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Biel

Taxi-Konzessionen: Hürden werden höher

Künftig werden Taxifahrer eine strengere Prüfung absolvieren müssen. Ziel der neuen Taxiverordnung ist, eine bessere Qualität zu garantieren. Ein Problem bleibt allerdings: In Biel gibt es zu viele Fahrer.

Zu viele Taxi-Konzessionen in Biel: Bild: Daniel Teuscher

(LT) Zu Beginn der 90er Jahre, vor der Liberalisierung des Taxigewerbes, war auch André Glauser Chauffeur. «Rund 50 Konzessionen gab es damals, mehr wurden nicht ausgestellt», sagt der heutige Sicherheitsdelegierte der Stadt Biel. Vorteil für die Taxifahrer: Wer eine der begehrten Lizenzen ergatterte, verdiente anständig.


Nachteil für die Kunden: Die Konzessionen gehörten erst einem Duopol, das sich später zu einem Monopol zusammenschloss. Mangels Konkurrenz wurden die Kunden nicht immer wie Gäste behandelt und mussten oft lange auf die teure Taxifahrt warten.
Dann wurde das Taxigewerbe liberalisiert, seither sind gut 80 Konzessionen im Umlauf – bei etwa gleich vielen Kunden. «So gesehen war die Liberalisierung negativ, dies habe ich am eigenen Leib erfahren», sagt Glauser. Erfahren hat dies auch Reto Müller, der kurz nach der Liberalisierung sein eigenes Unternehmen Joker Taxi gründete: «Die guten Jahre sind vorbei. Wir müssen um die Kundschaft buhlen.»


Dies ist mit ein Grund, weshalb sich etablierte Taxifahrer über Konkurrenten ärgern, die ihrer Meinung nach nicht in dieses Gewerbe gehören. Zwar müssen Taxifahrer in Biel Deutsch und Französisch sprechen, was aber nicht streng genug geprüft werde, so Müller: «Ohne jemandem zu nahe zu treten: Es gibt Fahrer, die sprechen weder Deutsch noch Französisch.» Dies führe zu Aussagen wie «Wo du wollen?» oder «Du sagen, ich fahren.» Damit wird ein weiterer Vorwurf angetönt: Manche Fahrer, so heisst es, hätten kaum Ortskenntnisse.


Zwar prüft die Gewerbepolizei Orts- und Sprachkenntnisse sowie Leumund. Von Seiten der Gewerbepolizei heisst es allerdings, dass möglicherweise während der Fusion zwischen Stadt- und Kantonspolizei aus Zeitmangel ein paar Konzessionäre zu wenig streng geprüft worden seien.

Möglich ist aber auch, dass die kantonale Taxiverordnung bislang zu wenig streng war. Dies soll sich ändern, wenn die revidierte Verordnung im Juni in Kraft tritt.

Ortskenntnisse werden aufgrund dieser Verordnung bereits heute nicht mehr wie früher nur in der Theorie geprüft, sondern auch in der Praxis. Zudem müssen sich die Fahrer nicht allein in Biel, sondern auch in der Region auskennen. Sprachkenntnisse werden strenger geprüft, die Bestimmungen sind ähnlich wie bei der Einbürgerungsverordnung. Und schliesslich ist jetzt im Reglement erklärt, was einen guten Leumund ausschliesst.


Der Sicherheitsverantwortliche Glauser begrüsst die strengere Verordnung. Ein Problem löst sie allerdings nicht: dass in Biel, wie auch in Bern und Thun, viel zu viele Konzessionen im Umlauf sind. Es gebe häufig Wechsel, weil die Fahrer finanziell nicht überleben könnten, sagt Glauser: «Andere legen sich ein zweites berufliches Standbein zu, was zu Problemen mit der Ruhezeit führen kann.»
Um ein Einmann-Taxiunternehmen zu gründen, investieren Konzessionäre manchmal ihr Pensionsguthaben. «Geraten diese Fahrer in die Insolvenz, ist dies eine Katastrophe», so Glauser. Denn auch die Altersvorsorge ist dann weg.

Andere legen die Preise nach Belieben fest, wie Müller beobachtet: Ein Frau habe einen Fahrer nach dem Preis für die Fahrt vom Bahnhofplatz zur Diamantstrasse gefragt. Dieser verlangte 35 Franken; dieselbe Strecke kostet bei Joker-Taxi und anderen Unternehmen rund zehn Franken. «Der gleiche Fahrer fordert für den Kurs Biel–Schüpfen 50 Franken», sagt Müller. Seine Fahrer müssen für diese Strecke 75 bis 80 Franken verlangen. Das sorgt für Ärger. Kunden, die eine Strecke zu einem Dumpingpreis gefahren sind, protestieren, wenn Joker-Taxi einen kostendeckenden Preis verlangt. Allein in Infrastrukturen wie Taxizentrale und Fuhrpark investiert Joker-Taxi monatlich 12 000 bis 13 000 Franken. «Einzelfahrer geben oft viel weniger aus, was dazu führen kann, dass ihr Auto riecht», so Müller.

Reza Bahreman, Geschäftsführer von Centro Taxi, nennt noch eine weitere Kategorie von Konkurrenten, die ihn ärgern: Über 70-jährige Rentner, die sich während Stosszeiten ein Stück vom Kuchen abschneiden. Illegal ist dies nicht, Senioren müssen sich lediglich alle zwei Jahre beim Arzt auf ihre Fahrtauglichkeit testen lassen.

Dass Chauffeure die Preise «Handgelenk mal Pi» kalkulieren, gibt es auch bei Centro Taxi nicht: Preise, Strecken und andere Daten werden dokumentiert und zwei Jahre lang archiviert. «Wegen der Zentrale ist unser Betrieb zwar etwas teurer. Aber dank dem Vertrauen der Kunden sind die Fahrer ausgelastet», sagt Bahreman. Mehr Vertrauen und ein höheres Prestige wünscht sich auch Taxiunternehmer Müller: «Taxifahrer war einmal ein ehrenwerter Beruf und sollte es auch heute noch sein.»
Gut möglich, dass die strengere Taxiverordnung zu einem besseren Ruf führt. Offen bleibt allerdings, ob dadurch weniger Lizenzen vergeben werden.

 

 

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