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„Krawattenzwang“

Mehr für „das Volk“

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Mehr für „das Volk“.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Ein Wochenende liegt hinter uns, an dem überall „so richtig viel los war“ – kulturelle, gesellschaftliche und sportlichen Anlässe, wohin das Auge blickte. Wir alle hatten die Qual der Wahl. Jede oder jeder für sich wird den richtigen Entscheid, die Freizeit zu investieren, getroffen haben. Oder?

Allen Anlässen gemein ist die Tatsache, dass sie auf sehr vielen freiwilligen/ehrenamtlichen Leistungen fussen und dass sie finanziell um schwarze Zahlen kämpfen. Die Teilnehmenden und Besucher leisten einen wesentlichen Anteil zur Kostendeckung selber, Sponsoren oder Mäzene, die „einfach so“ einen Anlass finanzieren, sind rar. Häufig hindert das die engagierten Organisatoren nicht, aktiv und kreativ zu sein. Wir Besucherinnen und Besucher profitieren und werden mit vielen tollen Erlebnissen und Erfahrungen belohnt. So macht Freizeit Spass.

Das ehrenamtliche Engagement und die Finanzierung hat aber Grenzen. Können/sollten wir uns da nicht alle ein wenig helfen, indem die öffentliche Hand etwas mehr „ins Volk“ investiert – im Sinne der römischen Weisheit, dass mit Brot und Spielen die Laune hochgehalten wird? Nicht, dass wir von politischen und wirtschaftlichen Problemen abgelenkt werden sollen, wie dies dem römischen Adel vorgeworfen wird. Aber als "Volk" haben wir uns durchaus auch Musse und Unterhaltung verdient.

Die Forderung ist einfach: Aktivitäten, die nicht wirtschaftlich orientiert angeboten werden, hätten in vielen Fällen etwas mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand nötig und verdient. Ich denke dabei nicht an finanzielle Beiträge – die klammen Stadt- und Gemeindekassen lassen grüssen. Ich denke dabei vielmehr an Unterstützung, indem für gewisse Leistungen oder Infrastrukturen schlicht keine Rechnungen gestellt werden. Ein Kiesplatz, der brachliegt und am Wochenende als Parkplatz genutzt wird, soll nicht mit einem (zusätzlichen) Mietzins belastet werden. Der leerstehende Kiesplatz hätte ohne den Anlass auch keine Einnahmen generiert. Oder wie wäre es, wenn einem Organisator einmal nicht die auf den einzelnen Container heruntergebrochenen Abfallgebühren anfallen? Nicht-eintreffende Rechnungen sind für einen Organisator nämlich fast wichtiger als Cashbeiträge.

Also: Mehr für uns, „das Volk“ – wir wissen es zu schätzen und zu danken. Kein Schaden für niemanden, viel Freude für alle.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

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