, Hauptmissionen erledigen und zuerst die einzelnen Brüder und die Halbschwester beiseiteschaffen. Auf dem Weg zu diesem Ziel sammelt man ganz viele Gegenstände, rüstet sich optimal aus, spricht mit Figuren in der grossen, offenen Welt und bewaffnet sich bis an die Zähne. Nichts Neues im «Far Cry»-Universum. Aber die krude Hintergrundgeschichte mit dem gruseligen Unterton fesselt.

Die Suche nach Punkten
Wie der Spieler, die Spielerin die Familie stürzen möchte, hat er oder sie selber in der Hand. Es gibt viele Möglichkeiten, um an das Spielende zu gelangen. Um die benötigten Punkte zu ergattern, kann man sich an den Hauptmissionen orientieren oder sich mit den unzähligen Nebenmissionen beschäftigen. Egal ob man ein kleines Dorf befreit, einen Schrein der Sekte bodigt oder Hilfestellung bei der gebeutelten Bevölkerung leistet, alle Punkte werden brav in einem Topf gesammelt. Der Spieler, die Spielerin kann frei wählen, wie er oder sie ans Ziel gelangen möchte.

Der Anfang schreibt Geschichte
Jenseits dieser offenen Spielmechanik, die einlädt eine üppige Welt zu entdecken, sorgt vor allem die erzählte Geschichte für einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Auch wenn malerische Landschaften und die raue Natur verzücken mögen, es herrscht eine gruselige Stimmung in diesem Bergtal. Die Bedrohung der Endzeit-Sekte ist allgegenwärtig spürbar. Die Menschen haben entweder panische Angst oder machen Jagd auf Nichtgläubige. Andersdenkende werden sofort eliminiert. Vor allem das sehr intensive Intro wiedergibt die dichte Atmosphäre perfekt und wird dadurch zu einem der eindrücklichsten Spielanfängen in der Videospielgeschichte.

Alle Bedürfnisse werden befriedigt
Fazit: «Far Cry 5» sieht nicht nur wahnsinnig gut aus, es spielt sich auch wahnsinnig gut. Höhepunkt ist aber zweifellos die erzählte Geschichte voller Sozialkritik, von der man sich nicht mehr losreissen will. Aber auch abseits der beängstigenden Story gibt es wieder sehr viel zu tun und zu erleben. Egal ob man interaktiv erzählte Geschichten mag, sich in einer offenen, riesigen Welt austoben möchte oder einfach nur einen simplen Actiontitel für Erwachsene sucht, der jüngste Ableger der Reihe befriedigt problemlos alle Bedürfnisse.

«Far Cry 5» ist erhältlich für Playstation 4, Xbox One und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.


 

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