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Spiel mit dem Feuer

Silvester in der Altstadt

Es ist Silvester, Mitternacht, das neue Jahr wird begrüsst. Ich bin zuhause, in einer Altstadtwohnung am Burgplatz. Mit der Befürchtung im Hinterkopf, dass es dieses Jahr noch schlimmer wird als andere Jahre. Tatsächlich geht kurz nach Mitternacht der Spuk los: Mitten in der Altstadt, die schützenswert ist, inmitten von alten Dächern, die aus trockenem Holz gebaut sind, inmitten von alten Fenstern, die nicht bruchfest verglast sind, fliegen und knallen Feuerwerkskörper tiefer unten als die Dachgiebel hoch sind.<br><br>Ich frage mich, was wohl passieren würde, wenn eine einzige der (nicht gerade kleinen) Raketen schief losgeht, in einen der hölzernen Dachstöcke oder in eines der vielen Fenster hineinrast?<br><br>Als Bewohner eines Altstadthauses werden wir von Hausbesitzer und -verwaltung eindringlich warnend darauf hingewiesen, dass in unserem Estrich grösste Vorsicht mit Zigaretten angebracht sei. Ein einziger Funke könnte das alte hölzerne Gebälk in eine Feuerhölle verwandeln.<br><br>Möglichst rasch, um nicht einen unliebsamen Gast in meiner Wohnung begrüssen zu müssen, schliesse ich die Fensterläden, warte bis die grösste Knallerei ein Ende hat und mache einen Kontrollgang durch das Haus.<br><br>Auf keinen Fall will ich jemandem die Festlaune und die Freude an lichtervollen Feuerwerken verderben. Auch ich sehe sie zu festlichen Anlässen gerne. Aber ich finde es unverantwortbar, in den Gassen und auf den Plätzen einer schützenswerten, mehrere hundert Jahre alten Altstadt im wahrsten Sinne des Wortes «mit dem Feuer zu spielen».<br><br style="font-weight: bold;"><span style="font-weight: bold;">Christa Thomke, Biel<br><br></span><span style="font-style: italic;">Die Redaktion kürt einen pointierten, mutigen, besonders originellen
Brief zum «Leserbrief der Woche». Die Schreiberin/der Schreiber erhält
einen Kugelschreiber von Bureaurama.</span><br><br>

Stichwörter: Leserbrief der Woche

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