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Offener Brief

Liebe Leserinnen und Leser

Die offenen Worte des BT-Chefredaktors an die Leserinnen und Leser:

Bernhard Rentsch, Chefredaktor Bieler Tagblatt.

Ich habe nach reiflicher Überlegung entschieden, mich heute persönlich an Sie zu wenden. Diese Zeilen sind mir nicht nur ein wichtiges Anliegen, sie sind eine Herzensangelegenheit. Sie sind ein Spiegelbild der Gedanken, die mich seit Wochen nicht loslassen und der moralischen Kämpfe, die ich mit mir und meinem Team ausfechten musste. Sie sind das Resultat einer Entscheidung, die wir gefällt haben und die Sie, liebe Abonnentinnen und Abonnenten, direkt betrifft. Deshalb haben Sie, die Säulen des «Bieler Tagblatt», nichts anderes als meine Offenheit verdient.

Die Medienbranche ist im Umbruch. Deshalb müssen wir unseren Abonnementspreis überproportional erhöhen. Von 449 Franken auf 489 Franken. Es ist die grösste Preiserhöhung in der Geschichte des BT. Dieser Entscheid, das können Sie mir glauben, wurde nicht leichtfertig gefällt. Diesen Schritt machen wir nicht, weil wir glauben, bei unseren Abonnenten sitze das Geld locker. Wir wissen, für wie viele Menschen jeder Franken wichtig ist. Ich kenne das persönlich sehr gut. Ich weiss, wie man als Student oder als junger Familienvater haushalten muss. Ich sehe das auch täglich bei meinen Bürokollegen. Hier verdient sich niemand eine goldene Nase. Journalismus ist kein Job, mit dem man reich wird. Es ist ein Beruf, für den man sich aufopfert, weil man an das glaubt, was man tut. Ich will nicht jammern, aber ich will aufzeigen, dass ich und mein Team den Wert des Geldes kennen und genau wissen, dass 489 Franken nicht nichts sind, sondern in so manchen Budgets einen wesentlichen Betrag ausmachen. Falls das komplette Abonnement für Sie unerschwinglich wird, haben wir etliche Varianten bereit.

Bis vor wenigen Jahren haben die vielen gebuchten Inserate einen relativ günstigen Abo-Preis ermöglicht. Eine Zeitung wurde zu grossen Teilen von der Werbung finanziert. Der Werbemarkt hat sich aber auch verändert. Nach wie vor freuen wir uns über viele und gute (regionale) Inseratekampagnen, die auch ihre Wirkung nicht verfehlen. Inserate in Printprodukten erhalten eine sehr hohe Aufmerksamkeit und sind nach wie vor die beste Werbeform. Das sagen nicht wir, das sagen die Wissenschaftler. Zum Platzieren der kommerziellen Werbung gibt es jedoch immer mehr Möglichkeiten. Der Kuchen ist parallel dazu aber nicht gewachsen – die Werbung wird entsprechend breiter verteilt. Deshalb sind die Abonnemente zu unserer wichtigsten Einnahmequelle geworden.

Wir könnten das Ungleichgewicht auch noch mehr auf der Ausgabenseite korrigieren. Wir könnten auf Berichterstattungen aus einzelnen Regionen verzichten. Wir könnten die Redaktion anders strukturieren und weiter verkleinern, wir könnten uns inhaltlich anders ausrichten. Denn wir müssen uns bewusst sein, dass das, was wir als wichtige Informationen einstufen, nicht unbedingt die Informationen sind, die die meisten Leute gerne lesen. Unterhaltung «zieht» in der Regel besser. Wir setzen aber bewusst (auch) auf Themen, die zuweilen nicht den Grossteil unserer Leserschaft betrifft, die aber Einfluss auf das Leben in unserer Region haben. Wenn Zebras im Seeteufel Junge bekommen, wird dieser Artikel öfter gelesen, als wenn wir über die Budget-Diskussionen im Stadtparlament berichten. Wir tun aber beides. Wir wollen das. Denn das «Bieler Tagblatt» ist weder Boulevard noch Amtsblatt. Wir fühlen uns der Region verpflichtet. Diejenigen, die sich für das lokale Geschehen interessieren, haben diese Informationen verdient.

