Doch dies alles ist eines schönen Abends vorbei. Genau in dem Moment, als ihm vor seiner New Yorker Bruchbude die unbekannte junge Melody anhaut und ohne grosse Umschweife um Unterschlupf bittet. Zwei Minuten gewährt er ihr. Es wird eine Nacht daraus, ein Tag, Monate, und nach einem Jahr ist er gar mit ihr verheiratet. Sie tut ihm gut, dem alten Griesgram, das merkt sogar er selber. Obwohl: Ganz hat er seinem heiss geliebten Pessimismus dann doch nicht abgeschworen, sieht grundsätzlich eher Schatten als Licht. Doch dann hat das Schicksal in Form der sittenstrengen Eltern seiner Angetrauten doch noch eine gehörige Überraschung für den Neuvermählten parat...
«Whatever Works» ist so typisch Woody Allen, wie ein Film von ihm nur sein kann. Da quasselt einer den lieben langen Film hindurch nicht nur mit sich selber und seiner engsten Umgebung, sondern in regelmässigen Abständen direkt mit dem Kinopublikum. Da tanzt trotz allem Pessimismus und Nörgeleien die Lust des Lebens wie ein sprudelnder Bergbach. Und da wird über den Tod genauso leicht Witze gerissen wie über den Sinn des Lebens gelacht wird. Und dennoch funktioniert es diesmal irgendwie nicht. Das fängt bereits bei der Besetzung der Hauptrolle mit dem Komiker Larry David an. So erfahren und zielsicher Woody Allen sonst in der Besetzung seiner Hauptrollen ist, diesmal hatte er dabei keine glückliche Hand. Denn statt einer eigenständigen schauspielerischen Leistung, kriegt man das Gefühl nicht los, Larry David wollte möglichst genauso spielen wie Woody Allen spielen würde. Boris Yellnikoff bleibt durchwegs etwas gekünstelt, man nimmt ihm den penetranten Pessimisten einfach nicht ganz ab. Seine junge Frau Melodie wird von Evan Rachel Wood zwar erfrischend ungekünstelt und direkt gespielt, doch so ganz erhält auch ihre Rolle nicht genügend Konturen, um restlos zu überzeugen. Zu guter Letzt lassen auch die Dialoge etwas von diesem typisch ätzenden Woody Allen-Biss vermissen.
Doch vielleicht hat der Altmeister und bekennende New Yorker Stadtneurotiker ganz einfach mit seinen letzten beiden Filmperlen «Match Point» und «Vicky Cristina Barcelona» schlicht und einfach die Messlatte als Vergleich zu «Whatever Works» zu hoch angesetzt. Denn trotz allem: Der Film ist und bleibt einer von Woody Allen und ist auch so noch unterhaltend.
Info: im Kino Beluga, Biel.
Beat Felber
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