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Kemmeribodebad statt Islamabad

Mei, mei, mei, was da alles passieren kann!

Bild: BT/a
ER wacht über uns, ER sorgt für uns, ER ist uns gnädig. Es ist ein gutes Jahr her, da habe ich mich an dieser Stelle bei IHM bedankt. Bei diesem unserem Staat. ER lässt auch mich einfachen Menschen und armen Sünder nie allein.

Auch dann und vor allem dann nicht, wenn ich unterwegs bin. Zum Beispiel auf der Strecke Studen–Aarberg–Frienisberg–Meikirch–Bern Bundeshaus. Da gibt ER mir mit genau 326 Gefahren-, Vorschrifts- und Hinweissignalen die absolute Sicherheit. ER lässt mich keine 97 Meter allein, also ohne Tafel am Wegrand. Das tut soo gut! Und deshalb hat es auf dieser Strecke auch noch nie einen Unfall gegeben.

Nicht wie beim Bärenpark in Bern, dort ist es beinahe schief gegangen. Dort sind in diesem Sommer zweimal Kinder in die Aare gefallen. Passanten mussten sie wieder herausziehen. Natürlich ist es einer Mutter nicht zuzumuten, gleichzeitig eine Glace zu essen, mit dem Handy zu telefonieren und noch auf den Sprössling aufzupassen. Genau in solchen Situationen braucht es den Staat. ER löst das Problem. Das elegante, offene Bärenpark-Ufer wird nun durch einen sicher ebenso eleganten mannshohen Stahlzaun abgeriegelt. Ich hoffe doch sehr, dass obendrauf noch eine Rolle Stacheldraht kommt, so wie d’Nidle uf em Chueche. Denn wir alle wollen ja nicht, dass ein Besucher oder eine Besucherin – oder nach stadtbernischem Sprachleitfaden: das Besuch – also dass das Besuch aus Versehen noch eine Hechtrolle über den mannshohen Stahlzaun macht.

Da wir noch an vielen anderen Orten leichterdings in die Aare fallen könnten, hat ER beschlossen, das ganze Ufer einzuzäunen, auf beiden Seiten. Von der Quelle im Aaregletscher bis Koblenz, wo die Aare sich in den Rhein verabschiedet. Das sind 576 Kilometer Zaun. So viel ist IHM unsere Sicherheit wert. Diese Fürsorge tut soo gut! Hoffentlich fällt nie jemand in den Bielersee.

Jetzt ist ja auch wieder die Zeit, da Hunderttausende von Schweizerinnen und Schweizern ferienhalber ihre Lieblingsdestinationen ansteuern: Russland und Pakistan. Natürlich hat niemand gemerkt, dass es an einem Ort zu viele Buschbrände und am anderen Ort zu viele Überschwemmungen gibt, und noch ein bisschen Terror. Auch ich gehöre zu jenen, die für die ganze Familie das Kombiticket Biel–Moskau–Islamabad retour schon gelöst hatten. Da erhob ER noch rechtzeitig seine warnende Stimme. Reisewarnung! Von Reisen in diese Länder wird abgeraten. Nun zieht die Familie Richtung Emmental. Kemmeribodebad statt Islamabad. Die Meringuen sind dort sowieso besser.

Auch die Freizeit ist voller Gefahren. Mei, mei, mei, was da alles passieren kann! Es erfüllt mich deshalb mit tiefer Dankbarkeit, dass ER fürderhin auch die Outdoor-Aktivitäten umfassend bevorschriften will, vom Nachtwandern über das Nacktwandern bis hin zum Spazieren. Auf Blitze und schwarze Regenwolken muss keiner mehr achten. ER hat am Staatsfernsehen permanent einen Wetteralarm am Laufen. Am Laufen ist gut.

ER sorgt schliesslich mit dem BMI, dem Body Mass Index, nicht nur für den schlanken Bürger im schlanken Staat, sondern mit dem SMI, dem Schlaf Mass Index, auch für ausreichend Erholung. Der SMI ist ganz einfach zu berechnen: Geschätztes Alter minus annähernd halbes Gewicht minus Arbeitstage pro Woche geteilt durch zwei plus Stressfaktor X geteilt durch drei, das gibt in meinem Fall exakt 7,2 Stunden pro Nacht.

Und so wollen wir denn zum Schluss alle gemeinsam und dankbar in das Loblied auf IHN einstimmen: «…seh‘ ich Dich im Strahlenmeeeer, Diiich, Du Hocherhaaaabener, Paaaapa Staaaaat!».

INFO: Martin Bühler ist Sprecher des Eidg. Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).
Stichwörter: Kolumne

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