Die Leserzahlen sind seit einigen Jahren stabil. Das ist eine gute Nachricht, die Marktforscher uns liefern. Das zeigt uns, dass es uns braucht. Wir wollen da sein, wo die Leute sind. Am Puls der Bevölkerung, nicht an den Fersen der Sensation. Deshalb habe ich entschieden, dass wir noch mehr den Dialog zu unseren Leserinnen und Lesern suchen. Bereits heute beantworte ich jeden Input und jede Reklamation persönlich. Es ist nicht immer einfach, für alles den Kopf hinhalten zu müssen. Aber es lohnt sich. Ich gehe noch mehr hinaus und suche das persönliche Gespräch. Wir sind keiner Organisation, keiner Partei und keinem Unternehmen verpflichtet, sondern nur Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern.

Diese Qualität gilt es sicher zu stellen, das Handwerk zu pflegen. Dazu fördern und fordern wir unsere Journalistinnen und Journalisten. Wir haben rationiert, wir haben optimiert, wir chrampfen im Wissen, dass wir für unsere Leserinnen und Leser am Produkt nicht weitere Abstriche machen dürfen und die Qualität hochhalten müssen. Deshalb ist es unabdingbar, einen Ausgleich über die Abo-Preise zu erzielen. Dabei bleibt die Eigenständigkeit oberstes Ziel.

Ich habe diesen Brief nicht geschrieben, um Werbung für das BT zu betreiben. Hinter diesen Zeilen steckt kein marketing-technisches Kalkül. Wir sind unseren Abonnenten gegenüber der Wahrheit verpflichtet. Auch, wenn es um uns geht. Es ist vielmehr mein Antrieb, Ihnen für das Verständnis und für die Treue zu danken. Ich danke Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie der Region den Qualitätsjournalismus ermöglichen, den sie verdient.

Bernhard Rentsch, Chefredaktor «Bieler Tagblatt»


Im Dialog: Die Zeitungsmacher sitzen nie den ganzen Tag im Büro. Draussen an der Quelle im direkten Kontakt mit Ihnen, da ist unser Ort. Wir verstärken das: Ab 2018 werden regelmässig BT-Stammtische organisiert - da treten wir mit Vertretern der Regionen ins Gespräch. Heute ist Ihre Meinung auf Facebook gefragt: Diskutieren Sie den ganzen Tag auf der «Bieler-Tagblatt»-Seite mit mir. Ich beantworte zwischen 8 und 17 Uhr jede Frage, jede Reklamation, jede Anregung.

E-Mail: brentsch@bielertagblatt.ch

Kommentare

ligerius47

Als AHV Bezüger trifft uns nicht nur die Ehöhung der Krankenkassen Prämie. Zu allem ärger jetzt auch noch das Bieler Tagblatt. Uns ist bewusst, dass der grosse Aufwand für eine Tageszeitung etwas kostet. Wenn ich auch öfters zu meiner Frau sage: " Heute hat Rentsch wieder sechs Seiten EHCB im Tagblatt. Man könnte meinen die ganze Stadt hängt auf gedeih und verderb an diesem Club." Im Haus haben wir uns das Bieler Tagblatt seit Jahren geteilt. Nach dieser Meldung gesellt sich nun noch eine dritte Rentnerin dazu. Dem ganzen BT-Team wünschen wir nur das beste.


brentsch

Ich danke allen für die ermunternden Reaktionen - ehrlich währt am Längsten... In der Tat kämpfen wir, aber der Kampf lohnt sich. Unabhängig und selbstständig in der Region für die Region. Wir tun das gerne! Bernhard Rentsch


