
Des Stapis gute Laune hat einen bestimmten Grund: Seine Idee eines Klein-Venedig (Projektname: «Agglolac») auf dem ehemaligen Expo-Areal stösst auf reges Interesse, Nidau wird das Projekt vertieft prüfen (das BT berichtete). Doch Stöckli denkt wie so oft bereits einen Schritt weiter: Sollte die Überbauung realisiert werden können, möchte er für den Nahverkehr durchs neue, kanaldurchsetzte Quartier echte venezianische Gondeln einsetzen. Wie Recherchen des BT ergeben haben, ist die Evaluationsphase bereits angelaufen. Um die Qualität der Produkte der verschiedenen Anbieter fachmännisch beurteilen zu können, hat Stöckli letzthin einen Intensiv-Wochenendkurs für angehende Gondolieri besucht, wie das dem BT exklusiv vorliegende Bild beweist. «Man denkt, eine venezianische Gondel sei eine venezianische Gondel», sinniert Stöckli, «in Wirklichkeit aber unterscheiden sich die Modelle im Fahrverhalten sehr deutlich.» Eine Fachkommission wird nun einen Anforderungskatalog erstellen und diesen dem Verband Venezianischer Gondelhersteller (Associazione di Fabbricanti di Gondole Veneziane, AFGV) unterbreiten. Der AFGV wird anschliessend die fünf am besten geeigneten Modelle zu ausgiebigen Tests an den Bielersee transportieren. Bootsbauer in der Region reagieren aber skeptisch. «Ich finde, man sollte regionale Hersteller berücksichtigen», meint etwa Bernhard Bez, der in seinem Nidauer Kleinunternehmen auf Holzarbeiten an Booten und den Bau von Holzkanadiern spezialisiert ist. Stöckli aber favorisiert für einmal nicht «Swiss Made»: «Wir brauchen Venezianer, nicht Kanadier.»
Sicher ist, dass die Schiffe aus der Lagunenstadt den Tagestourismus in der Region ankurbeln würden. Die Bielersee Schifffahrt BSG, die nun bekanntlich ohne Subventionen auskommen muss, hat denn auch bereits Interesse am Betrieb der Gondeln angemeldet, dürfte aber in Nidau auf Widerstand stossen: Wenn schon alle Ideen immer aus Biel kämen, wolle Nidau doch wenigstens nach der Realisierung derselben profitieren, soll Nidaus Stadtpräsident Bernhard Stähli gerüchtehalber gesagt haben.
Hans Stöckli jedenfalls lässt sich von den kritischen Stimmen die gute Laune nicht verderben. Seit seinem Wochenende in Venedig summe er auffallend oft die Melodie von «O sole mio», berichten Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
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