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Seit über einem Jahr arbeiten die Behörden von Nidau und Biel zusammen mit externen Spezialisten intensiv an der Vision AGGLOlac. An einer Medienkonferenz informierten heute die Stadtpräsidenten Adrian Kneubühler (Nidau) und Hans Stöckli (Biel) über den Stand der Arbeiten und das weitere Vorgehen. Ihre gemeinsame Botschaft: AGGLOlac bietet grosse Chancen für eine nachhaltige Entwicklung von Nidau und der Agglomeration Biel, enthält aber auch Risiken. Die Wirtschaftlichkeit von AGGLOlac kann erst nach weiteren Abklärungen verbindlich beurteilt werden. Die beiden Stadtparlamente sollen nun die dafür erforderlichen Kredite sprechen.
Konzept und Ziele
AGGLOlac ist ein dicht bebautes, von Kanälen durchzogenes städtisches Quartier, das Nidau und Biel mit dem See verbindet. Wichtige Ziele sind u.a. die städtebauliche Aufwertung und Verdichtung eines gut erschlossenen Areals, die Schaffung eines attraktiven Wohnquartiers für 1500 bis 2000 Bewohner, die Verbesserung der Lebensqualität in Nidau sowie die Aufwertung ökologischer Lebensräume. Damit entspricht AGGLOlac den Zielen des «Richtplans Siedlung und Verkehr der Agglomeration Biel» von seeland.biel/bienne.
Die Bedeutung von AGGLOlac
Gemäss der Studie «Standortprofil Nidau» (interurban, Zürich) wird die Entwicklung Nidaus durch strukturelle Defizite belastet. Dazu gehören ein Rückgang der Arbeitsplätze, alter Wohnungsbestand, stagnierender Wohnungsbau, unausgewogenes Versorgungsangebot (Läden), zunehmende Überalterung der Bevölkerung, wachsender Anteil der ausländischen Bevölkerung und hohe Steuerlast. Mit einer quantitativen Untersuchung (RGB-Simulation, Hochschule Luzern) konnte aufgezeigt werden, welche Auswirkungen durch die Entwicklung des Expo-Areals zu erwarten sind. Das Fazit: Während sich bei der Variante Status Quo + (keine Überbauung, öffentlicher Grünbereich) die Negativtrends verstärken, kann die Variante expo.park (bisherige Planung der Stadt Nidau) diese allenfalls abschwächen. Nur AGGLOlac hat das Potenzial, die demografischen und wirtschaftlichen Trends positiv zu verändern. Als einzige Variante weist AGGLOlac zudem einen positiven Projektsaldo (Ausgaben und Erträge der Gemeinden) auf. Zwar werden die Gemeindefinanzen vorübergehend belastet, langfristig wird das Potenzial des Areals hinsichtlich zusätzlicher Steuereinnahmen aber am besten genutzt.
Risiko Archäologie
Eine Machbarkeitsstudie kommt zum Schluss, dass die Vision AGGLOlac nach heutigem Kenntnisstand technisch und finanziell realisierbar ist. Allerdings beinhaltet sie auch Risiken. Der heikelste Punkt ist die archäologische Situation. Der zur Überbauung vorgesehene Sektor befindet sich in einem archäologisch bedeutungsvollen Gebiet, womit Rettungsgrabungen unumgänglich sind. Allerdings können die Grabungskosten und der Zeitbedarf für die Grabungen heute nicht präzis beurteilt werden. Auch besteht keine Garantie, dass der Kanton die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt. Im schlechtesten Fall könnte die archäologische Situation die Wirtschaftlichkeit von AGGLOlac gefährden. Bevor die konkrete Planung aufgenommen werden kann, sind deshalb zusätzliche Abklärungen nötig. Sondiergrabungen sollen ermöglichen, Kosten und Zeitaufwand der späteren Rettungsgrabungen genauer zu beurteilen. Zudem wird eine Vereinbarung mit dem Kanton über die wesentlichen Eckwerte betreffend Archäologie angestrebt. Dazu gehören insbesondere die finanziellen Aspekte sowie die baulichen Möglichkeiten.
Partner gesucht
Ein Projekt in der Grössenordnung von AGGLOlac kann nach Ansicht der Gemeinderäte von Nidau und Biel nur mit einem privaten Partner (Investor/Projektentwickler) mit entsprechender Erfahrung erfolgreich umgesetzt werden. Der Partner finanziert das Projekt und gibt Garantien für ein langfristiges Engagement ab. Er erhält das Recht, die Baufelder zu überbauen und die Erträge daraus zu realisieren. Dafür leistet er ein Entgelt, das die Entschädigung der Landeigentümer und die Kosten für die Arealbereitstellung deckt. Alle öffentlichen Anlagen (Strassen, Plätze) gehen nach der Erstellung kostenlos an die Gemeinde Nidau. Die Vorarbeiten zur Gründung einer Projektträgerschaft sollen nun ebenfalls in der Phase «Zusatzabklärungen» erfolgen.
Neuartige Zusammenarbeit
Parallel dazu wird ein Vertrag betreffend dem Werte- und Risikoausgleich zwischen den Gemeinden Biel und Nidau ausgearbeitet. Dazu kommen eine Studie über die Auswirkungen von AGGLOlac auf das Abwassernetz ausserhalb des Projektperimeters, die Aktualisierung der Wirtschaftlichkeitsrechnung sowie die Einsetzung eines Auswahlgremiums, das den privaten Projektpartner auswählt. Begleitet werden alle weiteren Arbeiten von einer interkommunalen stadträtlichen Kommission mit 5 Mitgliedern des Nidauer und 4 Mitgliedern des Bieler Parlaments – ein Novum in der Geschichte der beiden Nachbargemeinden, deren Zusammenarbeit dadurch eine neue Qualität und Intensität erhält.
Die Stadtparlamente von Nidau und Biel werden an ihren nächsten Sitzungen entscheiden, ob sie mit dem Vorgehen gemäss dem Bericht der beiden Gemeinderäte einverstanden sind. Sie werden ersucht, für die Phase «Zusatzabklärungen» einen Kredit von jeweils CHF 150 000 zu bewilligen.
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