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Savoir & Vivre

Es lockt der Duft von Apfelchüechli

Was unsere Grossmütter schon zu schätzen wussten, ist heute noch im Trend: Fruchtige Öpfuchüechli sind in der kalten Jahreszeit ein verführerisches Gericht. Verraten Sie uns Ihr Rezept?

Egal ob zum Zvieri, als süsser Znacht oder leckerer Dessert, Öpfelchüechli sind immer eine Sünde wert. Bild: zvg

Margrit Mast Beyer

Wer es lieber fruchtig als schokoladig mag, wird sie lieben: Apfelringe im Teig gebacken. Diese Rezepte kennen viele schon von klein an aus Grossmutters Küche. Wenn nicht, ist es Zeit, sie kennen zu lernen. Denn das Gericht erlebt ein lustvolles Comeback. Ihr Geruch weckt Emotionen und Erinnerungen an die Kindheit.


Die von luftigem Teig umhüllten, dick geschnittenen Apfelscheiben sind beim Reinbeissen eine Offenbarung. Der Zimtzucker bleibt wie ein Hauch auf dem Gebäck und knirscht zwischen den Zähnen, und die dazu servierte Sauce oder Glace ist das i-Tüpfelchen.
Apfelchüechli sind einfach herzustellen. Man kann verschiedene Ausbackteige verwenden, wie Bierteig, Weissweinteig, Mostteig oder Champagnerteig. Am häufigsten wird dazu ein Teig mit Apfelsaft hergestellt. Der Teig wird lockerer und leichter mit ein bis zwei Esslöffeln Mineralwasser mit Kohlensäure. Die verwendeten Äpfel sollten säuerlich, hart und rund sein. Die Sorten Eilstar, Jonagold, Idared oder Boskop eignen sich dazu am besten.


Warm schmeckts besser
Ganz frisch gebacken schmecken Apfelküchlein am besten - leider gibt es keine Methode, sie über längere Zeit knusprig zu halten. Die feuchtheissen Apfelringe weichen den Teig von innen her rasch auf. Apfelküchlein werden deshalb portionenweise fritiert und sofort serviert, denn auch beim Warmstellen im Backofen werden sie weich. Wichtig ist zudem, dass man sie gut abtropft und nicht aufeinander schichtet.


Den Genuss isst man am besten von Hand. Dabei werden sie tief in die feine Sauce getaucht. Diese Mahlzeit eignet sich aber eher als Hauptgericht, weniger als Zwischenmahlzeit oder zum Dessert. Für einen Nachtisch sind Apfelchüechli nicht leicht genug und können schwer im Magen liegen.


Statt mit Zimtzucker kann kann man Öpfuchüechli mit Zitronenzucker bestreuen. Dazu wird dem Zucker die abgeriebene Schale einer halben Zitrone beigemischt. Damit die Äpfel nicht braun werden, taucht man sie vor dem Schneiden in Zitronenwasser. Als Beilage zum Apfelchüechli wird traditionell Vanillesauce oder Vanilleeis serviert. Eine leichte Süssmost- oder Zimtcreme passt ebensogut dazu. Für erstere braucht es 5 dl Süssmost oder Apfelsaft, abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone sowie deren ganzen Saft, 50 g Zucker, 2 EL Maizena, 3 frische Eier und 1 dl Vollrahm. Alle Zutaten bis und mit Eiern mit dem Schwingbesen in einer Pfanne unter ständigem Rühren bei mittlerer Hitze zum kochen bringen. Sobald die Masse bindet von der Platte nehmen und zwei Minuten weiterrühren. Crème durch ein Sieb in eine Schüssel passieren, Klarsichtfolie direkt auf die Crème legen und kühl stellen. Zum Schluss wird der steif geschlagene Rahm vorsichtig unter die Crème gezogen. Für die Zimtcreme braucht es 5 dl Milch, 1EL Maizena, 2 bis 3 EL Zucker, 1 TL Vanillezucker, 1 TL Zimt und 2 Eier. Die Zubeitung ist gleich wie bei der Süssmostcreme.


Dem Mehl, in dem die Apfelringe durchgezogen werden, kann man auch geschälte und gemahlene Mandeln beifügen.


