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Hunderttausende Franzosen streiken gegen Sarkozys Rentenreform

Hunderttausende Franzosen haben am Dienstag ihre Arbeit niedergelegt und gegen die anstehende Rentenreform protestiert. Die Gewerkschaften hatten ausnahmsweise gemeinsam dazu aufgerufen und rechneten im Verlauf des Tages landesweit mit über zwei Millionen Streikenden.

(sda/afp/dpa) Schon vor der Hauptkundgebung in Paris am Nachmittag gingen rund 450'000 Menschen auf die Strasse, wie das Innenministerium mitteilte. Die Rechnung sei aufgegangen, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft UNSA, Alain Olive, in Paris. «Jetzt muss die Regierung sagen, welche Zugeständnisse sie machen wird.»

Bei den Pariser Verkehrsbetrieben liess nach Angaben der Geschäftsführung fast ein Viertel der Beschäftigten die Arbeit ruhen. Die U-Bahn fuhr mit einigen Einschränkungen. Die Schnellbahn RER B, die den Flughafen Charles de Gaulle mit der Innenstadt verbindet, fiel dagegen komplett aus.

Bei der Staatsbahn SNCF beteiligte sich nach Gewerkschaftsangaben gut die Hälfte der Beschäftigten an dem Streik - dadurch fielen auch Verbindungen mit den Hochgeschwindigkeitszügen zwischen der Schweiz und Frankreich aus.

So verkehrten keine TGV-Züge ab Bern und Neuenburg nach Paris, ab Lausanne fiel eine von vier Verbindungen aus, und ab Genf waren es zwei von sieben Zügen. Auch etliche regionale Verbindungen waren betroffen. An den Flughäfen in Zürich, Basel-Mülhausen und Genf wurden insgesamt 24 Flugverbindungen von und nach Frankreich gestrichen.

Bei France Télécom war knapp ein Drittel der 100'000 Mitarbeiter im Streik. Gestreikt wurde auch im Öffentlichen Dienst, in den Spitälern, an den Schulen, bei den öffentlich-rechtlichen Medien sowie in Banken und der Industrie.

Debatte in der Nationalversammlung
Der Protest richtete sich gegen die Anhebung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre. Präsident Nicolas Sarkozy hat die Reform zum wichtigsten Projekt seiner verbleibenden Amtszeit erklärt. Seine Regierung will das Projekt zügig durchziehen und bereits Ende Oktober endgültig verabschieden.

Am Dienstagnachmittag wollte Arbeitsminister Eric Woerth die Reform in der Nationalversammlung vorstellen. Zuvor hatte Premierminister François Fillon die konservative Mehrheit bei einem Treffen im Elyséepalast zu «völliger Einheit» aufgerufen. An dem angestrebten höheren Renteneintrittsalter sei nicht zu rütteln, sagte er. Die Regierung sei aber zu «Öffnungen» bereit.

Nach Ansicht der Gewerkschaften und der linken Parteien gibt es andere Möglichkeiten, die Milliardenlöcher in der Sozialkasse zu stopfen. Unter anderem sind sie der Ansicht, dass dafür die Gewinne von Banken stärker besteuert werden könnten.

Rückendeckung von Barroso
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprang der Regierung bei. «Man muss den Mut haben zu sagen, dass wir mehr arbeiten müssen, dass wir länger arbeiten müssen, wenn Europa die Wettbewerbsschlacht mit verschiedenen aufstrebenden Ländern gewinnen will», sagte Barroso vor dem Europaparlament in Strassburg.

In Frankreich hatte 1982 Die französische Regierung will das Renteneintrittsalter von 60 Jahren bis 2018 auf 62 Jahre erhöhen, nachdem der frühere sozialistische Präsident François Mitterrand es 1982 von 65 auf 60 Jahre herabgesetzt hatte. Aus Angst vor wochenlangen Massenprotesten hatte sich seit damals keine Regierung an eine Reform gewagt.
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