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„Krawattenzwang“

Mein Velo, du wirst mein Freund. Bestimmt.

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Mein Velo, du wirst mein Freund. Bestimmt.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Wenn Sie heute diese Zeilen lesen, ist es vielleicht schon passiert. Oder es steht kurz bevor. Oder es tut sich gerade jetzt. Ich bin auf dem Velo und auf dem Weg zur Arbeit. Warum das etwas Aussergewöhnliches ist? Weil ich in aktuellen Mobilitätsstudien eigentlich zum „schlechten“ Teil der Statistik zähle. Ich gebe es zu: Auch für kurze Stecken sitze ich oft, zu oft, ins Auto. Dazu gehöre ich zum Teil der Statistik, der zu unglaublich schlechten Zahlen führt: Das Auto ist täglich weniger als eine Stunde in Betrieb, dazu sitze ich meist alleine im Fahrzeug. Was für eine Nutzung!

Zum gestern im BT veröffentlichten Mobilitätsbericht der Stadt Biel trage ich wenig Positives bei, der kürzliche Besuch eines Mobilitätsapéros, an welchem alle Sünden deutlich auf den Tisch gelegt wurden – all das löst primär eines aus: ein schlechtes Gewissen.

Also versuche ich, was ich mir schon lange vorgenommen habe: den nur rund vier Kilometer langen Arbeitsweg mit dem Velo zu bewältigen. All die Ausreden, dass man vielleicht bei einem unerwarteten Einsatz spontan auf das Auto angewiesen ist, oder dass schwere Lasten kaum mit dem Velo zu transportieren seien, versuche ich zu ignorieren. Denn wie oft in den letzten Jahren war dies ernsthaft ein Argument?

Keine Angst, ich werde nicht zum militanten grünen Propheten. Schlechtes Wetter, Kälte, effektiv besser mit dem Auto wahrzunehmende Termine oder ein Arbeitstag in Schale werden mich nicht abhalten, wie bisher auf vier Rädern unterwegs zu sein. Es geht um Gesundheit und Bewegung, es geht um Naturerlebnisse und es geht auch darum, einen kleinen Beitrag zur Schonung der Umwelt zu leisten. Ganz für mich, (fast) ganz im Stillen. Mein Velo, du wirst mein Freund. Bestimmt. Nicht immer, aber immer öfter.

Warum ich darüber berichte? Einerseits, um mich öffentlich unter Druck zu setzen – und dadurch vielleicht weniger schnell weich zu werden. Andererseits, um andere Gleichgesinnte zu motivieren, es auch zu versuchen. Und mir dann zu berichten. Wir bilden so eine inoffizielle New-Velofahrer-Community. Und wer weiss, vielleicht thematisiere ich uns später an gleicher Stelle.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

Kommentare

Biel Bienne

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Biennensis

Bike to work - "die grosse Veloaktion" im Mai und Juni und danach ist schon wieder Schluss! Ich fahre das ganze Jahr mit dem Velo zur Arbeit. Auch bei Schnee und Eis. Kommt dazu, dass bald die Mehrheit gegenüber dem normalen Velofahrer mit Elektrovelos ("Atom-Bikes") unterwegs sind. PS: Wenn ich nur den Ampelsalat (Schleuse Brügg/Portstrasse) studiere, so hat PRO VELO Biel/Bienne Seeland Jura bernois und die Grünen gegenüber dem Velofahrer rein gar nichts erreicht - von den Kosten für die Zu-Verbetonisierung ganz zu schweigen.


jost.rindlisbacher

Ja Herr Rensch,alles schön und gut.Im Moment ist ja schönes Wetter.Und Sie schreiben selber wenn es dann wieder mal Regnet, oder am Morgen mal bitter Kalt ist,dann nimmt der Herr Rensch sicher auch wieder das Auto.das ist wasser gepredigt und Wein getrunken. Bald gibt es ja die Aktion ,Bike to Work.Mit dem Velo zur Arbeit. Bekanntlich im Juni. Ja dann ist sicher schön ein sehr mild. Lieber Herr Rensch ,wertte Bike to Work osganissator, Scheriben Sie solches im Januar, bei Schnee und Eis , bitter kalt, mit Müze, Handschuhe, und Schal, führen Sie mal eine Bike to Work im Winter durch.der erfolg wird schlecht ausfallen.


mstuedel

Das schlechte Gewissen ist zwar selten ein guter Antriebsmotor, aber ich bin guter Dinge, dass sich die Motivation noch ändern kann. Für micht ist der Arbeitsweg auf dem Velo Ort der Ruhe und Inspiration. Ausserdem kriege ich so meine tägliche Dosis an Bewegung ganz nebenbei. Ich hoffe, dass Sie, Herr Rentsch, auch einen nachhaltigen Motivationsmotor finden und das schlechte Gewissen endgültig ablegen können. Aber erst mal Gratulation zu diesem Schritt!


Biel Bienne

Lieber Herr Rentsch, das freut ungemein, wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen! Mögen Sie viele Nachahmerinnen und Nachahmer finden! Auf dass Biel bald mal eine Velostadt wird! Wer dies auf politischem Weg unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, PRO VELO Biel/Bienne Seeland Jura bernois beizutreten : ) Mit besten Grüssen Manuel Schmid Vorstandsmitglied PRO VELO Biel/ Bienne Seeland Jura bernois


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