Binkert

Sehr geehrter Herr Rentsch, Diese 40 Franken sind nach meiner Meinung absolut berechtigt. Ich bin schon lange Rentner und habe das BT Abo schon seit Jahrzenten. Krankenkassen schlagen auf, Versicherungen werden teurer usw. usw. Das ist eben unsere Zeit. Espresso hat recht, wir "verschwenden" Geld für Sachen, die gar nicht nötig sind. Gelder für Auslandhilfe, wo kein Mensch garantieren kann, dass die Menschen die es erhalten sollten, wirklich davon profitieren. Zigaretten, Alkohol, Handy, usw. Ich bleibe beim BT. Macht weiter so. Alles Gute für die ganze BT Crew. René Binkert.


Biennensis

Sorry, mein Finger ist heute Morgen gar etwas schnell! Weiter: Wir (meine Freundin und ich) verstehen die aktuelle (nicht einfache) Situation und werden dem BT weiterhin die Treue halten (was ist ein 6:30 Uhr-Morgen-Kaffee ohne BT?!). PS: Prioritäten setzen: Der Sonntags-Blick wurde von uns bereits gekündig und nächstens wird wohl auch der Wochen-Blick über unsere Prioritäten-Klinge springen müssen. Wir haben die BT-Preiserhöhung akzeptiert und wünschen Ihnen Herr Rentsch einen schönen und hoffentlich nicht allzu stressigen Tag.


Biennensis

Sehr geehrter Herr Rentsch: Die Preisehöhung (100% : 449.- x 489.- = 108,9 % = 8.9% Preiserhöhung!) Sie sind ja noch schlimmer als unsere Krankenkasse... "Aber Spass beisite:


Espresso

Lieber Herr Rentsch, liebes BT-Team. Als ich Ihre ersten Zeilen zu lesen begann, befürchtete ich schon..."ça y est...jetzt ist es passiert, der Chefredaktor verkündet das Aus für's BT..." und ich bin sehr froh, dass es zum Glück nur um eine notwendige Preiserhöhung geht. Es ist zwar (prozentual) in der Tat eine happige Preiserhöhung, aber in Franken und verteilt auf 12 Monate reden wir von etwa 15 Rappen pro Ausgabe... So gesehen, wäre ich auch bereit einen viel höheren Preiszuschlag zu berappen. Denn das BT/JdJ und seine Unabhängigkeit von Bern, Zürich oder gar Herrliberg (sprich Blochers Medienmonopol)... liegt mir sehr am Herzen und ich hoffe, es übersteht diese, für alle Printmedien schwere Zeiten des Umbruchs und findet Wege in diese neue Zeit. Das "BiJou" gehört zu Biel und dem Seeland wie die Aare, der See und die Jurakette, stiftet Identität und verbindet eine ganze Region. Ich wünsche mir, dass das noch lange so bleibt! Für Zigaretten (die nur Schadstoffe und kein Lesestoff enthalten) oder für Handy und TV geben wir ungleich mehr aus. In diesem Sinne: Lang lebe UNSER Bieler Tagblatt und Journal du Jura!


skorpion67

Werter Herr Rentsch, die ABO Preiserhöhung ist sicherlich ziemlich unerfreulich, auch für uns als Familie. Wie fast in jedem Beruf ist auch Eure Branche im Clinch der Geldspirale. 40 Fr. - Erhöhung pro Jahr ist aber eigentlich Real, wir wollen Qualität und Beste Infos. Der Drucktechnologe und alle anderen Mitarbeiter wollen auch eine angemessene Entlöhnung für Schichtarbeiten. Ich gehe einfach 4mal weniger ins Restaurant, pro Jahr, mein Beitrag ans BT Team. Machen wir das doch alle so und stehen hinter unserem Seeländer Blatt, bitte!!!! Last uns zusammenstehen für die Tradition, den Geschmack von Papier und Druckerschwärze zum Kaffee und Gipfeli zum Frühstück. Freundlichst:Roland Wenker


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