Sie sind hier

Prozess

Staatsanwaltschaft fordert 44 Monate Haft für falschen Bieler Zahnarzt

Im Prozess gegen den Zahntechniker, der in Biel ohne Bewilligung als Zahnarzt gearbeitet haben soll, haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung ganz unterschiedliche Strafmasse gefordert.

Symbolbild: Keystone
  • Audio

Die Staatsanwaltschaft hat heute Mittwoch vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland gefordert, den Zahntechniker, der in Biel über Jahre hinweg ohne Bewilligung als Zahnarzt gearbeitet haben soll, zu 44 Monaten Haft zu verurteilen. Dies wegen mehrfacher eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung, wegen mehrfacher direktvorsätzlicher leichter Körperverletzung und wegen Betrugs. Die Anklage fordert zudem 140 Tagessätze Geldstrafe, eine Busse von 5000 Franken sowie ein Berufsverbot für den Beschuldigten.

Staatsanwältin Barbara Henauer äusserte in ihrem Parteivortrag Ungläubigkeit darüber, dass der Beschuldigte über viele Jahre hinweg im Mund von Patienten gearbeitet habe, obwohl er, so die Staatsanwältin, doch genau gewusst habe, dass er dies nicht dürfe. Schliesslich wurde er vom Kantonsarztamt bereits im Jahr 2006 darauf aufmerksam gemacht, dass er nicht dazu befugt sei, zahnmedizinische Behandlungen vorzunehmen (das BT berichtete). Der Zahntechniker habe diese aber auch nicht eingestellt, als bereits eine Strafuntersuchung eröffnet worden sei, so Henauer.

Ganz anders sah das Verteidiger Urs Wüthrich. Er forderte in fast allen Punkten einen Freispruch. Einzig wegen Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz sei sein Mandant schuldig zu sprechen. Der Beschuldigte gab zu, illegal Medikamente an die Patienten abgegeben zu haben. Deshalb forderte der Verteidiger eine bedingte Geldstrafe zu Tagessätzen, auf dessen Anzahl er sich nicht festlegen wollte. Wüthrich betonte, dass sein Mandant die meisten Arbeiten im Mund der Patienten nicht selber durchgeführt habe. Und wenn doch, hätten die Patienten gewusst, dass er Zahntechniker und nicht Zahnarzt sei. Sie hätten also ihre Einwilligung gegeben, sich von einer nicht qualifizierten Person behandeln zu lassen.

Gerichtspräsident Markus Gross wird das Urteil am 24. März eröffnen. lsg

Alle Details und Hintergründe zum heutigen Verhandlungstag lesen Sie am Donnerstag im Bieler Tagblatt oder bereits ab Mitternacht in unserem E-Paper.
 

Kommentare

Biennensis

@Georges, langer Rede kurzer Sinn: Nicht nur Gottes Mühlen mahlen langsam, sondern des öfteren auch in der Justiz. Wieviel "Gerechtigkeit" dabei herauskommt weiss keiner...


Biennensis

@Georges, ein Richter (Lehnübersetzung aus lat. rector "Leiter," "Führer" ist der Inhaber eines öffentliches Amtes bei einem Gericht, der Aufgaben der Judikativen der Judikatur (Rechtsprechung) wahrnimmt. Gerechtigkeit in der Rechtsprechung: Recht und Gerechtigkeit sind nicht das Gleiche, aber das eine ist ohne das andere nicht denkbar; und Gesetze, die ungerecht sind, darf es in einem Rechtsstaat nicht geben. Kommt dazu, dass auch die Richter vor Fehlern oder gegen etwas anderes nicht gänzlich gefeit sind.


Georges

Es ist empörend, dass ein Zahnarzt zumindest seit 2006 unerlaubt im Mund von Patienten herumgefummelt hat. Einfach so! Und erst heute 2016, neuen Jahre später!!! steht dieser Zahnarzt vor Gericht. In welcher Gesellschaft leben wir? Was haben wir für eine Justiz? Was haben wir für Behörden und Kontrollinstanzen? Wer kontrolliert wenn, wann, wie, wenn überhaupt? Alle schlafen und das erste was sie interessiert, ist ein gutes Bier am Tagesende! Ob sie ihre Arbeit gemacht haben, interessiert keinen. Wichtig ist, dass die Kasse stimmt. Mamma mia!


Nachrichten zu Biel »