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Gametipp

«Metal Gear Survive»: Ohne Seele aber mit viel Inhalt

Der jüngste Streich aus dem «Metal Gear»-Universum muss ohne seinen Schöpfer Hideo Kojima auskommen. Auch wenn der berühmte japanische Spielentwickler längst von dannen zog, darf man sich diesem Survival-Spiel dennoch hingeben. Sofern man beide Augen zudrückt.

Der Überlebenskampf in einer Parallelwelt hat begonnen, Bild: zvg
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Simon Dick

Als sich Hideo Kojima und Spielehersteller Konami getrennt haben, war dies eine Zäsur in der Videospielgeschichte. Ein gewaltiges Erdbeben erschütterte die Szene. Auch wenn Kojima für die erfolgreiche Marke «Metal Gear» verantwortlich war, die Rechte dazu durfte er nicht behalten. Beide Parteien stritten sich, es gab viele Gerüchte und über die genauen Vorgehensweisen wurde ein Stillschweigen vereinbart.

Weltweite Enttäuschung
Dass Kojima die Firma verlassen musste, hatte auch Auswirkungen auf das geplante Horror-Spiel «Silent Hills». Kurz: Es wurde eingestellt. Weltweite Enttäuschung unter den Fans machte sich breit. Ein ambitionierter Titel wurde Teil der Videospielgeschichte. Während der japanische Star-Entwickler derzeit am Mammut-Projekt «Death Stranding» arbeitet, versucht Konami aus der Marke «Metal Gear» ein neues Spiel herauszusaugen und es auf dem Markt lukrativ zu verkaufen.

Überleben in einer Parallelwelt
«Metal Gear Survive» knüpft am letzten Ableger an, erzählt aber eine eigenständige, losgelöste Geschichte, auch wenn das Spiel immer wieder einen Bezug zu den früheren Meisterwerken nimmt: Ein Soldat wird in eine Parallelwelt geschickt, um dort mit verschollenen Mitgliedern einer Regierungstruppe Kontakt aufzunehmen und zusätzlich ein exotisches Mineral einzusammeln, das die Energiekrise auf unserer Erde lösen könnte. Natürlich gibt es im Hintergrund eine Verschwörung, niemand sagt die Wahrheit und so richtig trauen will man keiner Figur in diesem Spiel.

Regelmässig essen und trinken
In der neuen Welt angekommen, muss man sich zuerst orientieren. Auch wenn es menschliche als auch digitale Helfer gibt, die durch die düsteren Areale führen, höchste Konzentration ist wichtig. Wer nicht regelmässig isst und trinkt, wird schnell mal umkippen. Die Jagd nach Nahrung, das Herstellen von Waffen und das sich Aneignen von anderen überlebenswichtigen Tätigkeiten stehen an der Tagesordnung. Das Camp muss gegen zombieartige Wesen verteidigt werden, Kartoffel wollen angepflanzt und Menschen gerettet werden. Das hört sich stressig an, bietet aber beste Survival-Spielekost.

Fans der Franchise sind enttäuscht
Das neue «Metal Gear Survive» ist ein Paradebeispiel dafür, dass Videospiele einer bekannten Marke ohne geistige Führung eines Design- und Entwickler-Genies, so gar nicht funktionieren wollen, wie man sich das als Freund der Franchise wünscht. Auch wenn die Optik und bestimmte Inhalte von den Vorgängern übernommen wurden, auch wenn das Gesehene, das Spielbare teilweise an die bekannte Reihe erinnert, wenn die Seele nicht mehr vorhanden ist, nützt auch der grösste Schaubudenzauber nichts.

Der Geist ist allgegenwärtig
Dabei ist das Spiel überhaupt kein schlechtes Spiel geworden. Die düstere Optik einer mysteriösen Parallelwelt gefällt, die vielen, vielen Möglichkeiten zu interagieren funktionieren, auch wenn sie den Spieler, die Spielerin zu Beginn fast erschlagen und man sich eine genauere Führung wünscht. Und trotzdem spukt da immer im Hinterkopf dieses Kojima-Gespenst herum. Man kann tun und lassen was man möchte, immer wieder fragt man sich, wie hätte dieses und jenes ausgesehen, wenn dieser Entwickler selber seine Finger im Spiel gehabt hätte. Dieses ständige Sinnieren ist eigentlich schade, denn es reisst regelmässig aus dem Sog. Ein Eintauchen, ein blindes Geniessen ist nicht möglich. Der Geist scheint allgegenwärtig zu sein.

Einfach akzeptieren
Fazit: Man muss «Metal Gear Survive» als das akzeptieren, was es halt ist. Ein Spiel mit ganz viel Inhalt für Freundinnen und Freunde der interaktiven Überlebenskunst, aber ohne die unverkennbare Seele des Serien-Schöpfers.

«Metal Gear Survive» ist erhältlich für Playstation 4 und Xbox One. Freigegeben ab 16 Jahren.


 

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