
Audiobeitrag
Regierungsrat Bernhard Pulver zur Jurafrage. Beitrag von Canal 3.
(bk) Am späteren Montagnachmittag gaben die Kantonsregierungen von Bern und Jura ihren Entscheid bekannt, die Bernjurassier und Jurassier selbst über die institutionelle Zukunft ihrer Gebiete bestimmen zu lassen. Und noch am selben Abend meldete sich die BDJA, die Bieler Delegation für jurassische Angelegenheiten (siehe Infobox), zu Wort: Sie nehme diesen Entscheid «zur Kenntnis», schrieb sie in einer Medienmitteilung trocken.
«Aktive Neutralität»
Diese Nüchternheit hat ihren Grund im Prinzip der «aktiven Neutralität». Dazu haben sich die zweisprachigen Gemeinden Biel und Leubringen sowie der Rat für französischsprachige Angelegenheiten des zweisprachigen Amtsbezirks Biel (RFB), die in der BDJA zusammengeschlossen sind, verpflichtet. Ihre Neutralität hat die BDJA der Berner Kantonsregierung im Juli letzten Jahres sogar formell in einer Erklärung mitgeteilt.
Laut dem Bieler Stadtpräsidenten Erich Fehr meint «aktiv neutral» in diesem Fall zweierlei. Aus der Abstimmung werde man sich heraushalten. «Diese soll ausschliesslich Sache der Bevölkerung von Berner Jura und Kanton Jura bleiben.» Dagegen werde man gegebenenfalls auf allfällige Folgen für die Romands in Biel und Leubringen sowie Auswirkungen auf die Zweisprachigkeit aufmerksam machen.
Aber müssten die Bieler und besonders die Welschbieler nun nicht vehement für einen Verbleib des Berner Juras weibeln, nach dem Motto «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben»? Schliesslich würde die Zweisprachigkeit des Kantons Bern wohl stark unter Druck geraten, wenn dieser auf einen Schlag gut 50 000 frankophone Einwohner verlieren würde. Dann wären nämlich nur noch 20 000 Einwohner oder zwei Prozent der Berner Bevölkerung französischsprachig.
Zweisprachigkeit garantiert
Diese Gefahr sieht RFB-Präsident Philippe Garbani zwar auch, umso mehr, weil die Zweisprachigkeit den Kanton «nicht wenig» koste. «In jedem Departement braucht es dafür eine kleine Armee an Personal.» Doch er vertraut darauf, dass der Regierungsrat sein Versprechen, nicht an der Zweisprachigkeit zu rütteln, hält.
Die Gelassenheit von Fehr und Garbani dürfte allerdings noch einen andern Grund haben. Zwar wollen beide keine Prognose zu den Abstimmungen abgeben. Doch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Grenze des Kantons Jura an die Taubenlochschlucht verschiebt, praktisch gleich null.
Autonomie weiterentwickeln
Diese Vermutung wird dadurch genährt, dass die BDJA schon im Communiqué vom Montag «fordert», im Falle eines Verbleibs des Berner Juras bei späteren Gesprächen zu dieser Region beigezogen zu werden. Dies zumindest sofern sie Auswirkungen auf die Rechte der französischsprachigen Minderheit in Biel/Bienne und Leubringen/Evilard hätten. Man wünsche, weiter regelmässig über den Stand der Arbeiten orientiert zu werden. Der Kanton hat gemäss BDJA bereits seine Zusage dafür gegeben.
Gemeint ist das Projekt «Status quo+», eine Erweiterung des kleinen Autonomiestatuts, das der Berner Jura heute hat. Garbani verneint zwar, dass dieses Statut just zur Ankündigung der Abstimmungen aus dem Hut gezaubert worden sei, um die Bernjurassier bei der Stange zu halten. Vielmehr sei es schon mehrere Jahre alt. Er räumt aber ein, dass die Weiterentwicklung des Statuts vom Kanton stets offen als Alternative zu einem Kantonswechsel angeboten worden sei.
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