Die besseren Coldplay
Dieses Album ist zwar schon länger erhältlich, aber egal. Hatte es doch
die Band selber zu Beginn einfach mal als Download angeboten. Selber
schuld. Denn ein solches Album gehört als Respektbezeugung vor der
künstlerischen Leistung als Ganzes gekauft.
(tg) Also: Mit den frühen Radiohead werden sie gerne verglichen. Nutzlos. The Boxer Rebellion sind vor allem: die viel besseren Coldplay. Ganz grosse Emotionen. Und zwar nicht bloss «Emotionen» im Sinne telegen verkäuflicher Marketingfaktoren, sondern: tatsächliche Gefühle. Man höre sich allein das Anfangsstück an, «Flashing Redlight Means Go». Diese Inbrunst, diese Dringlichkeit. «Tell me, why you’re leaving», fragt Sänger Nathan Nicholson klagend in Kopfstimme (rührt daher der Radiohead-Vergleich?). The Boxer Rebellion bieten auf «Union» so genannte «Wall of Sounds», allerdings mit Zurückhaltung erzeugt, und das ist kein Widerspruch. Ein Gesang, der die Vokale dehnt, ohne aufdringlich zu wirken; Songs, die zu Tränen rühren, ohne auch nur je in die Nähe des Kitschverdachts zu geraten. Wie «Soviets»: Ein recht einfaches Lied, das allein mit akustischer Gitarre und Gesang beginnt, minime Perkussion setzt ein, dann das Schlagzeug, schliesslich fabrizieren die elektrischen Gitarren Flächen, zeichnen zerfetzte Wolken in den Himmel, das Schlagzeug erzeugt einen Beat mit grossem Sog, die Stimme singsangt melancholisch. So schön, dass es weh tut. Grossartig.
Info: The Boxer Rebellion: «Union» (Stones Throw/Musikvertrieb)