Keine Schweizer Erfindung
Öpfuchüechli sind keine typische Schweizer Spezialität. Überall wo es Apfel gab und gibt, werden sie seit je in vielen Varianten gebacken, gekocht und genossen. Der Apfel ist eine der ältesten kultivierten Früchte der Erde. Rezepte aus dem Jahr 1780 belegen die Kochkultur von Apfelchüechli und anderen Apfelspeisen. Bis ins 19. Jahrhundert gab es keine Backöfen. Da wurden die Apfelspezialitäten in heissem Schmalz in einer Pfanne über dem Feuer zubereitet.  Übrigens: Auch halbierte Zwetschgen oder Birnenschnitze schmecken so fritiert ausgezeichnet. Margrit Mast Beyer


Info: Frittieren ist relativ aufwändig und zudem kalorienreich. Wer trotzdem nicht auf Apfelküchlein verzichten möchte, kann die Köstlichkeit auch ohne Öl im Backofen backen – mit dem Chüechli-Blech von Betty Bossi (www.bettybossi.ch)

 

Schmackhafte Rezepte

Apfelchüechli mit Vanillesauce
Zutaten für vier Personen. Teig: 150 g Mehl, 1 Prise Salz, 1,5  dl Apfelsaft, 2 Eigelb, 2 Eiweiss, steif geschlagen. Küchlein: Saft einer Zitrone, 2 EL Zucker, 4 Äpfel, 7 dl Frittieröl, Zimt-Zucker. Vanilliesauce: 4 dl Milch, 1 EL Maizena, 1 Vanillestängel, 2 EL Zucker, 1 Ei.
Zubereitung. Teig: Alle Zutaten (ohne Eiweiss) zum luftigen Teig verrühren. 30 Minuten ruhen lassen. Kurz vor dem Backen das geschlagene Eiweiss unter den Teig ziehen. Küchlein: Zucker und Zitronensaft mischen. Äpfel rüsten, Kernhaus entfernen und in 1 cm dicke Rondellen schneiden. In Zucker-Zitronensaft legen. Frittieröl auf 170°C erhitzen. Apfelringe portionenweise in den Teig legen. Etwas abtropfen lassen und 4-5 Minuten frittieren. Auf Haushaltpapier abtropfen lassen. Warme Apfelringe mit Zimt-Zucker-Gemisch bestreuen. Sauce: Alle Zutaten in einer Pfanne mischen. Unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Leicht auskühlen lassen. Apfelküchlein mit warmer Vanillesauce servieren.


Apfelchüechli mit Gewürzzucker
Zutaten: ½ TL Nelkenpulver, ½ TL Zimt, 1 EL Kurkuma, 1 Prise Salz, 1 TL Ingwerpulver, 1 TL Madras-Curry, 100 g Zucker, 2 Eiweiss, 2 EL weiche Butter, 2 EL Zitronensaft, 250 Mehl, 3 dl Süssmost, 4 Säuerliche Äpfel, Erdnussöl zum Frittieren.
Zubereitung: Mehl, Kurkuma, Curry und Most mischen. Butter darunter rühren. Teig 30 Minuten ruhen lassen. Äpfel schälen, Kerngehäuse ausstechen und jeden Apfel in 6 Scheiben schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln. Eiweiss mit Salz steif schlagen und unter den Teig heben. Reichlich Öl in einer Gusseisenpfanne erhitzen. Apfelscheiben durch den Teig ziehen. Im heissen Öl goldgelb backen. Auf Haushaltspapierabtropfen lassen. Zucker mit Ingwerpulver, Zimt und Nelkenpulver mischen.Apfelchüechli darin wenden und noch warm servieren.


Öpfuchüechli (Buch 1932)
Zutaten: 500 g Mehl, 2,5 dl Milch, etwas Salz, alles gut mischen. 2 Eier: das Eigelb mit dem Mehl mischen und einen glatten Teig machen. 1 Kaffelöffel Backpulver: sieben, unter die Masse mischen, Eiweiss schlagen, unterziehen und ruhen lassen. Saure Äpfel: schälen, in dicke Scheiben schneiden, vom Kerngehäuse befreien und in eine Schüssel geben. Zucker über die Äpfelscheiben streuen. Wenig Kirsch dazu giessen. Eine Stunde stehen lassen. Apfelscheiben im Teig wenden. Backfett erhitzen und Apfelscheiben darin backen. Mit Zimt und Zucker bestreuen.

 

Haben Sie ein spezielles Öpfuchüechli-Rezept? Dann schicken Sie es uns! internet@bielertagblatt.ch

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