Sie sind hier

„Krawattenzwang“

Die Sache mit dem Zitieren

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Die Sache mit dem Zitieren.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Da lese ich in den sozialen Medien, dass sich SP-Nationalrat Matthias Aebischer über ein Zitat aufregt, dass ihm „erdichtet“ in den Mund gelegt wurde. Ein ehemaliger Journalist spricht von Fake News. Das ist ein schlechtes Zeichen für die Qualität „meiner“ Zunft.

Da bekomme ich fast gleichzeitig mit, dass einem Praktikanten beim Spiegel vom Chef nahegelegt wurde, einem aufstrebenden Musikkünstler den Satz „ich will mal berühmtwerden“ in den Mund zu legen – obwohl dieser so etwas gar nie gesagt hat. Der Konter des Chefs: „Er hätte es aber sagen können. Berühmtwerden will doch jeder.“

Himmel nochmal – was ist da los! Ich verstehe, wenn die Branche immer mehr in Verruf gerät. Es ist schon so nicht immer schmeichelhaft, die Berufsbezeichnung Journalist anzugeben. Bei Reisen in den Osten war (und leider ist) es sogar ratsam, beim Checkin im Hotel eher einen „gewöhnlichen“ Beruf anzugeben.

Weit sind wir – zu weit. In Biel kämpfen wir, vielleicht wirklich im Gegensatz zu andern Orten, mit fairen Mitteln. Gesagt ist gesagt, zitiert wird das Gesagte – und Zitate können/sollen vom Betroffenen gegengelesen werden können. Wohlverstanden: Absegnen, was gesagt wurde (häufig aufgenommen und deshalb nicht streitbar), und nicht reinwaschen.

Persönlich bemühe ich mich um Qualitätsjournalismus, wie es sein soll/muss. Ich hoffe, die Region schätzt das und unterstützt unsere Bemühungen noch lange. Denn wirtschaftlich geht es in Biel nicht besser als anderswo. Den Weg in die Zukunft sehen wir aber in ehrlicher Arbeit.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

Nachrichten zu Biel »