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Weshalb schwangere Frauen nicht überkippen

"Besonders nachdenklich stimmt die Meldung, dass wir Schweizer und Schweizerinnen ab 2060 nun doch nicht aussterben müssen."

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NIKLAUS BASCHUNG

Welche Windel saugt am meisten Flüssigkeit? Welche Zahnpasta erzeugt weissere Zähne? Welches Vitaminpräparat verlängert das Leben? Welches Auto macht dich wirklich frei? Solche Wirkungen sind meist gar nicht nachzuprüfen. In der Fernsehwerbung tritt deshalb zuweilen dieser weiss gewandete, auf seriös gestylte Doktor auf, zeigt bedeutungsschwer auf die Kurvenlinie und beteuert dazu treuherzig: «Unsere Untersuchungen haben die Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig bewiesen.» Wahrscheinlich ist er aus wissenschaftlichen Gründen monatelang in vollen Windeln herumspaziert, ohne dass diese ausgelaufen sind. Deshalb besitzt er nun diesen etwas wässrigen, nach innen gerichteten Blick.

Das Wort «wissenschaftlich» soll Vertrauen wecken. Dabei macht dieses Wort erst recht misstrauisch. Jedes Jahr im Oktober werden an der Harvard Universität (USA) wissenschaftliche Arbeiten mit einem AntiNobelpreis ausgezeichnet, die sich als besonders unnütz herausgestellt haben. 2009 ging der Preis im Fach «Tiermedizin» nach Grossbritannien für den Nachweis, dass Kühe mit individuellen Namen im Schnitt jährlich um 250 Liter mehr Milch liefern als Kühe ohne Namen. Die Universität Bern gewann im Bereich «Friedensforschung»: für die experimentelle Untersuchung der Frage, ob es besser ist eine volle oder eine leere Bierflasche auf dem Kopf zertrümmert zu bekommen. Das erstaunliche Ergebnis: Ein Schädeltrauma bekommt man in beiden Fällen, weniger schwerwiegend für die Gesundheit ist aber die volle Flasche, da diese früher bricht. In der Physik wiederum gewann ein US-Forschungsteam für die rechnerische Begründung, weshalb schwangere Frauen nicht nach vorne überkippen. Ebenso an die USA ging der Medizinpreis: für die Untersuchung, ob tägliches Fingerknacken über 50 Jahre hinweg Arthritis in der Hand verursacht. Der Wissenschaftler knackte dazu 50 Jahre lang regelmässig mit den Fingern seiner linken, nicht aber seiner rechten Hand. Arthritis bekam er in beiden Händen – nicht.

Wissenschaft, Halbwissen, Unwissen und Aberglaube gehen oft fruchtbare Partnerschaften ein. Davon blieb auch meine Grossmutter nicht verschont, die uns Kinder eindringlich ermahnte, doch im Sommer möglichst wenig zu trinken, weil wir sonst noch viel mehr schwitzen müssten. Ein ungesunder Ratschlag, wie wir heute wissen (oder zu wissen glauben). Überhaupt scheinen viele, früher noch krankmachende, Flüssigkeiten in der Gegenwart die gegenteilige Wirkung zu erlangen. Rotwein beugt heute dem Herzinfarkt vor und Kaffee ist plötzlich ein Allerheilmittel, gibt neue Energie, verbessert das Gedächtnis, schützt vor Diabetes, schwächt Parkinson ab, verringert Gallensteinrisiko, schützt gegen Hautkrebs etc.

Doch solch gesichertes Wissen löst sich plötzlich wieder in Nichts auf. Besonders nachdenklich stimmt hier die Meldung, dass wir Schweizer und Schweizerinnen ab 2060 nun doch nicht aussterben müssen. Diese Jahreszahl hatten wissenschaftliche Studien hochgerechnet und nachgewiesen, dass die männliche Fruchtbarkeit aufgrund der stetig sinkenden Anzahl und Qualität der Spermien 2060 den absoluten Nullpunkt erreicht. Auch der Schweizer Bundesrat unterstützte im Jahr 2000 ein Nationales Forschungsprogramm, welches in einem Teilprojekt den Einfluss der Umwelt auf die Spermienqualität untersuchte. Aus Umweltgründen schmolzen nun nicht nur die Schweizer Gletscher weg, sondern auch die Schweizer selber. Jetzt behaupten aber andere Wissenschafter: diese sinkende Fruchtbarkeit sei nur ein Statistikfehler gewesen. Was erfrechen die sich eigentlich? Solchen Wissenschaftlern glaube ich überhaupt nichts mehr. Ich habe schon immer gesagt: Alles liegt an den engen Jeans und den langen Haaren, die wir damals als Jugendliche trugen. Das ist eindeutig erwiesen – sowohl wissenschaftlich wie überhaupt.

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