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Urban Farming

Eier von eigenen Hühnern schmecken definitiv besser.

Bild: BT/a
NADJA SCHNETZLER

Für einen grossen Nahrungsmittelhersteller haben wir vor einigen Wochen ein Konferenz zum Thema «Zukunft» durchgeführt. Um den Damen und Herren, die vorwiegend in Büros arbeiten und den Bezug zu der Herkunft ihrer Produkte teilweise verloren haben, zu zeigen, wo ihre Produkte eigentlich herkommen, hatten wir unter anderem Hühner und Kühe im Innenhof der Ideenfabrik. Sie wurden nicht nur betrachtet, sondern auch wirklich angefasst, ja die Hühner sogar aufgehoben und gestreichelt. Ein Bauernhof aus Pieterlen hatte uns die Tiere zur Verfügung gestellt und den ganzen Tag über betreut.

Meine Kinder waren so begeistert von den Tieren, dass sie sich umgehend eigene Hühner wünschten. Hühner, in der Stadt! Kann das gutgehen?

Wir erkundigten uns auf einem Bauernhof, und der Bauer versicherte uns, Hühner in der Stadt zu halten sei kein Problem, im Gegenteil. Und so machten wir uns mit dem Zug auf den Weg zum Bauernhof und holten drei Hühner ab, die wir wiederum im Zug (und in einem Katzenkorb) nach Biel transportierten. Kaum waren die Hühner bei uns im Garten angekommen, tauchte auch schon der Marder im Garten auf und schaute sich genaustens um.

Nun sind die Hühner, Namens Vi-Ei-Pi, Fedd-Eggs und Arkoshka, schon 3 Wochen bei uns, wohnen im Gartenhäuschen und bekommen demnächst einen grosszügigen Auslauf im Garten. Sie legen erstaunlich viele Eier und sind ingesamt sehr genügsame und lustige Tiere.

Was wir hier machen, läuft unter dem Stichwort «Urban Farming». Selbstversorgung in der Stadt, nicht nur mit den guten alten Schrebergärten, sondern eben auch Tierhaltung und Gemüseanbau im grossen Stil werden in Städten immer mehr gepflegt. Auf der ganzen Welt gibt es Organisationen, die sich der Anhänger des Urban Farming angenommen haben und Schulungen in der Haltung von Hühnern, der Kultivierung eines guten Komposts oder Gemüseanbau anbieten.

US-First Lady Michelle Obama geht in den USA als Vorbild voran und lässt im Garten des Weissen Hauses Biogemüse anbauen, und zahlreiche Universitäten befassen sich mit der Frage, wie in Zukunft in Städten Landwirtschaft betrieben werden kann: Vertical Farming ist eines der Beispiele, die diskutiert werden: Gewächshäuser in Hochhausstrukturen sind keine Science -Fiction-Spinnerei, sondern konkrete Projekte, die bereits als Pilotprojekte, zum Beispiel in England, laufen.

Ein Nebengeleis des Urban Farming ist das Guerilla Gardening. Verschiedene Organisationen in Städten propagieren das spontane Bepflanzen von grauen Betonflächen über Nacht und geben Anleitungen, wie man sogenannte SamenBomben, baut, mit denen man zum Beispiel in Mauern und Wänden Pflanzen zum Wachsen bringen kann.

Natürlich sind diese angeblich neuen Trends gar nicht so neu. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Städter immer Selbstversorgung betrieben. Was heute neu ist, ist die Motivation und die Philosophie hinter dem Urban Farming. Man möchte sich abgrenzen von den globalisierten Firmen, von Produkten, die weit transportiert werden müssen, von Zusatzstoffen und unfairen Arbeitsbedingungen, von der Intransparenz der Herstellung.

Und dazu kann ich nur sagen: Eier von eigenen Hühnern schmecken definitiv besser.

INFO: Nadja Schnetzler ist Mitbegründerin der Bieler Ideen-Fabrik Brainstore Ltd. und BT-Kolumnistin.
Stichwörter: Kolumne

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