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Acht gute Gründe, den Sommer zu hassen

Es soll mir niemand sagen, es sei ein angenehmer Effekt, wenn ein von der Sonne auf knapp 40 Grad Celsius erhitzter Körper in Kontakt mit gerade mal halb so warmem Wasser kommt.

ISABEL RUTSCHMANN

Sie haben noch Mühe, sich langsam, aber sicher vom Sommer 2010 zu verabschieden? Und den neblig-nassen Herbst willkommen zu heissen? Kein Problem. Ich nenne Ihnen ein paar Gründe, warum der Sommer nicht unbedingt DIE ultimative Jahreszeit ist. Danach werden Sie ihn garantiert ziehen lassen, ohne ihm auch nur eine einzige Träne nachzuweinen:

1. Das Wasser beim Schwimmen ist so nass und kalt. Es soll mir niemand sagen, es sei ein angenehmer Effekt, wenn ein von der Sonne auf knapp 40 Grad Celsius erhitzter Körper in Kontakt mit gerade mal halb so warmem Wasser kommt. Das ist ein Schock. Mir entlockt das jedenfalls so ähnliche Geräusche, wie wenn man einen heissen Dampfkochtopf unter den kalten Wasserstrahl hält. Nur viel lauter. Da lobe ich mir ein warmes Thermalbad bei kühlen Aussentemperaturen.

2. Hat eigentlich schon einmal jemand ausgerechnet, wie viel Zeit man damit verliert, sich mit Sonnencreme einzuschmieren? Nein? Dann will ich das nachholen: Das tägliche Sonnencreme-Ritual dauert bei einer vierköpfigen Familie etwa 20 Minuten. Bei einer grob geschätzten Anzahl von 40 Sonnentagen pro Saison (Sommerferien am Meer inklusive) macht das 13 Stunden 20 Minuten. Anders gesagt verliert man damit also einen ganzen Tag , den man eigentlich am Strand oder im Schwimmbad verbringen könnte. Eine totale Unverhältnismässigkeit ist das. Von den Kosten für die Creme sei hier gar nicht erst die Rede.

3. Mücken, Wespen, Zecken & Co.: Ohne Worte.

4. Schweissgeruch. Ein sehr leidiges Thema, das einen in jedem öffentlichen Verkehrsmittel, an jedem Volksfest und vor allem in den überlaufenen Freibädern auf Schritt und Tritt begleitet. Erst letztes Wochenende stand ich in einer dicht bevölkerten Berggondel neben einem Touristen, der eines dieser äusserst praktischen, synthetischen Sportshirts trug, die schnell trocknen. Leider hatte er damit wohl schon eine mehrtägige Wanderung absolviert. Wir standen in der Mitte der Gondel, so dass er sich an einem Griff an der Decke festhalten musste. TYPISCH FRAU Flucht war unmöglich. Es ist nicht nötig, hier noch weitere Ausführungen anzubringen. Glauben Sie mir: Ich habe nichts so sehnlich herbeigesehnt wie Minustemperaturen oder das Ende dieser Gondelfahrt.

5. Es gibt, rein aus nahrungsmitteltechnischer Sicht, nichts Langweiligeres, als im Sommer zum Essen eingeladen zu werden. Denn das Menü ist selten eine Überraschung: Fleisch vom Grill, Salat, Kartoffeln vom Grill. Nicht, dass ich da als Gastgeberin eine Ausnahme machen würde. Zu Beginn der Saison mag diese Kombination ja noch ganz reizvoll sein. Aber jetzt kann ich kein Grillgut mehr sehen. Ich freue mich auf Kartoffelstock mit Ragout an einer sämigen Sauce. Und auf ein Käsefondue.

6. Apropos Käse: Nackte Füsse in Sandalen oder Flipflops können ein sehr ästhetischer Anblick sein. Wenn sie gepflegt sind. Offenbar scheint die Körperpflege aber bei vielen Menschen von den Knien an abwärts aufzuhören. Füsse mit Hornhaut, die an ein hochalpines Gletschergebiet mit tiefen Spalten erinnert, gehören aus Rücksicht auf zufällige Betrachter in geschlossene Schuhe. Gummi- oder Winterstiefel eignen sich besonders zur ganzheitlichen Verhüllung vernachlässigter Fersen.

7. Wir bleiben unterhalb der Knie bei einem frauenspezifischen Thema: Der Entfernung der Haare an den Beinen. Kaum hat man ein Bein fertigrasiert, sind die Haare am anderen schon wieder nachgewachsen, so schnell geht das. Epilieren hielte länger an, tut aber unverhältnismässig weh. Das ist Stress pur. Die Lösung lautet: Lange Hosen.

8. Noch mehr Stress machen all die Pflanzen im Garten, die fast täglich nach Wasser schreien. In der Zeit, die ich diesen Sommer mit Wassertragen verbracht habe, hätte ich locker zwei Bücher lesen oder einmal um den Bielersee radeln können. Himmel, lass es wieder regelmässig regnen.

Ich bin mir sicher, dass Sie jetzt mit mir einig sind: Der Winter kann kommen.

INFO: Isabel Rutschmann ist Mitglied der BT-Redaktion und hofft trotz allem, dass der Sommer 2010
Stichwörter: Kolumne

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