Sie sind hier

E-Sport

Spielend Geld verdienen

Sie schwitzen und haben gerötete Augen. E-Sportler sitzen stundenlang vor dem Bildschirm und kämpfen virtuell um Ruhm und Ehre. Auch ein Bieler nimmt regelmässig an Wettkämpfen teil.

Ein E-Sportler spielt digitalen Fussball an einem Turnier und kapselt sich mit einem grossen Kopfhörer von der realen Welt ab, um zu gewinnen, Bild: Keystone

Simon Dick

Mit schnellen, flinken Bewegungen huschen die Finger über die Tastatur. Mit riesigen Kopfhörern kapselt man sich von der Umwelt ab. Die Pupillen schnellen hin und her. Die Körperhaltung ist starr. Was nach passiver Konsumation aussieht, ist E-Sport, ein Höchstleistungssport der etwas anderen Art.

Das «E» steht für «elektronisch». Als E-Sport wird das wettkampforientierte Spielen auf einem Computer oder an einer Videospielkonsole bezeichnet. Dies geschieht, wenn sich mindestens zwei Personen direkt miteinander messen. «Es geht um das elektronische Kräftemessen, wo der Wettkampfgeist im Vordergrund steht», sagt der erfahrene Bieler E-Sportler Michel Grütter.

Ausdauer und Regeln
Genau wie ein richtiger Sportler muss der E-Sportler über Disziplin, Teamgeist, schnelle Reaktion und Konzentrationsfähigkeit verfügen. Auch wenn keine direkte physische Anstrengung erkennbar ist, sind Ausdauer und körperliche Fitness äusserst wichtig, um sich an einem Turnier gegen andere Mitspieler zu behaupten.

Es wird nicht einfach drauflos gespielt. Es bestehen bestimmte Regeln: So wird zuerst eine Disziplin gewählt, sprich ein Spieltitel ausgesucht, wo sich die Spieler in einem vorbestimmten Modus bekämpften. Der Modus legt fest, in welcher Art ein Spieltitel gespielt wird und welche speziellen Regeln zu beachten sind.

Intensive Emotionen
Am meisten duellieren sich E-Sportler in Strategiespielen wie zum Beispiel «StarCraft 2». Aber auch Action- und Sportspiele werden oft als Disziplin gewählt. Der Bieler Michel Grütter favorisiert klar die Sportversoftungen. Aktuell hat es ihm der Basketballtitel «NBA 2K13» angetan: «Nur herumballern ist nicht faszinierend. Bei Sportspielen ist die Identifikation mit der Mannschaft viel höher. Die Emotionen sind viel intensiver», sagt der 33-jährige E-Sportler, der Mitglied in der Bieler Xbox 360-Liga ist und regelmässig an Turnieren teilnimmt.

Ein E-Sportler kann alleine antreten, doch in der Regel tritt man in einen Clan ein, eine Gruppierung von mehreren, meist männlichen Spielern, die gemeinsam um Titel kämpfen. Viele Clans sind in Vereinen organisiert. Wie bei jeder Sportart findet das Training sowohl alleine als auch in Gruppen statt.

Anfänge in den 90er-Jahren
Der elektronische Sport entstand Ende der 90er-Jahre, als die ersten Turniere durchgeführt wurden. Damals wurde hauptsächlich über lokale Netze an sogenannten LAN-Partys gespielt. Mit der wachsenden Anzahl von multiplayerfähigen Titeln und auch der Verbreitung von Internet-Anschlüssen wuchs die Zahl der Turnierteilnehmer.

Hohe Preisgelder
In den grossen E-Sport-Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Südkorea gibt es bereits viele professionelle Spieler, die damit ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Jährlich werden an Events in diesen Ländern um Preisgelder in der Höhe von mehreren Millionen Schweizer Franken gespielt. Zusätzlich gibt es für den Gewinner lukrative Sponsoringverträge und Prestigegewinn. In den Ländern, wo E-Sport floriert, erlangen die Gewinner den Status eines Popstars und werden von weiblichen Fans belagert.

Entwicklungsland Schweiz
In der Schweiz ist man von solchen Zuständen noch sehr weit entfernt. «Der Stellenwert des E-Sports ist in der Schweiz im Vergleich zu traditionellen Sportarten wie Fussball oder Eishockey verschwindend gering», sagt Vinzenz Kögler, Präsident des Schweizerischen E-Sport-Verbands. «Es ist der Gesellschaft gar nicht bewusst, dass es für Videospiele überhaupt einen professionellen Wettkampf gibt», sagt er weiter. In der Schweiz sind die lokalen LAN-Partys immer noch die wichtigsten Veranstaltungen, wo sowohl Sachpreise als auch kleines Geld locken. Davon leben kann jedoch keiner.

Im E-Sport existiert eine Veranstaltung, die mit den Olympischen Spielen verglichen werden kann: Die «World Cyber Games». An den Wettbewerben nehmen vor allem Spieler teil, die vom E-Sport leben und dafür hart trainieren. Einer der bekanntesten ist der 32-jährige Amerikaner Jonathan Wendel, dessen Spielname «Fatal1ty» sogar auf Soundkarten und Kopfhörer gebrannt wird.

Doping beim E-Sport?
Aktuell existiert kein Doping-Problem. Betrugsfälle gibt es nur im Bereich der illegalen Software, wenn sich E-Sportler durch Software-Tools einen Vorteil verschaffen wollen. Kögler ist aber überzeugt: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich E-Sportler mit leistungssteigenden Substanzen einen Vorteil verschaffen wollen, wenn das hohe Preisgeld lockt.»

Nachrichten zu Digital »